Franz Schubert (1797-1828) komponierte wunderbare Musik zu der textlichen Ode an die Schönen Künste, geschrieben von Franz von Schober, "An die Musik". Gerade dieses Lied hörte ich nicht auf der weltberühmten Schubertiade in dem österreichischen ruhigen Bergstädtchen Hohenems, wo vor genau 50 Jahren die erste Schubertiade dort organisiert wurde.
Schubertiaden wurden bereits zu Schuberts Zeiten veranstaltet. Musiker, Künstler, Liebhaber und Kameraden versammelten sich um den Klavier spielenden und singenden, geselligen, gutherzigen, freundlichen, sanften, stämmigen Kerl mit der Brille und der Lockenpracht, der Junggeselle Franz Schubert war.
31 Jahre, mehr Zeit bekam er nicht, um geboren zu werden, aufzuwachsen, Musik zu erlernen und Hunderte und Aberhunderte von Partituren in Rekordtempo zu schreiben, während er noch unterrichtete, große Spaziergänge machte, um sich von Mutter Natur inspirieren zu lassen, Massen an Poesie las, stundenlang improvisierte und verliebt war. 31 Jahre, knapp und dennoch schon ein Leben, das so erfüllt war, dass ein durchschnittlicher Mensch wohl nicht 31, sondern 310 Jahre bräuchte, um der Welt das musikalische Erbe von Schubert zu hinterlassen, das wir heute noch haben. Es ist denn auch vieles verloren gegangen, also das, was heute da ist, ist nicht mal alles. Vielleicht ist allerlei mit "Die Taubenpost" verloren gegangen? Wer wird es sagen...
Hohenems, klein und doch so groß
Hohenems, es würde besser "Hohen Ems" geschrieben werden, aber Ortsnamen ändern sich nun mal im Laufe der Jahrhunderte, ist eine kleine Stadt, nicht weit vom Bodensee entfernt, einen Steinwurf von der deutschen Grenze im Norden und der Schweizer Grenze im Westen. Mächtige felsige, mit Bäumen dicht bewachsene Berge umgeben das Städtchen, das von einem Flüsschen durchquert wird, in dem man hofft, die eine oder andere Schubertiadeforelle aus dem klaren, schnell strömenden Wasser aufspringen zu sehen. Es plätschert wie in dem Lied und im Streichquintett, aber die Forelle? Die ist nicht da. Sie steht auch nirgendwo auf der Speisekarte in den wenigen Gaststätten, die das Städtchen hat. Warum sollte sie auch? Die Hunderte von Touristen kommen in den Tagen, wenn ich dort bin, nicht um irgendwelche Flussfische an den Haken zu bekommen, sondern kommen, um ein Lied über diesen Fisch zu hören und viel mehr Musik von Franz Schubert. Und kann man da zuhören! Tagelang Schubert und nichts als Schubert. Man könnte denken, es wäre zum Überdruss? Dann täuscht man sich. Man kann sich beim Hören von Schubert nie langweilen, ganz im Gegenteil. Aus irgendeinem Grund fasziniert er immer mehr und mehr und mehr...
Schon immer, seit meinen frühesten Kindergartentagen, mochte ich unter anderem Schubert. Soweit ich mich erinnern kann, lernten wir – meine Schwestern und Brüder – die Musik mit der kleinen LP "Das Dreimädelhaus" kennen, eine Operette mit lauter Liedern von Schubert und mit einer LP der Wiener Sängerknaben, auf der einige "Kassenschlager" von Schubert neben anderen Liedern gesungen wurden. Ich konnte stundenlang zuhören und sang immer mit. So einladende Musik, was willst du noch mehr? Meine künstlerische Mutter selig – seit einem Jahr ist sie gegangen – hat immer über die Schubertiaden dieses viel zu jung gestorbenen Komponisten gesprochen.
Unsere Mutter – jeder nannte sie "unsere Mutter" – ging nicht in eine Musikschule, aber sie las viel über Mozart, über Vivaldi, Bach, Beethoven, Wagner, Chopin, Musik aus der Renaissance und darüber, was für ein guter Mensch Haydn mit seinen wunderschönen Jahreszeiten gewesen sein muss und ja, natürlich auch über Schubert. Sie sagte, dass diese vier eigentlich zusammenhörten: "Das hörst du doch, nicht wahr, mein Junge?" – "Ja, Mama, es ist so schön, nicht wahr?". Diese vier waren Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert. "Schubert, mein Lieber, der veranstaltete Schubertiaden, wenn wir nur mal zu so etwas gehen könnten, das muss doch etwas Besonderes gewesen sein, diese Kameraden, alle so gute Sänger und so..."..."Ja, Mama"...
