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Martijn Dendievel dirigiert Symfonieorkest Vlaanderen in Kosmopolitischer Luft

V
· 4 Min. Lesezeit
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Martijn Dendievel dirigiert Symfonieorkest Vlaanderen in Kosmopolitischer Luft

Die titel des Konzerts 'Kosmopolitische Flair' beschreibt das Wesentliche und zeugt von dem musikalischen Reichtum, in dem faszinierende musikalische Welten erforscht werden.

Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in b-Moll, opus 23 – Pjotr Iljitsj Tsjajkovski

Als Eröffnungswerk erklang das Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 in b-Moll opus 23.

Im 19. Jahrhundert komponiert, hat es nichts an Großartigkeit verloren. Wir können es sogar als einen Höhepunkt der Romantik bezeichnen. Der Anfang verlief allerdings in Moll. Als Pjotr Iljitsj Tsjajkovski es am Weihnachtsabend 1875 dem Pianisten Nikolaj Rubenstein vorstellte, reagierte dieser ziemlich derb. Er nannte es wertlos und nicht spielbar. Das trifft den 35-jährigen Komponisten hart. Dennoch weigert er sich, etwas an der Musik zu ändern. Zum Glück. Was seinen Lehrmeister wahrscheinlich störte, war die erneuernde Form. Anstelle von wiederkehrenden Themen verwendet er Melodien, die sich durch die Musik und die Teile entwickeln. Heutzutage ist dieses Konzert, dessen imposante Eröffnungstakte weltberühmt sind, eines der beliebtesten Werke.

Obwohl sich Tsjajkovski an seinem Studium am Konservatorium von Sankt Petersburg die westliche Musiktheorie aneignete, wollte er die typisch russische Mentalität ausdrücken. So verwendete er gerne russische Volksmelodien, die auch in dieser Komposition wiederzufinden sind. In der schnellen Passage des zweiten Teils ist sogar die Melodie eines französischen Liedes 'Il faut s'amuser, danser et rire' zu erkennen.

Als Solist tritt der 33-jährige Pariser Tanguy de Williencourt auf. Er wird als einer der zukünftigen Größen des Klaviers gelobt. Kürzlich nahm er zusammen mit Symfonieorkest Vlaanderen eine CD mit Musik des belgischen Komponisten César Franck für das Label Mirare auf. 2022 war er auf der großen Leinwand in Begleitung der großen amerikanischen Sopranistin Renée Fleming zu sehen.

Mit Bravour öffnet er alle klavieristischen Register. Die Partitur erfordert Geschwindigkeit, Beherrschung, Persönlichkeit und Fantasie. Die verschiedenen Tempi setzt er brilliant, kraftvoll oder zart um. Seine Interpretation ist beeindruckend und expressiv. Ein großartiges Virtuositätspektakel. Er begeistert das Publikum. Dennoch behält er jungenhaft anmutende Züge. Jedes Mal, wenn er nicht an der Reihe ist, fährt er sich mit einer Handbewegung durchs Haar.

Dieses Konzert ist ein Vulkan des Klangs. Man fühlt sich von den kraftvoll anschwellenden Tönen fortgetragen. Die Leichtigkeit, die manchmal nach oben sprudelt, ist wie Wasser aus einem Brunnen. Dirigent Martijn Dendievel dirigiert mit Schwung und Finesse. Ein Dirigent mit breiten Gesten, der das ganze Orchester bespielt und mitreißt. Er lässt die Musik erzittern. Das Publikum genoss mit vollen Zügen. Sehr ungewöhnlich, aber beliebt: Als Zugabe spielten Dirigent und Pianist vierhändig: 'Le jardin féerique' aus Ma Mère l'Oye von Maurice Ravel. Spielerei von zwei Topmusikern.

Nach der Pause

Das Symfonieorkest Vlaanderen schafft Chancen für junge Musiker, Komponisten, Solisten und Dirigenten. Nach der Pause wurde eine Komposition von Murielle Lemay aufgeführt

'Augur' – Eine Kreation im Rahmen der SOV Composers Academy

Die Kanadierin Murielle Lemay studiert am Königlichen Konservatorium von Brüssel in der Klasse von Annelies Van Parijs. Es ist ein visionäres Werk, in dem sie unseren gegenwärtigen Zeitgeist ausdrückt. So erklingen Fragmente von Themen und Harmonien der Siebenten Symphonie von Antonin Dvořák hindurch. Turbulenz und Ruhe finden ein harmonisches Gleichgewicht in ihrem Werk.

Symphonie Nr. 7 in D, Opus 70 – Antonin Dvořák

Dvořák war ein Kosmopolit, im tschechischen Land geboren reiste er während seines Lebens unter anderem nach Österreich, England, Russland und war von 1892 bis 1895 künstlerischer Leiter des Konservatoriums von New York. Er entwickelte sich zur Galionsfigur der tschechischen klassischen Musik. Wobei er verschiedene Elemente aus der böhmischen Volksmusik und klassischen Musik nahtlos zu verbinden verstand. Diese patriotischen Gefühle waren auch die Inspiration für seine Siebente Symphonie. Er schrieb die Musik im Auftrag der Philharmonic Society of London.

Auf der Partitur notierte er „Gott, Liebe und Vaterland", eine assoziative Abfolge, die seine Gesinnung und Arbeit widerspiegelte. Dennoch klingt diese Komposition nicht wie sein anderes Werk. Es gibt einen Konflikt zwischen Patriotismus und Kosmopolitismus, zwischen 'Dienst an seinem Land' und seinen Ambitionen für internationalen Erfolg. Es gibt lyrische Themen, aber es gibt auch eine dunkle Seite dieser Symphonie. Sie wird auch 'tragische' Symphonie genannt. Das Schöne an dieser Komposition ist, dass viele Instrumentalisten eine Solopartie bekommen. Martijn Dendievel führt das Orchester fehlerfrei durch die langen Spannungsbögen. Mit großer Expressivität im Dirigieren ist er eine schöne Figur zum Zuschauen. Ab Saison 2024-'25 wird er Generalmusikdirektor der Hofer Symphoniker.


WAS: Kosmopolitische Flair mit Werken von Pjotr Iljitsj Tsjajkovski, Antonin Dvořák, Murielle Lemay, Maurice Ravel WER: Symfonieorkest Vlaanderen u.d.L. Dirigent Martijn Dendievel; Solist: Tanguy de Williencourt WO & WANN: deSingel, Sonntag 8. Okt. 15 Uhr
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