Für ihr Programm Das Vermächtnis von Adriaen Willaert Das Vokalensemble Dionysos Now! ließ sich am Sonntag, den 23. November, in der Hoegaardener Sint-Rochuskapel von Mariadal nieder, dem üblicherweise Ort der Konzerte von Klassiek in de Kapel. Die Organisatoren, die sich in den vergangenen Saisons immer stärker in der flämischen Konzertlandschaft profiliert haben, holten erneut eine besonders subtile Aufführung nach Hoegaarden. Das Publikum war zahlreich vertreten: Die Kapelle war vollständig ausverkauft.
Die Wahl dieses Ortes erwies sich als vorzüglich. Die natürliche Klarheit und räumliche Tiefe der Kapelle boten eine nahezu ideale akustische Umgebung für die Polyphonie von Dionysos Now!. Von der ersten Note an wurde deutlich, wie nahtlos die Stimmen zusammenfanden. Die Sänger bildeten ein homogenes Ganzes, in dem Textur, Balance und Phrasierung sich gegenseitig ständig verstärkten, ohne einen Moment an Transparenz einzubüßen.
Das Programm selbst bot einen reichen und durchdachten Überblick über Willaerts musikalisches Universum. Die drei eröffnenden Werke — Was tust du, Seele, woran denkst du, Welche Süße je und Süßer Herr — klangen verfeinert und offen und vermittelten dem Publikum sofort einen Eindruck von Willaerts lyrischer Unmittelbarkeit. Anschließend erweiterte das Ensemble die Perspektive mit Musik von Zeitgenossen und Schülern, wodurch Willaerts Einfluss und Erbe auf natürliche Weise hörbar wurde.
Der zentrale Teil des Abends, eine gedachte Rekonstruktion von Willaerts Requiem für die Beerdigung, bildete das künstlerische Herz des Konzerts. Nach dem gregorianischen Ewige Ruhe führte Cypriano de Rore den Hörer in eine vielschichtige Klangwelt. Im Kyrie aus Messe Jenseits der ernsten Dinge entfaltete De Rore die Stimmführung allmählich, und Dionysos Now! fing diesen Prozess mit großer Sensibilität auf. Das, was als eine zerbrechliche Solomelodie begann, wuchs langsam zu einer geschichteten polyphonen Struktur heran, als würde sich die Musik in Echtzeit entfalten. Das Ergebnis war ein Moment außergewöhnlicher Intensität.
Auch in den folgenden Teilen — Gloria, Sanctus und Agnus — bewahrte das Ensemble dieselbe Präzision und Beherrschung. Zarlinos Verschone mich, Herr erhielt eine stille, beinahe zeitlose Lesart, während Lorenzo Benvenuitis Adrian angekommenelegant in die breitere Dramaturgie des Programms eingebettet wurde. Der Abschluss mit Willaerts Gib Frieden, Herr und das imposante Gesegnet bist du, Königin des Himmels bestätigte erneut die außergewöhnliche Reife dieses Ensembles: technische Kontrolle ging Hand in Hand mit einer ausdrucksstarken Wärme, die die Musik niemals schwer oder distanziert wirken ließ.
Nach der Vorstellung folgte ein Empfang, mittlerweile eine feste Tradition bei Klassiek in de Kapel. Die ungezwungene Atmosphäre, der Austausch zwischen Musikern und Publikum und das gemeinsame Interesse an dieser Musik machten diesen Moment zu einer passenden Fortsetzung des Konzerts. Viele der Anwesenden sprachen noch lange über die Aufführung, die bei vielen offensichtlich einen empfindlichen Nerv getroffen hatte.
Dionysos Now! tourt in Das Vermächtnis von Adriaen Willaert den kommenden Wochen weiter durch die Niederlande. Wer das Ensemble dort bei der Arbeit hört, darf sich auf eine besonders konzentrierte Aufführung freuen, bei der historische Einsicht und musikalische Raffinesse sich gegenseitig ständig verstärken.



