'I have a dream'
Alain Honorez war als Kind ein lebhaftes Kerlchen. Sozusagen tanzend geboren. Er studierte an der Königlichen Ballettschule von Antwerpen und konnte nach seinem Abschluss bei Ballet Vlaanderen anfangen, das damals hauptsächlich klassisches Ballett aufführte. Talentiert und fokussiert arbeitete er sich bis zum Solotänzer auf. Als Principal trat er im In- und Ausland auf. Er begeisterte das Publikum besonders mit seinen grand jetés und seiner Einfühlung. Während der Jahre, in denen er dort tanzte, wurden neben klassischem Ballett auch neoklassische, moderne und zeitgenössische Choreografien eingeführt. Er traf dort seine Frau Altea Nuñez. Aus einer Tänzerin entwickelte sie sich zur Choreografin. Mit ihrer jahrelangen Erfahrung spürten beide, dass die Überbrückung von einer Ballettschule zum professionellen Betrieb etwas mehr Aufmerksamkeit verdiente. Die Compagnien setzen heute auf vielseitige Tänzer. Eine Lücke, die gefüllt werden musste. Zwei Künstler, die beide Freude daran haben, an Projekten zu arbeiten, die das Beste von ihnen verlangen. Und ja, damit kam er mit seinem ehrgeizigen Traum heraus. In enger Zusammenarbeit mit der Königlichen Ballettschule stellte er vor 5 Jahren seinen Plan vor: Junior Ballet Antwerp.
Junior Ballet Antwerp ist eine Nachwuchskompanie (Junior Company), in der talentierte, hochqualifizierte, graduierte Tänzer aus der ganzen Welt ihre erste professionelle Bühnenerfahrung sammeln. Ein junger Künstler kann sich selbst auf der Bühne erst kennenlernen und sich die notwendige Expertise holen. Täglich engagiert sich JBA dafür, ihre Tänzer in dieser Kunstform zu begleiten und zu vervollkommnen. Sie vorzubereiten für eine Zukunft als professioneller Tänzer/Künstler. Alain und Altea verfügen über ein großes Netzwerk von Choreografen, aus dem sie schöpfen können, und wissen sich gut zu umgeben. Die ersten 5 Jahre liefen nicht reibungslos ab. Corona war der große Spielverderber. Der ganze Kultursektor leckte seine Wunden. Aber seine Liebe zum Tanz und sein großes Engagement konnten selbst Corona nicht erschüttern. Es wird immer Probleme geben. Die Kunst besteht darin, durchzugehen und auf der anderen Seite herauszukommen. Seine kreative Energie überwand auch dieses Hindernis. Verlangsamen und dann wieder beschleunigen. Ein Mann mit künstlerischer Relevanz und Schneid. What doesn't kill you makes you stronger.
'5!'
Die festliche Feier 5 Jahre JBA bringt einen Rückblick ihrer künstlerischen Projekte. Alain Honorez gräbt durch die vergangenen 5 Jahre, verflochten in einen bezaubernden, eklektischen Mix von Choreografien. In einem breiten Spektrum klassischen Balletts, Neoklassik, moderner und zeitgenössischer Repertoire. Um zeitgenössisch zu tanzen, ist eine klassische Ballettausbildung die Grundlage. Zeitgenössisches Ballett kann die akademische Technik nach eigenem Ermessen ausfüllen. Die Vielseitigkeit der gezeigten Werke weckt das Bewusstsein für die kolossale Arbeit, die geleistet wurde. Es ist reines Vergnügen, wie das Ganze zusammengesetzt ist. Tanz, eine Welt in ständiger Bewegung. Ein flüssiges Universum, in dem sich Formen, Farben und Bewegungsgeschwindigkeit ständig verändern. Die ständigen Transformationen der Bewegung machten dieses Festprogramm zu einem einzigartigen Erlebnis.
'études'
Choreografie, Tanzlehrer Königliche Ballettschule Antwerpen
Musik, Carl Czerny
Nicht nur JBA ist präsent, auch die Schüler der Königlichen Ballettschule B1-B7 wurden eingebunden. Machen mit im Festprogramm. Für das Publikum ein Einblick, wie alles beginnt und Bewegung für Bewegung aufgebaut wird. In einer Choreografie der Tanzlehrer klassisches Ballett bringen sie 'Etudes', eine Kostprobe ihres Könnens. Die 5 Grundpositionen an der Stange werden geübt, mit einem Lächeln, voller Grazie und Disziplin in simultanen Bewegungen. Nach dem eher statischen Anfang und mit zunehmendem Alter sehen Sie den Fortschritt in Sprüngen, Pirouetten. Die Körper in perfektem Gleichgewicht. Ein Podium voller junger Talente.
