Echoes in the Mists von Tae-Hyung Kim ist eine poetische Reise durch ein Jahrhundert Klaviermusik und zieht eine Linie von der frühen Romantik zur frühen Moderne. Das Album eröffnet mit Franz Liszts meisterhaften Transkriptionen von Schuberts Liedern – Werke, die die lyrische Intimität der Lieder bewahren und gleichzeitig ihre expressiven Möglichkeiten am Klavier erweitern. Hierzu gehören Frühlingsglaube, Ständchen nach Shakespeare und Fragmente aus Die schöne Müllerin, in denen Liszt Schuberts emotionale Welten mit feiner pianistischer Färbung und gelegentlich virtuoser Eleganz beleuchtet. Im Zentrum des Programms stehen Robert Schumanns Waldszenen, ein tief introspektiver Zyklus, in dem neun Miniaturen einen fantasievollen, poetischen Spaziergang durch einen inneren Wald bilden – abwechselnd mit Freude, Geheimnis, Zärtlichkeit und Melancholie. Mit dieser Auswahl macht Kim die eng miteinander verwobenen Klangwelten von Schubert, Schumann und Liszt hörbar und zeigt sowohl Kontinuität als auch Entwicklung innerhalb der romantischen Tradition. Die zweite Hälfte des Albums konzentriert sich auf eine andere Ästhetik mit Leoš Janáčeks V mlhách (In the Mist), komponiert 1912 – ein Werk, das sich durch persönlichen Trauer und die Suche des Komponisten nach einer verdichteten Ausdrucksform seines späten Stils auszeichnet. Die vier Sätze bilden eine psychologische Landschaft in Nebel gehüllt, in der fragmentarische Motive, sprachähnliche Rhythmen und wechselnde Tonfarben eine zerbrechliche, introspektive Atmosphäre schaffen. Obwohl es vage Spuren von Debussys Einfluss gibt – besonders in den leuchtenden Anfangs- und Endsätzen – bleibt die Musik unverkennbar Janáček in ihrer Spannung, ihrem Fatalismus und ihrer emotionalen Unmittelbarkeit. Durch die Nebeneinanderstellung dieser radikal verschiedenen Komponisten schafft Kim ein Album, das die Verschiebung in der Klavierkomposition von romantischer Lyrik zu früher moderner Expression widerspiegelt und das Hörer einlädt, zu hören, wie Echos aus der Vergangenheit in sich wandelnden musikalischen Sprachen widerhallen.





