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Rezensionen

Lucie Horsch - The Frans Brüggen Project

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· 4 Min. Lesezeit
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Lucie Horsch - The Frans Brüggen Project

Lucie Horsch (25), ein Naturtalent und das in mehrfacher Hinsicht, denn sie spielt nicht nur meisterhaft auf der Blockflöte, sondern singt und spielt Klavier vortrefflich darüber hinaus. Eine Musikerin, die auf Weltebene tätig ist und auch diskografisch bereits einige Kleinodien auf ihrem Namen vorzuweisen hat.

Bei diesem neuen Decca-Album dreht es sich um die Blockflöte, das Instrument, mit dem viele ihre ersten Musikstunden begonnen haben und das der Musikologe und Soziologe Cas Smithuijsen ziemlich herablassend mit „die kaufst du bei HEMA" bezeichnet.

Es brauchte ein musikalisches Genie, um dieses zeitlich verschüttete Instrument buchstäblich neu zum Leben zu erwecken. Das war Frans Brüggen (1934-2014), dem dies glänzend gelang. In seinem Buch Reveil en Revolte berichtet Smithuijsen von der Gründung von Sour Cream, dem von Brüggen und Kees Boeke 1971 gegründeten Blockflötenensemble, das sich der Blockflötenliteratur aus der Renaissance und der Frühbarock widmete, aber auch das damalige zeitgenössische Repertoire keineswegs scheute und aus dem Arrangieren, Experimentieren und Improvisieren so etwas wie eine Lebensdevise machte, neben einer für damalige Zeit ungewöhnlichen Stilreinheit, wenn es um Musik aus Mittelalter, Renaissance und Barock ging. 1990 kam leider ein Ende, als Boeke nach Zürich zog, um dort an der Universität für Theater und Musik in seiner Spezialität Unterricht zu erteilen: die Blockflöte und die alte Musik.

Brüggen hatte neun Jahre zuvor, 1981, zusammen mit Lucy van Dael und Sieuwert Verster das Orkest van de Achttiende Eeuw gegründet, mit dem Hauptziel, stilreine Interpretationen der Werke von Komponisten des achtzehnten Jahrhunderts zu präsentieren (wobei es allerdings nicht dabei blieb); dies im Rahmen der historisierenden Aufführungspraxis.

Brüggen war mehr als nur ein Musiker: er durchsuchte Bibliotheken auf der Suche nach interessantem Material nicht nur für die Blockflöte, sondern später auch für das Orchester, genau wie er auch historische Blockflöten sammelte. Dies erbrachte eine Reihe von Jahrhunderte alten Exemplaren, von denen Lucie Horsch fünfzehn dank der enthusiastischen Unterstützung von Brüggens Witwe und Kunsthistorikerin Machtelt Brüggen-Israëls spielen durfte. Allerdings musste die Spieldauer notgedrungen begrenzt werden, denn die Instrumente waren im Laufe der Jahre äußerst fragil geworden, da sie der Einwirkung von Atem- und Umgebungsfeuchtigkeit ausgesetzt waren. Das war die einzige, aber durchaus wichtige Einschränkung, die sich Lucie Horsch beim Spielen auferlegen musste. Das bedeutete gleichzeitig, dass passendes Repertoire gefunden werden musste, denn auf den meisten Instrumenten war nach etwa drei Minuten ununterbrochenen Spielens wirklich Schluss. Die Stoppuhr wurde daher genau beobachtet und man scheute sich nicht, die Instrumente dicht am Körper gleichsam vorzuwärmen. Auch die unvermeidlichen nachträglichen Korrektionen waren notgedrungen zeitgebunden, was die Übungen insgesamt sicherlich nicht leichter machte. Aber sie hatte ein begeistertes „Publikum", denn neben Machtelt Brüggen-Israëls war da der japanische Blockflötenbauer Furmitaka Saito, der Horsch mit Rat und Tat zur Seite stand.

Für Horsch war es ein faszinierendes Abenteuer, das zusätzliche Bedeutung erhielt, weil sie nun zum ersten Mal auf originalen Instrumenten spielen konnte, anstatt auf Kopien. Sie selbst hatte eine Vorliebe für Repliken des französischen Baumeisters Peter Bressan (1663 - 1731) entwickelt, aber dank dieses Brüggen-Projekts hatte sie nun zum ersten Mal zwei echte Blockflöten dieses berühmten Baumeisters in den Händen. Das war für sie eine sehr besondere Erfahrung, und umso mehr, da sie nun zum ersten Mal in der Lage war, deren originalen Klang mit dem der Kopie zu vergleichen.

Auch für den Hörer muss es eine wunderbare Erfahrung sein, diese originalen Blockflöten zum ersten Mal zu hören, nicht nur solo agierend, sondern auch zusammen mit anderen Musikern, darunter das ebenso großartige Orkest van de Achttiende Eeuw, für diesen so besonderen Anlass unter der Leitung von Lucie Horsch. Auch der Aufnahme wurde viel Aufmerksamkeit gewidmet, wodurch der Klang sowohl dieser Blockflöten als auch des Ensembles auf ebenso besondere Weise zum Leben erweckt wird.

Details

Wer
Lucie Horsch (blokfluit), Orkest van de Achttiende Eeuw o.l.v. Lucie Horsch
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