Die Freude am Experiment war ein zentrales Merkmal von Bachs kompositorischem Denken: das Streben, die Grenzen musikalischer Formen und die Möglichkeiten von Instrumenten und Stimme ständig zu erweitern – im Dienste einer Vollkommenheit, die sowohl ästhetisch als auch spirituell ist.
Die Werkauswahl auf dem zweiten Soloalbum des Cembalisters Cristiano Gaudio, dessen Debütaufnahme mit einem Diapason d'Or und dem Choc de l'Année des Magazins Classica ausgezeichnet wurde, wird von diesem Geist beflügelt. Von der schwindelerregenden Virtuosität der Chromatischen Fantasie und Fuga bis zur kontrapunktischen Dichte des Ricercare à 6 aus dem Musikalischen Opfer, von der Kunst der Transkription bis zur „zwölftönigen" Schlussfuge des ersten Teils des Wohltemperierten Klaviers entfaltet sich Bachs Musik hier als intellektuelles Abenteuer – und als körperlich spürbare Grenzerfahrung.





