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Rezensionen

Hervé Niquet tanzt durch Beethoven 7

L
· 3 Min. Lesezeit
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Hervé Niquet tanzt durch Beethoven 7

Samstag, 3. Februar wurde mit dem Brussels Philharmonic im Flagey-Gebäude, wo es seinen Sitz hat, ein Abend reiner sinfonischer Romantik präsentiert. Unter dem Motto Beethoven 7 dirigierte Hervé Niquet Werke von Paul Dukas, Camille Saint-Saëns und Ludwig Van Beethoven.

Der Publikumsliebling, und mit Recht, war die siebente Sinfonie von Ludwig Van Beethoven. Niquet entschied sich klugerweise dafür, dieses Werk als eine Art Apothese des Konzerts zu programmieren. Das Brussels Philharmonic begann mit einer auffallend großen Besetzung von Blechbläsern für die Aufführung der „Polyeucle – ouverture pour la tragédie de Corneille" von Paul Dukas. Für mich war es eine erste Begegnung mit diesem selten gehörten Werk. Ein Brocken französischer Orchestromatik mit viel Gebrauch von drauflos spielenden Blechbläsern, dann wieder fast fahle Streicher, um noch einmal in tutti ein fortissimo zum Besten zu geben. Persönlich werde ich dieses Werk nicht erneut aufsuchen, aber das bedeutet nicht, dass mich die Begegnung damit nicht gefreut hätte. Es ist ein Steckenpferd für Niquet, solchen Werken zusätzliche Klangfarbe zu geben und mit diesem geschickten Orchester verlief diese Aufgabe wie von selbst.

Weniger begeistert bin ich von der Pianistin Marie Josèphe Jude, die im zweiten Klavierkonzert von Camille Saint-Saëns solistisch auftrat. Sie legte den Schwerpunkt auf das Virtuose (nun ja, dieses Werk hat nicht viel mehr zu bieten als Läufe), stolperte aber meiner Meinung nach zu oft über ihre Finger. Dieses Konzert hätte auch mehr Variation im musikalischen Aufbau von der Pianistin erhalten sollen. Schade, denn es fehlte dem Dirigenten und dem Orchester nicht an Inspiration.

Nach der Pause kam das Genie von Ludwig Van Beethoven in seiner lyrischen siebenten Sinfonie erst recht zur Geltung. Ein Werk, das Dirigent und Orchester in den Fingern haben und das vom Publikum, das das Studio 4 von Flagey gut ausfüllte, besonders geschätzt wurde. Ein kleiner Kritikpunkt an Niquets Interpretation ist, dass das Allegretto etwas langsamer eingeleitet werden hätte können, aber das ist eine Frage des Geschmacks, nicht der musikalischen Ausführung.

Erfreulich war, dass man in der Pause von einer echten österreichischen Spezialität genießen konnte, einem Röstl (Kartoffelscheiben mit Wurststücken und einem Spiegelei) und ein Dämpfer am Ende des Konzerts auf das musikalische Fest war die sogenannte „Afterparty mit DJ4T4, die für sehr lautes Rockgetöse sorgte, das das Publikum von den Treppen in Richtung Ausgang trieb. Hätte Beethoven das erlebt...


  • WAS: Beethoven 7 mit Werken von Dukas, Saint-Saëns und Van Beethoven
  • WER: Brussels Philharmonic unter der Leitung von Hervé Niquet, Pianistin Marie-Josèphe Jude
  • WO & WANN: Flagey Studio 4, Brüssel, Samstag, 3. Februar 2018
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