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Rezensionen

Te Deum von Charpentier & Desmarest

A
· 5 Min. Lesezeit
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Te Deum von Charpentier & Desmarest
© Alpha 1018

Das Te Deum als Lobgesang auf Gott, aber auch als Anrufung Christi des Erlösers und als Bitte um Erbarmen, so der Inhalt dieser aus dem vierten Jahrhundert stammenden Hymne, die dem Heiligen Ambrosius, Bischof von Mailand, zugeschrieben wird und in verschiedensten Fassungen zu Gehör kommt. In der Liturgie der römisch-katholischen Kirche spielt das Te Deum eine wichtige Rolle, ist es Teil vieler liturgischer Feiern, aber auch in Prozessionen oder bei besonderen Gelegenheiten

Es ist ein inspirierender Text, der viele Komponisten angesprochen hat, darunter große Namen wie Berlioz, Bruckner, Händel, Haydn und Verdi. Und also auch Marc-Antoine Charpentier (1643-1704) und Henri Desmarest (1661-1741), zwei französische Zeitgenossen, die auf diesem neuen Album je mit einem Te Deum als 'grand motet' vertreten sind.

Besonders im Frankreich des ancien régime' erfüllte das Te Deum in Hofkreisen um Louis XIII und später Louis XIV eine wichtige Funktion, sowohl vom Text als auch von der Musik her, beide einträchtig ausgerichtet auf das, was die herrschenden Könige in jener Zeit am meisten brauchten: Angst und Ehrfurcht bei den Notabeln und den niederen Rängen. Das Te Deum, selbstverständlich in großem Format, kam dem reichlich entgegen, mit Solisten, Chor und Orchester. Die überlieferte Musik gibt uns davon ein repräsentatives Bild.

Aber auch außerhalb der Kirchenmauern bewies das Te Deum seine ausgezeichneten Dienste, oft gleichgültig der Gelegenheit: selbst wenn es etwas auf militärischem Gebiet zu feiern oder zu gedenken gab, diente das Te Deum als nahezu idealer Stimmungsmacher; und erst recht, wenn es gut komponiert war. In Hofkreisen war das Te Deum sogar unverzichtbar bei den mannigfaltigsten Feierlichkeiten, wie solche anlässlich von Geburt, Hochzeit, Krankheit, Jubiläum oder Krönung. In den Klöstern dagegen wurde der Lobgesang mit dem einfachen Gregorianischen gleichgesetzt, oder anderswo in Dörfern und Städten nicht weniger nüchtern nach beispielsweise einer königlichen oder bischöflichen Bekanntmachung. Das war die Hymne in ihrer reinsten Form, ohne jeglichen Firlefanz.

Die auf dieser CD festgehaltenen beiden 'grand motets' sind Gelegenheitswerke, die als Musterbeispiele des vokalen und orchestralen Glanzes gelten dürfen, der in und um das Schloss von Versailles so sehr in den Geschmack fiel. Kein Wunder, denn der Hymnentext gab allen denkbaren Raum für Komponisten, um kräftig auszupacken, und nach dieser nahezu 'goldenen' Regel machten Charpentier und Desmarest keine Ausnahme; wie das auch für Komponisten wie Lalande, Lully, Bernier, Gilles, Destouches und Campra galt.

Vom Œuvre des Desmarest (von ihm ist wenig bekannt) kann noch gesagt werden, dass es jahrzehntelang diskografisch unterversorgt blieb, aber dass es in den letzten Jahren glücklicherweise einen Wendepunkt gab, einschließlich Aufnahmen einer Reihe von Opern und 'grands motets'.

Desmarest kann sich eines gelungenen Fluchtversuchs rühmen, um der Todesstrafe zu entgehen. Kurz nach dem Tod seiner Frau war er sich in eine minderjährige Schülerin verliebt (möglicherweise bestand dieses Verhältnis bereits länger), worauf ein juridisches Kräftemessen losbrach, das Lehrer und Schülerin zwang, flugs das Land zu verlassen. Das erste Reiseziel war das sichere Brüssel, worauf Kurs auf Barcelona gesetzt wurde, wo Desmarest – und mit ihm viele französische Musiker - in den Dienst Philipps V. trat. Bis auch dort ein Ende kam, nachdem der spanische König während eines Aufenthalts in Italien so von dem italienischen Musikstil beeindruckt worden war, dass er nach seiner Rückkehr den am spanischen Hof eingebürgerten französischen Stil prompt in den Bann tat und damit auf einen Schlag die französischen Musiker arbeitslos machte. Auch Desmarest musste sein Bündel schnüren, aber arbeitslos wurde er nicht, denn Lunéville, nicht weit entfernt von Nancy, winkte bereits, der Sitz von Leopold I., dem Herzog von Lothringen. An dessen Hof wartete auf ihn die Stelle eines 'surintendant de la musique'.

Desmarets erstes Te Deum (1687) war für eine besondere Feierlichkeit bestimmt, als Lobgesang auf die baldige Genesung des Königs, nachdem bei Seiner Majestät eine schmerzhafte Fistel entfernt worden war. Bei solch einer Gelegenheit passte das Te Deum wie ein Musikhandschuh. Die zweite Fassung (mit dem Zusatz 'de Lyon'), die auf diesem Album zu hören ist, muss zwischen 1713 und 1727 komponiert worden sein, als Desmarest im Dienste des Herzogs von Lothringen war.

Das Zusammenbringen der beiden Te Deums (Charpentier schrieb davon übrigens nicht weniger als sechs!) erweist sich als ausgezeichnete Wahl nicht nur wegen der Übereinstimmungen hinsichtlich der Instrumentierung, sondern auch wegen des immer wieder faszinierenden Wechselspiels zwischen Soli und Chor-Tutti in dieser durchaus nicht alltäglichen ripieno-Besetzung. Was die beiden Werke selbst betrifft, beeindruckt besonders die technische Meisterschaft und ihr inspirierend funkelnder Charakter, Aspekte, die bei dem Ensemble Les Surprises unter der Leitung von Louis-Noël Bestion de Camboulas in ausgezeichneten Händen sind. Nicht mehr als das, denn instrumentale und vokale Färbung und Präzision sind nur eine Nuance weniger scharf profiliert als bei Ensembles wie Les Arts Florissants, Le Concert Spirituel, Pygmalion oder Les Talens Lyriques. Dem gegenüber steht, dass bildend und plastisch musiziert wird und dass die von gutem Geschmack und Einsicht zeugende Kontrastwirkung diesen Aufführungen zusätzlichen Glanz verleiht. Das leicht überbelichtet Vibrato einiger vokaler Solisten schadet glücklicherweise nicht oder kaum dem Ganzen, das selbstverständlich im Zeichen der historisierenden Aufführungspraxis steht. Die stimmungsvolle Aufnahme rundet das Ganze schön ab.

Diese Ausgabe ist besonders interessant, weil dies die erste Aufnahme des Te Deum von Desmarest ist

Details

Wer
Ensemble Les Suprises o.l.v. Louis-Noël Bestion de Camboulas
Bildnachweis
Alpha 1018
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