Es kam nicht dazu, Mama, dass wir das zusammen erlebten, aber ich habe das Wochenende, in dem ich Schubert ein- und ausatmete in den österreichischen Bergen, ständig an Sie gedacht und ich bin mir sicher, Sie waren dabei und haben mitgenossen. Erinnern Sie sich, dass ich dir von der CD dieses türkischen Tenors erzählte, der in Wien aufgewachsen ist? Diesen Sänger habe ich nicht nur gehört, ich habe auch ein Gespräch mit ihm geführt, was für ein angenehmer Kerl und welch großes Talent das ist."
Ich war also auf DER Schubertiade, endlich. Und ich kann euch versichern, liebe Leser, es klingt nach und wird weiter nachklingen, denn die Verwöhnungen für das Ohr folgten sich ununterbrochen. Was für Segnungen doch und das alles noch in akustisch nicht zu verbessernden Räumen, die auch das Auge erfreuen. Davor und danach lecker essen und übernachten in einem typischen Haus der Gegend machte alles perfekt und ließ mich den anstrengenden Leidensweg einer chaotischen Zugfahrt – wie desorganisiert die Deutsche Bundesbahn mit Stunden Verspätung und gestrichenen Zügen! – vergessen. Oh ja, ein süßer Trost dabei war auch der Gedanke, dass Schubert nie den Komfort eines ICE-Zuges genossen hatte. Der junge Mann hat nie einen Zug fahren können, er tat es zu Fuß und vielleicht ein- oder zweimal mit Pferd und Wagen. Was hätte er komponiert, wenn er die Reise, wie ich sie erlitten habe, erlebt hätte? Etwas voller Dissonanzen?
50 Jahre Schubertiade – das historische Programm mit neuen Interpreten
Die Gründer der Schubertiade in Hohenems, später erweitert um das nahegelegene Dörfchen Schwarzenberg, waren niemand Geringeres als der damals weltberühmte Tenor Hermann Prey und besonders Gerd Nachbauer, der bereits 1972 die "Mozartgemeinde Vorarlberg" gründete. Auf Betreiben des Sängers, der vor allem Schubert ehren wollte, wurde es letztendlich zur Schubertiade, zum ersten Mal 1976. Prey stieg ziemlich schnell aus der Organisation aus verschiedenen Gründen aus, aber bis heute ist die treibende Kraft hinter all diesem immer noch derselbe Gerd Nachbauer. Er baute die Schubertiade von damals zu einem echten Kunstunternehmen aus, das Schubert in den Mittelpunkt an einem Ort stellt, den niemand erwarten würde.
Was einst eine unbekannte, kleinere Stadt war mit einem großen Gebäude: dem Palais, wuchs zum wichtigsten Weltzentrum für Kammermusik um und über Schubert heran. Konzertserien gibt es zweimal pro Jahr in Hohenems und zweimal pro Jahr in Schwarzenberg. Das zieht weltweit viele Liebhaber an, die es genießen, erfahrene große Namen und aufstrebendes Welttalent zu hören. Wer in Hohenems eingeladen wurde, hat sofort eine Referenz in der Hand, die überall die Türen öffnet. Ein enormes Verdienst von Gerd Nachbauer und seinen vielen Mitarbeitern. Das muss erhalten bleiben, auch wenn es die stille Sorge gibt, dass Nachbauer möglicherweise keine unmittelbare Nachfolge hat – die Schubertiade ist so etwas wie ein Ein-Mann-Unternehmen – und was dann? All die Musiker, die Mitarbeiter, das Publikum, die Säle, die Museen, die das Städtchen hat... Das darf nie verschwinden oder allmählich verblassen.
Das vollständige Programm konnte ich nicht verfolgen, dafür fehlte mir die Zeit. Zwei Tage und vier Konzerte und ein Besuch der verschiedenen Museen füllten die paar Tage mehr als aus. Was hörte ich denn und warum finde ich, dass auch Sie nächstes Mal oder mehrmals dabei sein müssen? Lesen Sie mehr mit einem Klick auf diesen, und diesen und diesen Link und überzeugen Sie sich selbst, dass Sie dort sein müssen.








