Dieses Jahr kein Klassiek in de Stad auf dem Sint-Jansplein. Aber wer in Antwerpen den Start der neuen Kulturseason gerne mit Musik einleiten möchte, muss nicht hungrig bleiben. Am Samstag, 5. September, öffnen das Antwerp Symphony Orchestra und Opera Ballet Vlaanderen ihre Türen und laden das Publikum ein, die beiden Häuser, ihre Arbeit und vor allem das kennenzulernen, was in den kommenden Monaten auf den Bühnen zu erleben ist.
Dass beide Institutionen dies gemeinsam organisieren, ist natürlich kein Zufall. Seit 1. März 2026 arbeiten das Antwerp Symphony Orchestra und Opera Ballet Vlaanderen als eine Organisation zusammen. Die einzelnen künstlerischen Identitäten bleiben zunächst erhalten, aber hinter den Kulissen sind die beiden Häuser von nun an miteinander verbunden. Ein neuer Name und ein neues Corporate Design werden erst ab der Saison 2028-2029 eingeführt. Für das Publikum ist 5. September zunächst eine erste Gelegenheit, diese neue Zusammenarbeit nicht so sehr in Worten, sondern einfach in der Praxis zu erleben.
Ab 12.30 Uhr öffnen sich die Türen der Koningin Elisabethzaal und der Opera Antwerpen. Und wer hineingeht, sieht mehr als nur eine Reihe von Kostproben der neuen Saison. Die Open Huizen wollen vor allem zeigen, was sich abspielt, bevor eine Aufführung oder ein Konzert schließlich für das Publikum erscheint.
In der Koningin Elisabethzaal kann man um 13 Uhr eine Probe des Antwerp Symphony Orchestra besuchen. Es ist eine ganz andere Erfahrung als ein Konzert: kein fertiges Ganzes, sondern Musik, die noch im Entstehen begriffen ist, mit Anweisungen, Wiederholungen und Momenten, in denen deutlich wird, wie viel Arbeit hinter diesen selbstverständlichen Minuten auf der Bühne steckt.
Auch der Rest des Gebäudes wird an diesem Nachmittag geöffnet. Bei Führungen kann das Publikum nicht nur den Saal, sondern auch Teile des Backstage-Bereichs entdecken. Musikalische Überraschungen und kurze Auftritte machen aus der Führung mehr als nur einen gewöhnlichen Blick hinter die Kulissen.
In der Opera Antwerpen hat das Publikum die Gelegenheit, eine offene Probe von De Materie von Louis Andriessen zu besuchen. Zwischen 14.30 und 17.30 Uhr wird mit Cast und Orchester an dieser besonderen Oper gearbeitet, die im September aufgeführt wird – mit einer kurzen Pause zwischen 16 und 16.30 Uhr. Wer eine Probe besucht, sieht nicht nur, wie die Aufführung entsteht, sondern bekommt auch einen Eindruck von der Konzentration, der Suche und der ständigen Anpassung, die einer Opernpremiere vorausgeht.
Damit bleibt das Programm nicht auf diejenigen beschränkt, die bereits mit Oper oder sinfonischer Musik vertraut sind. Für Kinder gibt es Aktivitäten rund um Instrumente, Musik und Bühnenbild, während Erwachsene um 13 und 15 Uhr an Tanzworkshops mit Zoë Demoustier teilnehmen können. Beachten Sie: Die Platzanzahl ist begrenzt und die Anmeldung ist nur vor Ort möglich. Wer also sichergehen möchte, einen Platz zu bekommen, sollte rechtzeitig dort sein. In der Koningin Elisabethzaal wird außerdem Yoga mit Live-Soundscapes von Schlagzeugern kombiniert. Dies sind Aktivitäten, die die traditionellen Grenzen zwischen Hören, Schauen und selbst Musizieren etwas verschwimmen lassen.
Auch außerhalb der Gebäude erklingt Musik. Auf dem Astridplein und dem Operaplein spielen Blechbläser kurze Minikonzerte von den Balkonen aus. Die beiden Häuser suchen damit buchstäblich den Kontakt zur Stadt. Später am Nachmittag wird das Publikum in der Koningin Elisabethzaal außerdem eingeladen, beim Singalong mit dem Chor von Opera Ballet Vlaanderen mitzusingen.
Das Ganze mündet um 18 Uhr in ein kostenloses Konzert des Antwerp Symphony Orchestra unter der Leitung des aufstrebenden Dirigenten Wilson Ng. Mundharmonikaspieler Steven De bruyn ist der Solist. Die Wahl des Programms ist aussagekräftig: Zehn Jahre nach dem Tod von Toots Thielemans wird die belgische Jazzlegende mit Musik geehrt, die klassische Tradition und Jazz miteinander verbindet. Neben Gershwin und anderen Komponisten steht natürlich auch Musik von Thielemans selbst auf dem Programm.
So erhält dieser erste gemeinsame Open Huizen-Tag einen schön aufgebauten Spannungsbogen. Erst gibt es die Gebäude selbst, dann die Proben und Aktivitäten, die zeigen, was sich hinter den Kulissen abspielt, und schließlich das Konzert, in dem alles zusammenkommt. Das Publikum wird dabei nicht nur zum Zuschauer, sondern bekommt die Chance, sich kurzzeitig als Teil der Welt zu fühlen, die sich normalerweise hinter den geschlossenen Türen eines Konzertsaals oder Opernhauses abspielt.
Vielleicht ist das auch die interessanteste Art, auf diesen Tag zu schauen. Ein Kulturhaus wird letztendlich nicht nur durch die Aufführungen geprägt, die dort stattfinden, sondern ebenso durch die Menschen, die dort jeden Tag arbeiten, proben, singen, musizieren, tanzen und bauen. Wer am 5. September zwischen der Koningin Elisabethzaal und der Opera Antwerpen hin und her läuft, bekommt davon einen Eindruck.
Und so gibt es trotz des Ausfalls von Klassiek in de Stad doch eine neue Möglichkeit, den Antwerpener Musiksommer abzuschließen. Nicht mit einer großen Bühne auf dem Sint-Jansplein, sondern mit zwei Häusern, die für einen Tag selbst zur Bühne werden. Eine Einladung, hereinzukommen, sich umzusehen, zuzuhören und vielleicht gleich neugierig auf das zu werden, was die neue Saison bringen wird.
Open Huizen – Samstag, 5. September 2026, ab 12.30 Uhr in der Koningin Elisabethzaal und der Opera Antwerpen. Alle Aktivitäten sind kostenlos und eine Reservierung ist nicht erforderlich (außer für die Tanzworkshops, bei denen die Anmeldung nur vor Ort möglich ist). Das abschließende Konzert in der Koningin Elisabethzaal beginnt um 18 Uhr.
Weitere Informationen:
https://www.antwerpsymphonyorchestra.be/nl/programma/open-huizen-jgwn
https://www.operaballet.be/nl/programma/seizoen-2026-2027/open-huizen