Louis Vierne hinterließ ein bahnbrechendes Orgelwerk. Seine außergewöhnlich anspruchsvolle und hochwertige Musik in nahezu allen anderen Genres ist seitdem jedoch in Vergessenheit geraten. Michael Schöch, wie Vierne ein Virtuose sowohl an der Orgel als auch am Konzertflügel, widmet seine neueste SACD dem vollständigen Klavierwerk des französischen Spätromantikers.
Bereits die erste Folge, mit Schwerpunkt auf Frühwerken, zeigt einen vielseitigen Komponisten, der äußerst pianistisch zu schreiben versteht und dabei subtile Stimmungsbilder auf die Bühne zaubert. Die »Suite Bourguignonne« von 1899 beschreibt in sieben idyllischen Charakterstücken einen Tag auf dem Lande – vom Morgenlied bis zum »Clair de lune«.
Debussy ist hier nicht weit entfernt, ebenso bei den drei Nocturnes op. 35: Inspiriert von dem erhabenen nächtlichen Eindruck der mächtigen Kathedrale St. Ouen in Rouen erinnert das erste Stück an die »Cathédrale engloutie« des berühmten Kollegen – die sternbesetzte Nachtatmosphäre des dritten Stücks enthält sogar den Gesang einer Nachtigall…
Michael Schöch versteht es, diese farbenfrohe Musik mit strahlender Eleganz zu gestalten. Neben den großen Zyklen widmet sich der ebenso entdeckungsfreudig wie vielseitig begabte Künstler auch den kleineren Stücken, von denen einige erst posthum veröffentlicht wurden. Bei der Aufnahme im Konzertsaal der Abtei Marienmünster wird er vom unverwechselbaren Klang des Steinway-Konzertflügels »Manfred Bürki« unterstützt, der mit seinem Baujahr 1901 genau in die Entstehungszeit dieser Werke passt. Wir können uns bereits auf die Fortsetzung freuen, dann mit Kompositionen aus der späteren Schaffensperiode!
Rezensionen
„Louis Vierne ist vor allem für seine Orgelwerke bekannt und war jahrelang Titularorganist der großen Orgel in Notre-Dame in Paris – so sehr sogar, dass er an der künstlerischen Spielkonsole dieser Orgel starb. Was aber viele nicht wissen, ist sein Erbe an Klavierwerken, die jetzt dank MDG in hoher Auflösung erhältlich sind; den ersten Teil stellen wir hier vor. Zugegeben, es handelt sich nicht gerade um Standardrepertoire, aber erfahrene Sammler werden sich über ihre Regale freuen… mit einer hervorragend aufgenommenen Reihe, die derzeit entsteht. In der Interpretation von Michael Schöch wirkt es wie eine Sammlung wunderbar gemalter, spätromantischer Klavierwerke von, ich zitiere aus dem Begleitbuch, »einem Komponisten beeindruckender Salonmusik«. Das sollten wir positiv sehen… Sucht man nach einer möglichen Verbindung zwischen einem mitteleuropäischen Pianisten und einem anderen, der französische Klavierwerke so bemerkenswert gut interpretiert, könnte der gemeinsame Nenner in der Orgel liegen. Wie Vierne ist Schöch ein begabter Organist (Erster Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD 2011, Fachgruppe Orgel) und somit ebenso stilsicher mit dem Klavier verbunden wie Vierne es war." (HRAudio.net)
„Louis Vierne (1870–1937) war sein ganzes Leben lang Organist in Notre-Dame in Paris, wo er einige der beeindruckendsten Orgelwerke komponierte, wofür er vor allem bekannt und bewundert wird. Bevor ich diese neue Aufnahme hörte, hatte ich noch nie etwas von seiner Klaviermusik gehört, und angesichts seiner Karriere als Organist erwartete ich pedantische und plumpe Musik zu hören. Stellen Sie sich meine angenehme Überraschung vor, als ich das Eingangsstück »Aubade« aus der »Suite bourguignonne« hörte. Der leichte, luftige und schnelle Stil erinnerte mich sofort an die Musik von Maurice Ravel oder sogar Claude Debussy. In die gleiche Richtung gehen die »Danse rustique«, ebenfalls aus der »Suite bourguignonne«, »Air à danser« und »Divertissement« aus den »Silhouettes d'enfants«, die alle mit lebendiger Gestaltung von Michael Schöch aufgeführt werden, der zufällig auch Organist ist und Gewinner des Internationalen Musikwettbewerbs der ARD in der Kategorie Orgel… Ich hätte absolut keine Ahnung gehabt, dass ein Kirchenorganist so mühelos in die Rolle eines Impressionisten schlüpfen kann. Wenn Sie Klaviermusik lieben und nach etwas Seltenem oder kaum Aufgeführtem suchen, wäre dies sicherlich eine schöne Bereicherung für Ihre Sammlung." (Classical Music Sentinel)





