War es nun, um das Jahr abzuschließen oder um das kommende neue Jahr zu eröffnen, dass das Etesiane Orchestra vier Ouvertüren programmierte? Wir lassen das offen. Es war in jedem Fall ein Genuss, eine familiäre, kameradschaftliche Atmosphäre in einem Saal zu erleben, der einst ein luxuriöses Porzellangeschäft mit einer Porzellanfabrik dahinter war in der einst ebenso schicken Gegend an der Waverse Steenweg in der Brüsseler Gemeinde Elsene.
Heute ist die Gegend nicht mehr das, was sie war, von der Einrichtung des wunderschönen Geschäfts ist nicht viel übrig. Das Atelier ist reparaturbedürftig, aber es wurde gerettet, was bei der Renovierung gerettet werden konnte. Eine Renovierung, die Elsene ein neues Kulturzentrum bescherte, so gut wie ausschließlich französischsprachig (…) unter dem Namen Talk CEC. Der beschäftigte Musikmensch Gabriel Hollander organisiert den musikalischen Teil, der über das Klassische hinausgeht. Wir gingen hin, um Ouvertüren zu hören, gespielt von seinem Projektensemble 'Etisiane Orchestra', das neben Beethoven ein vergessenes Werk des deutschen romantischen Komponisten Stadtfeld aufführte und eine neue Ouvertüre von Dimitri Arnauts.
Der Saal ist eigentlich nicht ideal für ein klassisches (Kammer-)Orchester, aber das konnte die Atmosphäre nicht trüben. Mit viel Energie führte Hollander die Musiker durch die immer mitreißende Fidelio-Ouvertüre des ewigen Ludwig van Beethoven.
Für so gut wie alle Anwesenden, Musiker eingeschlossen, war es ein Kennenlernen des Komponisten Dimitri Arnauts im Allgemeinen und insbesondere mit seiner Gelegenheitsouvertüre Prelude van Pro Memoria. Ein Werk im Zusammenhang mit dem geplagten Weltfrieden. Diese Komposition ist der Vorbote eines großen Werkes von etwa 90 Minuten Dauer. Sie besteht aus kleinen Teilen, die zu heftig gefärbten, etwas minimalistischen Gemälden eines zeitgenössischen italienischen Künstlers gehören. Persönlich schätze ich die Musik viel höher ein als die Pinselarbeit.
Das Orchester setzte mit der Egmont-Ouvertüre fort. Das Gebäude konnte die volle Orchesterklangt kaum bewältigen. Lassen Sie uns diese so reiche Musik doch in vollwertigen Konzertsälen hören. Das gleiche gilt auch für die unbekannte 'Hamlet-Ouvertüre' des deutschen romantischen Komponisten Stadtfeld. Eine Wiederentdeckung, die es wert ist. Einmal war dieser Komponist sehr beliebt. Er genoss die Vorliebe des jungen Leopold I. und war gerne in besseren (französischsprachigen) Kreisen in unserem Land und in Frankreich gesehen. Alexander Stadtfeld, Sohn eines deutschen Vaters und einer Leuvener Mutter, geriet in Vergessenheit, kommt aber jetzt wieder ans Licht. Koenraad Sterckx gab eine interessante Darlegung über das Leben und Werk dieses halben Landsmannes.
Nach der Pause wurde der Saal gründlich umgestellt. Das Publikum wurde zwischen die Musiker platziert, so dass jeder erleben konnte, wie es ungefähr sein muss, Teil eines konzertierenden Orchesters zu sein. Eine intensive Erfahrung, die mich sehr ansprach. Es gab auch viel mehr Atmosphäre, mal etwas anderes. Nicht unbedingt etwas, das man als 'Konzert' rezensieren würde, aber dennoch einen Tipp, um es mal zu erleben. Ich fühlte mich zurück in die Orchesterkasse von damals…
- WAS: Fidelio-Ouvertüre: Beethoven; Weltpremière „Prelude van Pro Memoria": Dimitri Arnauts; Egmont-Ouvertüre: Beethoven; Stadtfeld: Hamlet-Ouvertüre
- WER: Etesiane Orchestra u.L.v. Gabriel Hollander
- WO & WANN: Talk CEC ehemals Porzellanfabrik Brüssel, ehemals Porzellanfabrik Samstag, 16. Dezember 2023
- FOTOS: © BRG

