Am 29. November 1924 starb Giacomo Puccini, einer der größten Opernkomponisten aller Zeiten, in Brüssel. Hundert Jahre später gedenken wir seiner letzten Tage in der belgischen Hauptstadt und der besonderen Umstände, die zu seiner Staatsbeerdigung weit entfernt von seinem geliebten Italien führten.
Eine experimentelle Behandlung
Im Herbst 1924 reiste Puccini nach Brüssel zur experimentellen Behandlung gegen Kehlkopfkrebs. Der 65-jährige Komponist, bekannt durch Meisterwerke wie 'La Bohème', 'Tosca' und 'Madama Butterfly', entschied sich für die Expertise von Dr. Leroux in Brüssel statt einer ähnlichen Behandlung in Berlin. Puccini bezog ein Stadtpalais in der Königsstraße 294, das heute als Hotel Puccini bekannt ist. Trotz seiner Krankheit arbeitete er weiter an seiner letzten Oper 'Turandot', in der Hoffnung, diese während seines Aufenthalts in Brüssel zu vollenden.
Inkognito in der Hauptstadt und das Schicksal
Der Komponist versuchte, seine Anwesenheit in Brüssel geheim zu halten. Dennoch wurde sein Aufenthalt am 18. November durch die Zeitung Le Soir enthüllt, was die italienische Botschaft zunächst abstritt. Puccini gab sogar ein exklusives Interview an Le Soir, in dem er seine Liebe zu Brüssel ausdrückte: "Brüssel kannte ich bereits und ich liebe es; aber stellen Sie sich vor, wie sehr ich die Stadt lieben werde, wenn sie mir meine Gesundheit zurückgibt."
Leider schlug das Schicksal zu. Am 29. November 1924 erlag Puccini einem Herzinfarkt in der Privatklinik von Dr. Leroux. Sein plötzlicher Tod schockierte die Musikwelt und führte zu einer eindrucksvollen Staatsbeerdigung in Brüssel.
Eine königliche Beerdigung
Die Trauerfeier fand am 1. Dezember in der Königlichen Marienkirche in Schaerbeek statt. Tausende Menschen versammelten sich entlang der drei Kilometer langen Strecke von der Klinik zur Kirche, um dem Maestro die letzte Ehre zu erweisen. In der Kirche waren hochrangige Persönlichkeiten aus Belgien und Italien anwesend, sowie Vertreter der Religionsgemeinschaft unter der Leitung des päpstlichen Nuntius. Das emotionale Höhepunkt war die Aufführung von Gounods 'Ave Maria' durch Laure Bergé, die erste Sängerin der Königlichen Münzschouwburg.
Nach dem Gottesdienst wurde Puccinis Sarg unter großer Anteilnahme zum Nordbahnhof gebracht, wo ein Sonderzug bereitstand, um ihn zurück nach Italien zu bringen. Seine sterblichen Überreste wurden schließlich 1926 in seinem früheren Wohnhaus, heute das Museo Villa Puccini in Torre del Lago, beigesetzt.
Die Münz erinnert an Puccini mit Turandot
Hundert Jahre nach Puccinis Tod lebt sein musikalisches Erbe weiter. Die Münz in Brüssel ehrt den Komponisten mit einer neuen Produktion von 'Turandot', der Oper, die er in Brüssel nicht vollenden konnte. Darüber hinaus organisiert der Chor Sammartini am 29. November 2024 ein großes Gedenkkonzert in der Marienkirche, genau ein Jahrhundert nach Puccinis Tod.
Puccinis kurzer, aber bedeutsamer Aufenthalt in Brüssel hat einen unauslöschlichen Eindruck auf die Stadt hinterlassen. Seine Staatsbeerdigung in der belgischen Hauptstadt war ein Zeugnis der universellen Wertschätzung für sein musikalisches Genie und eine würdige Ehrung eines der größten Komponisten seiner Zeit.



