Man möchte es nicht glauben und doch: In Brüssel wurden zwei Werke von Johann Sebastian Bach (1685–1750) entdeckt. Das bedeutet, dass die Werkliste BWV (Bach-Werke-Verzeichnis) mit allen bekannten Werken Bachs erweitert wird. Das ist eine Sensation für die Musikwelt. Was allerdings nicht neu ist: Diese Werke sind natürlich nicht wirklich neu. Sie waren Teil des Fonds Fétis in Brüssel. Lesen Sie unten die offizielle Pressemitteilung.
Brüssel / Leipzig, 17. November 2025 – Im außergewöhnlichen Fonds Fétis, der in der Königlichen Bibliothek von Belgien (KBR) aufbewahrt wird, wurden zwei bislang unbekannte Orgelwerke von Johann Sebastian Bach entdeckt. Diese Stücke, die kürzlich vom Bach-Archiv Leipzig authentifiziert wurden, wurden am 17. November während eines außergewöhnlichen Konzerts in der Thomaskirche in Leipzig vorgestellt.
Der Katalog von Bachs Werken wird fortan um zwei neue Stücke erweitert: die Chaconne in d-Moll BWV 1178 und die Chaconne in g-Moll BWV 1179. Nach jahrelanger Forschung konnte Peter Wollny, Direktor des Bach-Archivs Leipzig, diese Kompositionen mit Sicherheit Johann Sebastian Bach zuschreiben, nachdem er entdeckte, dass die Kopien, die um 1705 angefertigt wurden, von seinem Schüler Salomon Günther John stammten.
Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Wollny erklärt: „Wir können heute mit Sicherheit feststellen, dass die Kopien um 1705 von Salomon Günther John, einem Schüler Bachs, angefertigt wurden. Stilistisch weisen diese Werke zudem Merkmale auf, die typisch für Bachs Kompositionen aus dieser Zeit sind und bei keinem anderen Komponisten zu finden sind. Ich möchte meinen aufrichtigen Dank den Kollegen der Königlichen Bibliothek von Belgien und dem Bach-Archiv Leipzig für ihre jahrelange Unterstützung bei dieser Forschung ausdrücken. Mein Dank gilt auch unseren Partnern – dem Bundeskulturbeauftragten, dem Freistaat Sachsen und der Stadt Leipzig – für ihr anhaltendes Vertrauen in die Arbeit des Bach-Archivs und für die finanzielle Unterstützung, die unsere Mission ermöglicht.
Die Werke werden in einer Handschrift des Fonds Fétis aufbewahrt, eine monumentale Sammlung zusammengestellt von Musikwissenschaftler und Komponist François-Joseph Fétis (1784–1871), dem ersten Direktor des Königlichen Konservatoriums Brüssel. Während seines Lebens baute er eine umfangreiche Bibliothek auf, die hauptsächlich aus Musikdokumenten bestand und heute in der KBR aufbewahrt wird.
Diese Sammlung umfasst auch ein Autograph von Bach: die Suite für Laute BWV 995 (eine Bearbeitung der fünften Cellsuite BWV 1011), online hier einsehbar.
Über diesen Fonds sagt Marie Cornaz, Konservatorin der Musikabteilung der Königlichen Bibliothek von Belgien (KBR): „Mit dem Fonds François-Joseph Fétis (1784–1871) bewahrt die Königliche Bibliothek von Belgien einen außergewöhnlichen Schatz an wertvollen Handschriften und Drucken aus dem 15. bis 19. Jahrhundert, von unschätzbarem Wert für die internationale musikwissenschaftliche Forschung. Unsere Institution gehört zu den bedeutendsten Referenzbibliotheken in Europa, und wir freuen uns sehr, dass unsere Bach-Sammlung heute um zwei neue Werke bereichert wird."
Die beiden Chaconnen wurden gerade von der Musikverlag Breitkopf & Härtel (Leipzig) veröffentlicht und sind nun der Öffentlichkeit zugänglich. Auch die digitalen Bilder des KBR-Manuskripts, in dem die Werke überliefert sind, können online hier eingesehen werden.
Das Eröffnungskonzert, die erste öffentliche Aufführung dieser Werke seit 320 Jahren, aufgeführt in der Thomaskirche durch den niederländischen Organisten Ton Koopman, kann auf Anfrage über die Kanäle des Bach-Archivs Leipzig angesehen werden.
Das Bach-Archiv Leipzig, das internationale Forschungszentrum zu Johann Sebastian Bach, feiert 2025 sein 75-jähriges Bestehen. Das Institut erforscht das Leben, die Musik und das Vermächtnis des Komponisten und der ausgedehnten musikalischen Familie Bach. Es bewahrt und erschließt auch dieses Erbe als kulturellen und Bildungsreichtum. Das Bach-Archiv ist Teil der Konferenz nationaler Kulturinstitutionen und zählt zu den kulturellen Leuchttürmen Deutschlands.





