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Rezensionen

Passage Secret

A
· 3 Min. Lesezeit
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Passage Secret
© Alpha 1024

Bizet: Jeux d'enfants op. 22
Debussy: Petite Suite L 65
Fauré: Dolly op. 56
Ravel: Ma mère l'oye M 60
Aubert: Feuille d'images

Ludmilla Berlinskaya & Arthur Ancelle (Klavierduo)
Alpha 1024 • 74' •
Aufnahme: April 2022, Salle Colonne, Paris


Man liest darüber wenig, aber es gibt einen wesentlichen Unterschied zwischen Piano quatre mains (vier Hände), wobei zwei Spieler an einem Klavier sitzen, und zwei Klavieren, wobei die beiden Pianisten jeweils ein eigenes Instrument zur Verfügung haben. Dadurch unterscheiden sich auch die Kompositionen für das betreffende Genre erheblich. Im ersten Fall (quatre mains) übernimmt der eine Spieler die Diskantlage und der andere das Bassregister, während im zweiten Fall beide Spieler keine Einschränkung kennen, da ihnen der gesamte Klavierumfang zur Verfügung steht.

Das Quatre-mains-Spiel war und ist vor allem für häusliche Verhältnisse gedacht. In den meisten Wohnungen fehlte nämlich nicht nur der Platz, sondern oft auch das Geld für ein zweites Instrument. Dies erklärt auch, warum dieses Genre viel häufiger verbreitet war und noch immer ist und auch erheblich mehr Kompositionen dafür geschrieben wurden. Die Musik für zwei Klaviere ist mehr für den Konzertsaal bestimmt.

Vierhändiges Spiel ist kein Kinderspiel, denn der Spielraum ist nun einmal begrenzt und die vier Hände geraten sich recht leicht in die Quere. Auf YouTube finden sich genug Videos, die dies anschaulich machen, aber rein vom Höreindruck lässt sich dies natürlich je nach den spieltechnischen Qualitäten des Duos nicht oder kaum erkennen.

Ludmilla Berlinskaya und Arthur Ancelle bilden nicht nur ein großartiges Klavierduo, sondern sind auch außerhalb des Musikgeschäfts Partner. Ob letzteres einen musikalischen Vorteil bedeutet, weiß ich nicht, aber es liegt nahe, denn tägliche enge Zusammenarbeit bedeutet zusätzliche musikalische Wechselwirkung. In Familienverbänden gibt es phänomenale Duos wie die Brüder Lucas und Arthur Jussen, Martijn und Stefan Blaak und die Schwestern Katia und Marielle Labeque, oder aus ferner Vergangenheit die Brüder Aloys und Alfons Kontarsky. Andere bekannte Duos sind Amacord, Mephisto und Scholtes & Janssens. Aber auch gelegentliche Duos können fantastische Leistungen zeigen, wie unter anderem Martha Argerich und Daniel Barenboim, Benjamin Britten und Clifford Curzon, Svjatoslav Richter und Andrei Gavrilov bewiesen haben.

Beim Duospiel geht es – je nach Notenbild – nicht nur um synchrones Spiel, sondern es kommt noch viel mehr hinzu, wie fließendes Spiel mit den entsprechenden Tempowechseln, das Anbringen von Klangeffekten, Phrasierung, Artikulation, Akzentuierung, Dynamik und Pedalgebrauch. Und dann ist da noch die reine Frische und Finesse. Es sind keine Elemente, die zwangsläufig gleich ablaufen, denn beide Spieler haben neben ihrer eigenen Stimme ihre eigene Fantasie. Und niemand wartet auf hölzernes quatre-mains-Spiel, weil Gleichmäßigkeit der wichtigste Fokuspunkt sein würde. Dieses Duo weiß, worum es letztendlich geht: um die Spielfreude, denn sie strahlt aus diesem äußerst farbigen und lebendigen Spiel, das auch in stilistischer Hinsicht (auch buchstäblich!) keine Grenzen kennt. Und...die ebenso köstliche Feuille d'images (1930) von Louis Aubert hört man leider nur selten.

Kurz gesagt, ich kann mir kein attraktiveres Album und bessere Interpretationen vorstellen, und ebenso wenig eine bessere Aufnahme sowie einen noch besser gepflegten Flügel!

Details

Wer
Ludmilla Berlinskaya & Arthur Ancelle (pianoduo)
Bildnachweis
Alpha 1024
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