'THE WIND'S GIFT'
Choreografie, Le Wang
Musik, Qigang Chen
Der junge chinesische Choreograf Le Wang ist ein aufstrebender Stern. Und was für einer! Seine Karriere ist im Aufwind. Weltweit wächst die Nachfrage nach seinem klassisch inspirierten, viszeralen Stil mit östlichen Tönen und verhaltener emotionaler Tiefe. Die Summe der Teile: junges Tanztalent trifft jungen Choreografen – das ergibt Feuerwerk. Die Inspiration für seine Choreografie holte er sich aus dem Naturelement Wind. Wind, der an heißen Sommertagen Abkühlung bringt, aber auch Wolken vorantreibt, Herbstblätter von den Bäumen reißt und choreografisch durch die Luft wirbelt. Bei diffuser Beleuchtung und völliger Stille treten langsam eine Reihe von Tänzern aus der Dunkelheit hervor, während sie mit ihren Beinen eine zweite Gruppe von Tänzern vor ihnen vorantreiben. Auch diese legen sich hin. Sie drehen sich auf den Bauch. Kurz darauf bewegen sich Gliedmaßen, Oberkörper und Köpfe in schnellem Tempo. Sie stehen auf, fallen, drehen und rollen sich. In Abwesenheit von Musik ist es der Atem eines der Tänzer, der die Gruppe synchronisiert, um perfekte Koordination zu finden. Ein Merkmal von Le Wangs Tanzsprache ist seine rhythmische, perkussive Bodenarbeit. Tiefe Konzentration und rhythmische Perfektion sind daher erforderlich. Ein faszinierendes visuelles Spektakel. Die Tänzer sind in chinesisch inspirierte, beige hauchdünne Kostüme gekleidet. Nach der Bodenarbeit wird zu Musik des bekannten chinesischen Komponisten Qiang Chen getanzt. In der westlichen Welt vor allem durch seine Komposition zu Ehren der Olympischen Sommerspiele in Peking 2008 bekannt. Er verbindet sowohl die chinesische als auch die westliche klassische Tradition in seinem Werk. Auch hier schöpft Le Wang aus einem spezifischen eigenen Tanzvoabular. Zwei Tänzer bewegen sich in einem zarten Duett Rücken an Rücken. Sie scheinen aneinander zu kleben. Wenn sich das gesamte Ensemble auf der Bühne befindet, schafft Le Wang schöne geradlinige Figuren mit unter anderem auch den vielen Armen von Shiva, dem Gott, der die Windrichtungen beherrscht. Man ist einfach fasziniert von der Schönheit und Grazie der Tänzer.
Nach der Pause folgt ein Kaleidoskop verschiedener Werke. Kurze Fragmente aus elf Choreografien der vergangenen Jahre wurden in einem schönen Spannungsfeld zusammengefügt. Stück für Stück stimmungsvolle Ballette voller Dynamik.
[embed]https://juniorballetantwerp.be/wp-content/uploads/2024/03/0cdfa9c4-213b-4e22-8de4-c905f83bbdc8.mp4[/embed]
Bei einem Geburtstag gehört Kuchen dazu. Eine Figur aus der Produktion ‚Cinderella' paradiert durch den Saal mit einer hohen Torte, die einen prominenten Platz auf der Bühne erhält. Dieser festliche Akzent passt perfekt zu:
'CAKE OR DEATH'
Choreografie Nancy Osbaldeston
Die allererste Bühnenpräsentation im Jahr 2019 von Junior Ballet Antwerp. Osbaldeston war damals erste Solistin bei Opera Ballet Vlaanderen. Theatralisches Flair und Humor führen hier die Oberhand bei einer spritzigen Melodie von Frédéric Chopin. Live gespielt am Klavier von Emi Morishita.
Die jungen Tänzer lassen die sprudelnde Energie keinen Moment nachlassen. Mit Herz und Seele geben sie sich völlig hin. Hingabe ist der Anfang der Meisterschaft. Sie haben kaum ein paar Sekunden Zeit, um von einem Kostüm in das andere zu schlüpfen und in wieder eine andere Dynamik zu treten. Die Messlatte liegt hoch. Viele Choreografien sind technisch anspruchsvoll, aber überall wird Perfektion erreicht, was von einem intensiven musikalischen Einfühlungsvermögen zeugt. Bewegungen fallen nicht immer auf eine Note, sondern auch dazwischen. In Ensembleszenen erfordert dies äußerste Konzentration und Handwerk. Choreografien von Yannick Boquin ‚CONCERTO CON BRIO', Musik Dmitri Shostakovich; Andrew McNicol ‚SIGNATURES', Musik Enrique Granados; David Dawson auch JBAs Künstlerischer Beschützer ‚METAMORPHOSIS', Musik Philip Glass; Altea Nuñez ‚ABSOLUTIO', Musik Hans Zimmer und ‚CLAROSCURIO', Musik Hector Gonzales Sánchez; Altea Nuñez und Alain Honorez ‚CINDERELLA', Musik Sergei Prokofiev; Altea Nuñez ‚YU', Musik Johan Johannson; Ilja Louwen ‚JOURNEY', Musik Franz Schubert und Mauro de Candia, der Anfang dieses Jahres die Reihe mit der fesselnden Produktion ‚JAMES', Musik Wolf Hoeyberghs, abschloss, dies anlässlich des James Ensor Jahres, und Altea Nuñez' ‚SUMMER' aus der erfolgreichen Produktion ‚SEASONS 4.0'. Das Ganze hat ein mitreißendes Tempo und doch halten sie an. Sie halten nicht inne.
‚5!' zeigt eine bunte Palette von Emotionen und Tanzstilen. Vielfalt im Überfluss. Diese jungen Menschen sind sowohl Spitzensportler, Tänzer als auch Schauspieler: Allrounder. Eine Elitegruppe bestehend aus Lauren Alving, Soazig Drion, Rinka Matsuura, Ella Matthews, Maja Grubic, Mackenzie Mount, Seohyun Mo, James Cooper, Sora Nishida, Lizé Mentz, Letizia Austoni, Tilly Wightman, Laura Flügel.
Die Tänzer wurden für alle Choreografien in wunderbare Kostüme gesteckt von den geschickten Händen von Ria Van Looveren und Jolien Deweerdt. Julie Coppens zeichnete für die Masken und die Torte verantwortlich. Die stimmungsvolle Beleuchtung wurde Sjim Rijnhout anvertraut.
5 Jahre Junior Ballet Antwerp gipfelten in einem beeindruckenden und glänzenden Tanzspektakel und vier gut besuchten Aufführungen. What a night! Es schmeckt nach mehr…. Und das kommt, denn zwischen den Zeilen konnte ich verstehen, dass großartige Pläne gehegt werden.









