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Rezensionen

Tschechische Komponisten für 30 Jahre Festival 20.21 in Leuven

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· 4 Min. Lesezeit
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Tschechische Komponisten für 30 Jahre Festival 20.21 in Leuven
© Festival 20.21 - Malou Van den Heuvel

Und welche Tschechen! Ein echter aus Brno, Leos Janacek, den wir doch ziemlich gut von seinen Opern kennen. Aber es gab auch Erwin Schulhoff, einen Tschechen, der Unterricht bei Debussy nehmen wollte, aber mit ihm nicht auskam und sich mehr von amerikanischen jazzigen Klängen verführen ließ. Und dann gab es noch den Tschechen, der später in die USA zog, Bohuslav Martinu. In diesem sonntäglichen „Czech That!"-Programm kamen alle drei zur Sprache. Ein erweitertes Pavel Haas Quartet eröffnete nämlich das Konzert mit dem Streichsextett (1924) von Erwin Schulhoff. Man fragt sich doch, wie diese Musik damals vom Konzertpublikum aufgenommen wurde und vor allem, wie all diese teilweise atonalen Klänge bis heute überdauert haben und geschätzt blieben. Merkwürdig allerdings. Manchmal sanft streichelnd und dann wieder perkussiv hart mit rasend schnellen Streichern. Ganz anders als das Streichquartett Nr. 2 von Janacek. Ein Muss natürlich, wenn man über diesen Komponisten spricht. Es trägt den Untertitel „Intime Briefe". Der Moderator und Festivaldirektor Pieter Bergé erzählte, dass Janacek mehr als 700 echte Briefe an seine zwar verheiratete, aber geliebte Kamila Stösslová schrieb. Wehmütig und leidenschaftlich klang das manchmal, wie man das von so einem musikalischen Brief erwarten kann. Und auch so mitreißend gespielt vom Pavel Haas Quartet. Es ist nicht das erste Mal, dass dieses Quartett hervorragend für das Festival auftritt. Es trägt den Namen des tschechischen Komponisten Pavel Haas, der in Auschwitz umgekommen ist. In diesem ersten Konzert gab es noch ein Streichsextett, dieses Mal von Bohuslav Martinu. Der Anfang klang fast wie eine orchestrale Anordnung nah bei einem „Standard" aus dem American Songbook mit etwas Swing zwischendurch, aber auch atonale Züge. Und ein Lento, das sehr melodisch und (neo)klassisch angelegt ist. In den nächsten zwei Teilen manchmal lebhaftes Zusammenspiel, wenig Solistisches, aber viel einstimmiges, fast unisono Spiel des ganzen Ensembles. Wie ein Perlchen von Sanftheit klang das.

Eine ganz andere Gruppe kam für den zweiten Teil des Nachmittagskonzerts auf die Bühne und mit anderen Klängen auch. Das waren I Solisti, ein ausgezeichnetes Bläserorchester. Aber diesmal stand mittendrin ganz dominant das Klavier von Jan Michiels. Und für das erste Werk gab es auch Streicher dabei, das Concertino von Leos Janacek. Luftige Tiererabenteuer in Musik gesetzt mit Vertonungen für den Igel, das Eichhörnchen, eine Waldohreule…. Werk also für prima Solisten: Horn, Fagott, Klarinette, aber es ist der Pianist, der alles zusammenhalten muss, am Ende ergänzt durch die Streicher. Ein musikalischer Scherz nannte Janacek dieses Werkchen.

Und auch das nächste Werk brachte eine erfreuliche Note: La Revue de Cuisine von Bohuslav Martinu. Gedacht als Ballett, aber nennen Sie es getrost eine humoristische Jazz-Suite, bei der die Instrumente auf der Bühne „Küchen"-Instrumente darstellen mussten, um einen Küchenstreit beizulegen. Und das taten sie nach anderen Rhythmen als denen aus dem klassischen Ballettrepertoire, mit u.a. dem argentinischen Tango und dem amerikanischen Charleston. Aber (und um in Küchenterminologie zu bleiben) das klang doch eher wie eine Reduktion dieser populären Musikstile. Eine schöne und amüsante Parodie war es auf jeden Fall.

Zurück zu Janacek mit noch einem luftigen, spielerischen und fröhlichen Musikstück Mladi (Jugend). Jetzt sind nur noch Bläser an der Reihe. Doch interessant, einmal nur ein paar ausgezeichnete Bläser beschäftigt zu sehen und zu hören, das kommt in einem Konzertsaal nicht oft vor. Danach war eine Pause nötig, denn es kam mehr Volk auf die Bühne. Das musste sein für das spritzige Finale, eine Parodie auf Le Bourgeois Gentilhomme, Molières Stück, das einst von Lully vertont wurde. Aber jetzt in einer Version von Erwin Schulhoff. Ballettmusik war die Absicht, das Ergebnis war reine Tanzmusik. Man konnte noch Strawinsky darin hören, aber noch mehr klang es jazzy. Wie könnte es anders sein, mit 5 Schlagzeugern auf der Bühne und dann noch 7 Bläsern im Orchestergraben. Und diese Klänge waren alle sehr im Widerspruch mit den Namen der Teile wie Aria, Sicilienne, Napolitana…. Lully war weit entfernt, aber das Ganze klang Strawinsky-würdig. Und über ihnen schwebte die ganze Zeit ein imaginärer Bourgeois Gentilhomme in einem Video von Gerda Dendooven. Wieder also eine Entdeckung auf diesem Festival, das sein 30-jähriges Bestehen mit einem Empfang feierte. Pieter Bergé präsentierte sein Manifest, das mit dem Satz eröffnet: „Schwierige" Musik gibt es nicht. Würde das auch für Sie gelten? Wenn ja, dann hat das Festival 20·21 Ihnen sicher dabei geholfen!

Details

Wer
Pavel Haas Quartet. Veronika Jaruskova, viool; Marek Zwiebel, viool; Simon Truszka, altviool; Peter Jarusek, cello en ook nog Pavel Nikl, altviool en Ivan Vokac, cello.
Wo
Stadsschouwburg Leuven.
Gesehen am
13 Oktober 2024
Bildnachweis
Festival 20.21 - Malou Van den Heuvel
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