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Rezensionen

Herausfordernde Version von Locatellis harmonischem Labyrinth

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· 4 Min. Lesezeit
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Herausfordernde Version von Locatellis harmonischem Labyrinth

Atemraubende Virtuosität gepaart mit charmanten und einfallsreichen Melodien, das ist es, was Ilya Gringolts uns präsentiert. Dieser russische Violinist nimmt die Herausforderung an und bewältigt die anspruchsvollen Violinenpassagen aus dem Barockbücherkatalog. Locatellis Meisterwerk ist anspruchsvoll, sowohl für den Musiker als auch für den Hörer.

Der italienische Barockkompfonist Pietro Locatelli (1695–1764, Bergamo) entwickelte sich von einem (unbezahlten) 3. Violinist in der Cappella seiner Geburtsstadt zu einem der größten verborgenen Violinenvirtuosen seiner Zeit. Versteckt in Amsterdam spielte er nur für die 'glücklichen Wenigen'. Als Katalysator des virtuosen Stils war Locatelli ein Vorbild für Generationen nach ihm — Antonio Lolli (ca. 1725–1802) und Niccolò Paganini (1782–1840) sind bekannte Beispiele.

Einsames Genie


Locatelli fand Inspiration in Rom und Venedig. Rom hatte eine Anziehungskraft auf Violisten wegen der Anwesenheit des Novello Orfeo, oder anders gesagt Großmeister Arcangelo Corelli (1653–1713). Venedig hatte den aufstrebenden Star Antonio Vivaldi (1678–1741). In dieser italienischen Handelsstadt komponierte Locatelli sein einflussreichstes Werk Arte del violino, op.3(1733). Der erste Druck stammt jedoch erst aus 1743 und wurde in Amsterdam gedruckt.

Trotz seiner außergewöhnlichen Technik und Virtuosität erhielt Locatelli viel Kritik — hauptsächlich für sein Spiel im höchsten Register (schön illustriert in capriccio nr.22, track 6). Letztendlich zog "il Bergamasco" aus unbekannten Gründen nach Amsterdam. Dort gab er kaum noch Auftritte und ausschließlich für Liebhaber — keine Professionellen — um zu verhindern, dass sein Stil kopiert würde. Er war auch Violinlehrer und Musikverleger.

Teuflische Virtuosität


Locatelli verlegte die Grenzen der Violintechnik zu ungekannter Virtuosität. Beispiele sind Doppelgriffe und Positionsdehnung in der linken Hand, neben der Verwendung innovativer Bogentechniken. Kurz gesagt, Virtuosität war sein beherrschendes Merkmal und deshalb wurde er oft (und manchmal noch heute) 'nur ein Virtuose' genannt.

Das scheint etwas kurz gegriffen zu sein. Seine Konzerte bestehen nämlich aus drei Teilen: einem schnellen Teil (allegro), gefolgt von einem langsamen Teil (largo) und endend mit wieder einem schnelleren (allegro) oder gemäßigten (andante) Teil. Darin zeigt Locatelli seinen musikalischen Reichtum und Charme durch beispiellose technische Anforderungen. In den schnelleren Teilen folgt vor der Finalritornello immer ein ad libitum Solo capriccio. Darin dominiert Virtuosität. Diese Capricci beeindrucken den Hörer auf solche Weise, dass sie die Aufmerksamkeit vollständig auf sich ziehen und das lyrische Largo, vielleicht zu schnell, vergessen lassen.

Harmonisches Labyrinth


Violinist Ilya Gringolts, der bereits früher die bekannteren Capricci (op.1 und op.38) von Paganini auf CD aufnahm, wagt sich nun an die von Locatelli. Zusammen mit dem Finnish Baroque Orchestra bringt er drei der zwölf Violinkonzerte aus Arte del violino. Dabei übernimmt Gringolts, wie historisch üblich, sowohl die Soloviolinpassage als auch die musikalische Leitung.

Auch im letzten Konzert, das für den extremen Schwierigkeitsgrad der Capricci bekannt ist, bewahrt Gringolts das Gleichgewicht zwischen technischer Präzision und melodischer Faszination. Bei dem ersten Capriccio dieses letzten Konzerts schrieb Locatelli: "Harmonisches Labyrinth: leicht zugänglich; schwer zu entkommen". Das Werk beginnt auch auf diese Weise. Der Continuo-Part setzt die verspielte Melodie der Ritornello ein, woraufhin diese Tutti wiederholt wird. Aber bald entwickelt sich der Violinpart von einer einzelnen Note als Melodie zu Doppelgriffen und sogar Trippelgriffen. Das erste Capriccio führt uns gleich ins berühmte höhere Register. Normalerweise ist der zweite Teil ein Moment, um Atem zu holen, aber hier wird der langsamere Teil (largo-presto-adagio) durch technische Akrobatik unterbrochen. Der Schlussteil ist ein Kulminationspunkt der Techniken, die zuvor zu hören waren und dient als längster Teil als Marathon für den Solisten. Nach Gringolts beeindruckendem abschließenden Capriccio kommt die Tutti-Finalritornello wie eine Erleichterung, bevor die Musik zum Stehen kommt.


Informationen

  • WER: Finnish Baroque Orchestra u.L.v. Ilya Gringolts [Violine]
  • WAS: Il labirinto armonico: Violinkonzerte op.3 Nr.9,11,12
  • AUFLAGE: BIS Records 10401701
  • FOTOS: © Kaupo Kikkas
  • BESTELLEN: JPC
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