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Rezensionen

Schubert der Einsame

L
· 4 Min. Lesezeit
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Schubert der Einsame

Nominatie Gouden Label – Schubert, acht doch Franz Schubert, du feiner Mensch mit der niemals ruhenden, überempfindlichen Seele, ja 'der Einsame' aus jenem ergreifend schönen Lied, der Einsame, warst du selbst. Ilker Arcayürek hat es verstanden. Dieser junge Tenor mit türkischen Wurzeln, aufgewachsen und wohnhaft in Österreich, hat, besser als die meisten je, verstanden, wer du warst, wer du bist.

Es ist mit großer Ergriffenheit, ja die Tränen stehen danach, dass ich die Aufnahme höre, Arcayüreks erste CD. Eine Aufführung von 23 Schubertliedern, die jedes auf ihre Weise die Einsamkeit verkörpern. Sehr schöne Texte von oft auch suchenden Dichtern in Töne gesetzt durch den Vater des Liedes, Franz Schubert (1797-1828). 31 Jahre, es ist empörend, dass junge Talente, die 120 Jahre hätten werden sollen, manchmal so ungeheuer jung der Welt entrissen werden. Und doch, sie leben weiter. Schubert (31) lebt, Pergolesi (26) lebt, Mozart (35) lebt, Chopin (39) lebt, De Arriaga (19) lebt!

Und ja, die Klassik lebt! Die Schönheit in ihren reinsten Formen lebt dank der Schöpfungen zum Beispiel von Schubert, zu hören gebracht durch einen begabten jungen Sänger, Musiker, Künstler wie in diesem Fall Ilker Arcayürek. Obwohl, er tut es nicht allein, er wird begleitet in aller Perfektion, gleichgesinnte Seele, ebenbürtiges musikalisches Verständnis durch Pianist Simon Lepper. Lepper, Arcayürek und Schubert, eine Dreieinheit.

Abwägen muss ich meine Worte, denn ich würde zu behaupten wagen, dass Arcayürek der Schuberttenor der kommenden 25 Jahre oder mehr ist. Wie ich die CD entdeckte, diese Debut-CD!, denn man muss ihn entdecken, weil das Label in unserem Land kaum oder gar nicht zu finden ist, ist zu verrückt für Worte. Kurz nach Mitternacht, 29. Dezember 2017, fahre ich durch Österreich auf dem Weg nach Hause. "Oh, Schubert, hola, das ist schön gesungen. Wenn sie seinen Namen sagen, muss ich ihn mir merken." Die Sprecherin wiederholt seinen Namen mehrmals, aber ich verstehe kein Wort, österreichischer Akzent, das ist nicht immer einfach und dann noch ein unverständlicher Name. Phew, Ende des Programms – nun ja, schade eigentlich – aber phew und warum? Eine verständlichere Männerstimme spricht den Namen ziemlich verständlich aus. Ilker Akarjur oder so. Tja, ich fahre noch weiter... Schnell irgendwo parken, eben diesen Namen auf meinem Handy nachschlagen.

Daa habe ich ihn, Ilker Arcayürek. Das ist etwas anderes, als ich verstanden hatte. Aber er ist es und das ist das Wichtigste. Sofort schreibe ich über sein sensibles Tastaturgerät auf meinem Handy, mit meinen etwas zu dicken Fingern, eine E-Mail. Dass ich die CD gerade jetzt, mitten in der Nacht gehört habe, auf dem Weg nach Hause bin und die CD gerne rezensieren würde. Eine halbe Stunde später schon eine Antwort. Gut, dass ich etwas länger auf dem Parkplatz blieb, unter anderem um mich von dem Schönen, das ich gehört hatte, zu erholen. Ich sehe sofort einen Regen an Fehlern in meiner E-Mail, warum hatte ich die damals vor dem Versenden nicht gesehen? Ich werde plötzlich sehr verlegen, dieser Mann antwortet sofort und meine Nachricht voller Fehler!...

Und ja, die CD landete im Briefkasten von Klassiek Centraal, dann im CD-Player. Genau wie die Schubert-CD von Bryn Terfel mich Anfang der 90er Jahre tief berührte und den endgültigen internationalen Durchbruch für den Bariton bedeutete, bin ich mir sicher, dass diese sehr bewegte Aufführung nicht anders kann, als weltweit alle Türen für diesen Sänger und seinen Begleiter zu öffnen. Er lernte unter anderem von Thomas Quasthoff, noch so ein perfekter Darsteller von Schubert über Jahrzehnte, wie es sein sollte. Arcayürek ist auch ein Verehrer des viel zu jung verstorbenen Fritz Wunderlich. Einer der besten deutschen Tenöre der Geschichte. Ich denke, dass Arcayürek auf seine Weise ein neuer Wunderlich werden kann. Es ist keine Kopie, aber er ist inspiriert, und das darf sein. Es ist auch normal, denn welcher Mensch in der gesamten Menschheitsgeschichte wurde nicht auf welchem Gebiet auch immer von einem 'Vater' oder 'Mutter' für das eine oder andere inspiriert? Wenn auch nur, um etwas ganz Einfaches für eine Mahlzeit zuzubereiten oder so?

23 Lieder, so rein, so ungeheuer schön und manchmal so tief ergreifend, man sollte sie wirklich zu Hause haben. Wie ich nach all den Jahren noch die Schubertinterpretation von Terfel anhöre, so habe ich jetzt eine neue CD hinzugefügt, die einen anderen Platz bekommt. Den Platz der CDs, die ich einlege, um einfach nur zuzuhören, ohne zu rezensieren. Absolut.


  • WAS: Der Einsame, 23 Lieder von Franz Schubert
  • WER: Ilker Arcayürek (Tenor) und Simon Lepper (Klavier)
  • VERÖFFENTLICHUNG: Champs Hill Records – CHRCD133

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