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Wären Händel und Corelli Rivalen gewesen?

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· 4 Min. Lesezeit
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Wären Händel und Corelli Rivalen gewesen?

Der Konzertsaal war zu groß, der Kammermusik-Saal zu klein für die Gruppe von Musica Gloria im Brugger Concertgebouw, aber der war dafür bis zum Dach gefüllt! Und das für einen Wettstreit zwischen Corelli und Händel, so schien es aus dem Programm. Ein Wettstreit vorbildlich in guten Bahnen geleitet durch das Duo Beniamino Paganini und Nele Vertommen, die beiden Säulen von Musica Gloria, ein Ensemble voller junger Menschen – was in der klassischen Welt ja eher selten ist, besonders ältere Menschen kamen zum Zuhören….

Das Konzert begann mit dem Archangelo ("Erzengel", so himmlisch klang sein Violenspiel seinen Zeitgenossen vor) Corelli. Eine Triosonate für zwei Violinen und Cello. Für den Continuo sorgten Beniamino Paganini selbst auf dem Cembalo zusammen mit Theorbenspielern Giulio Quirici und Cellist Evan Butter. Dieses Cembalo bedarf einer Erklärung, denn "gewöhnlich" war es nicht: es war ein Claviorganum. Es ist eine raffinierte Konstruktion, eine Kombination eines Orgelpositivs und eines Cembalos mit zwei Manualen. Ein Instrument, das in dieser Zeit bekannt war und notwendig, wenn man sowohl ein Orgelkonzert spielen möchte als auch eine Cembalossuite. Beide standen auf dem Programm und Beniamino Paganini beherrschte das doppelte Instrument vollkommen und mit Schwung. Nach einer Triosonate für Oboe von Händel, mit einer ausgezeichneten Nele Vertommen (nicht umsonst Schülerin von Marcel Ponseele) folgte eine Cembalossuite des britisch-deutschen Großmeisters auf diesem doch merkwürdigen und schönen Claviorganum. Und wieder Nele Vertommen und das ganze Ensemble mit einem Obokonzert von Händel. Und dann wieder Corellis Reihe mit seiner Version von La Folia, diesem bekannten und verrückten 'Liedchen', leicht zu spielen, aber urschwerlich auszuführen.


Die Spielfreude sprang diesen jungen Spielern aus dem Gesicht. Wunderbar und mit so viel Kraft gebracht, dass die Instrumente mit großer Sorgfalt immer wieder perfekt gestimmt werden mussten. Schön zu hören, dass Corelli wieder bearbeitet wird, nachdem er mit seinen concerti grossi doch ein wenig in die Ecke der 'Tafelmusik' geraten war und bei mir und bei vielen meiner Generation musikalische Weihnachtsstimmung weckt. Aber höre doch mal diese Triosonate "con aboé": Nele Vertommen konnte ihr Wissen und ihre Fähigkeiten auf der Oboe fachmännisch auf diesem speziellen und alten Instrument erweitern und zur Schau stellen, das irgendwo zwischen einer Schalmei und einer Barockoboe hängt, mit einer größeren Endkapsel und schärfer und lauter klingt.

Und wenn du es von concerti grossi und Händel haben willst, dann kann ein Orgelkonzert von ihm nicht fehlen und Musica Gloria brachte dieses schöne Werk mit dem Beinamen "The Cuckoo and the Nightingale", voller Dialog zwischen den Instrumentengruppen, wie es sich in einem Concerto Grosso gehört, einschließlich des Vogelpfeifchens, das die Nachtigall imitieren sollte. Hörten wir nun schon ein perfektes Ensemble unter der Leitung von Beniamino Paganini, der 2021 von den Mitgliedern der Belgischen Musikpresse zum Musiker des Jahres 2020 gewählt worden war? Wir hörten in jedem Fall ein perfekt glückliches Ensemble! Eine Zugabe? Ein kurzes Stück von Geminiani mit einer, diesmal auf Blockflöte, brillanten Nele Vertommen, die 2020 auch auf der Shortlist derselben Musikpressepreis stand. Dass diese Vereinigung damals keine bessere Wahl hätte treffen können, wurde durch dieses Konzert reichlich bestätigt.

WER: Musica Gloria u.L.v. Beniamino Paganini (Claviorganum) und Nele Vertommen (Oboe) und darüber hinaus
Elise Dupont und Daria Spiridonova (Violine), Lena Rademann (Bratsche), Evan Butter (Cello) und Giulio Quirici (Theorbe und Gitarre).
Und Markus Harder-Völkmann: Instrumentenbau Claviorganum

WAS: Arcangelo Corelli (Triosonaten opus 1 und 3, sonata con Aboé und La Folia opus 5)
Georg Friedrich Händel (Triosonate HWV390, Cembalossuite HWV428, Obokonzert HWV287, Orgelkonzert HWV295, The Cuckoo and the Nightingale und das "Adagio" aus der Ouvertüre "Il trionfo del Tempo e del Disinganno" HWV46a)

WO: Kammermusik-Saal Concertgebouw Brugge, Freitag 4. März 2022

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