Am Sonntag, 18. März 2018 fand im Cultuurcentrum Vredeberg in Lier eine Party statt. "The Party" ist hier das Musikensemble bestehend aus Hendrickje van Kerckhove, Sopran, Bart Rodyns, Harmonium, Eliot Lawson, Violine, und Lode Leire, Kontrabass.
Der Name des Ensembles verweist auf eine Gruppe von Musikern aus dem 19. Jahrhundert rund um das musizierende Ehepaar Lemmens-Sherrington, wobei der Mann Jacques-Nicolas Lemmens war, Gründer des Lemmensinstituut, und seine Frau Helen Sherrington, eine englische Konzert- und Opernsopranistin. Diese Gruppe zog in den 1860er Jahren durch England mit einem unterhaltsamen und abwechslungsreichen Programm. Das war genau das, was die heutige Party in Lier auch im Auge hatte. Das heutige Ensemble spielt auf Instrumenten aus dieser Zeit und schöpft sowohl aus dem Repertoire des historischen Ensembles als auch aus eigenen Bearbeitungen.
Das Programm begann mit einem Stück von Händel: vier ineinander übergehende Teile aus verschiedenen Werken, die abwechselnd rein instrumental und als Ensemble mit Sopran aufgeführt wurden. Besonders die Art und Weise, wie die Sopranistin Hendrickje van Kerckhove mit einer geschmeidigen Stimme die schönen Barockverzierungen in der Arie Tornami vagheggiar aus der Oper Alcina interpretieren konnte, machte Eindruck.
Instrumental schnitt Violinist Eliot Lawson sehr gut ab mit einem virtuosen und schwungvoll gespielten Prelude & Allegro „im Stil von Pugnani" von Fritz Kreisler (1875-1962). Die Elegia von Giovanni Bottesini (1821-1889), manchmal der Paganini des Kontrabasses genannt, für Harmonium und Kontrabass konnte mich dagegen weniger überzeugen durch die etwas flache Interpretation und einige Intonationsprobleme des Kontrabasses. Auch Händels Passacaglia (HWV 432) konnte trotz der virtuosen Bearbeitung für Violine und Kontrabass und eines leidenschaftlichen Spiels nicht vollständig überzeugen durch technische Mängel.
Dass Musik nicht immer hochtrabend klingen muss, bewies The Party mit drei Liedern von Lemmens (1823-1881), die anspruchslos aber stilvoll von der Sopranistin vorgetragen wurden. Es wird etwas ernster in der Offertoire in C von César Franck (1822-1890), einfühlsam gespielt von Bart Rodyns auf dem druckwindharmonium mit schönen Rubatos und geschicktem Einsatz der Pedale für die Dynamik. Ebenso einfühlsam und durchdrungen klang Liebesleid durch den Violisten Lawson, der nicht nur Leid durch die Liebe litt, sondern auch durch die Grippe und sich mit den notwendigen Paracetamol-Pillen durchsetzen musste. Harmonium und Bass unterstützten ihn ausgezeichnet in diesem Leid.
Mit der Romanza O quanto volte von Vicenzo Bellini (1801-1835) bewies Van Kerckhove, dass sie auch im Belcanto bewandert ist. Das Ensemble beschloss wie es begonnen hatte: mit Händel. Die Arie Lascia ch'io pianga aus der Oper Rinaldo: Lass mich weinen, dieses Mal nicht vor Traurigkeit, sondern vor soviel Musikfreude.
- WAS: The Party
- WER: Bart Rodyns, Hendrickje van Kerckhove, Eliot Lawson, Lode Leire
- WO: Cultuurcentrum Vredeberg, Lier
- WANN: 18. März 2018
- Foto: m.t.