Das Theater an der Wien ist das dritte Opernhaus Wiens. Es unterscheidet sich von der Staatsoper und der Volksoper durch sein Repertoire (viele Opern aus dem Barock-Repertoire und weniger bekannte Werke) und sein Stagione-System. Im Dezember stand auf dem Programm Halka des polnischen Komponisten Stanislaw Moniuszko neben Giustino und Rodrigo von Händel.
Stanislaw Moniuszko (1819–1872) gilt als der Vater der polnischen Oper. Seine zwei außerhalb Polens bekanntesten Werke sind Halka aus dem Jahr 1848 (zweite Fassung 1858) und Straszny Dwor (Das Spukschloss) aus dem Jahr 1865. Offenbar wurde Halka bereits 1956 in einer französischen Fassung in Belgien aufgeführt, wurde aber nie ins Repertoire aufgenommen. Dies geschah auch in Wien nicht, wo die Volksoper 1965 eine szenische Version des Werkes präsentierte. Um die Oper von Moniuszko wieder auf die Wiener Bühne zu bringen, wählte das Theater an der Wien eine Koproduktion mit dem Teatr Wielki Oper Narodowa Warschau. Der künstlerische Direktor der Nationaloper Warschau, Mariusz Trelinski, inszenierte Halka mit Unterstützung von Boris Kudlicka (Bühnenbild), Dorothée Roqueplo (Kostüme), Tomasz Wygoda (Choreographie), Marc Heinz (Licht) und Bartek Macias (Video).
Das Libretto von Wlodzimierz Wolski verlegt die Handlung in ein reiches Landgut im Süden Polens am Ende des achtzehnten Jahrhunderts. Halka ist ein einfaches Bauernmädchen, das von Janusz verführt und dann verlassen wird, der nun im Begriff ist, Zofia zu heiraten, die Tochter des wohlhabenden Grundbesitzers Stolnik. Die Inszenierung von Mariusz Trelinski verlegt die Handlung ins Ende des 20.sten Jahrhunderts in und um ein luxuriöses Hotel. Anscheinend arbeitet Halka dort als Magd oder Zimmermädchen und bemerkt nicht, was um sie herum geschieht: die Vorbereitungen für die Hochzeit von Janusz und Zofia. Halka glaubt immer noch an Janusz' Liebe zu ihr. Dies zum Zorn und zur Verzweiflung von Jontek, der sich wirklich in Halka verliebt hat und sie schützen möchte. Trelinski präsentiert das ganze Geschehen als einen bösen Traum von Janusz, gefangen in der Drehbühne, die den Hotelkomplex darstellt, in dem Personal und Gäste umhergehen, wo Halka eine Fehlgeburt erleidet und schließlich Suizid begeht. Eine schlichtere Inszenierung wäre deutlicher und überzeugender gewesen!
Schade, denn die amerikanische Sopranistin Corinne Winters, die in den Vorjahren in verschiedenen Rollen in der Flämischen Oper bewundert wurde, war eine ergreifende Halka, ein zartes und verletzliches Mädchen, das ihre Liebe und Verzweiflung mit ihrer ausdrucksstarken Sopranstimme ausdrückte, aber als Figur manchmal in dem hektischen Bühnengeschehen verloren ging und aufgesaugt wurde. Jontek, der Mann, der sie liebt, aber Halkas verblendete Liebe zu Janusz nicht versteht, wurde mit Temperament und Zärtlichkeit vom gefeierten polnischen Tenor Piotr Beczala verkörpert, der seinen Zorn und seine Liebe mit seinem goldenen Tenor und dramatischer Kraft ausdruckte. Janusz, schuldig und feige, wurde überzeugend von Tomasz Konieczny dargestellt, mit einer ziemlich rauhen Baritonstimme. Alexey Tikhomitov verlieh Stolnik die notwendige Autorität, und Natalia Kawalek war seine verwöhnte, ahnungslose Tochter Zofia mit frischer Sopranstimme. Die Mitglieder des Arnold-Schoenberg-Chores verliehen den Hochzeitsgästen und dem Hotelpersonal Stimme und Präsenz. Lukasz Borowicz dirigierte das ORF Radiosymphonieorchester Wien in einer spannungsgeladenen Aufführung mit Farbe und dramatischem Schwung und ließ die Mazurka wirbeln!
- WAS: Halka, Oper von Stanislaw Moniuszko, Libretto Wlodzimierz Wolski
- WER: Stimmen: Corinne Winters, Piotr Beczala, Tomasz Konieczny, Alexey; Chor: Arnold Schoundberg Chor; : Orchester: ORF Radiosymphonieorchestenr Wiund; : Dirigent: Lukasz Borowicz; : Inszenierung: Mariusz Trelinski; : Bühnenbild: Boris Kudlicka; : Kostüme: Dorothée Roqueplo; : Choreografie: Tomasz Wygoda; : Beleuchtung: Marc Heinz; : Video: Bartek Macias
- PRODUKTION: Theater an der Wien mit dem Teatr Wielki Opera Narodowa Warschau: Wien, Theater an der Wien, 17. Dezember 2019
- WO & WANNFOTOS: © Monika Rittershaus
- Klassiek-Centraal.be » Halka, eine Oper zum Entdecken Kommentare FeedDas Theater an der Wien – Das Opernhaus – ist das dritte Opernhaus Wiens. Es unterscheidet sich von der Staatsoper und der Volksoper durch sein Repertoire (viele Opern aus dem Barockbestand und weniger bekannte Werke) und sein Stagione-System. Im Dezember stand Halka des polnischen Komponisten Stanisław Moniuszko auf dem…











