Es ist immer ein besonderer Mehrwert, wenn ein Urlaub im Ausland mit einem Konzertbesuch würzig wird. Wenn dieses Konzert dann noch in der Wieskirche stattfindet – einer der weltweit verfeinertsten Barockkirchen – bekommt das Erlebnis etwas Magisches. In dieser zur Vorstellung sprechenden Wallfahrtskirche, wo sich Musik und Besinnung begegnen, präsentiert die Werkgemeinschaft Musik ihre jährlichen Sommerkonzerte. Es sind intensive musikalische Begegnungen, die nicht nur durch ihre Repertoirewahl fesseln, sondern vor allem durch die einzigartige Aufführungspraxis.
Ein inklusiver Ansatz mit Generationen zusammen
Am Montagnachmittag, 21. Juli wurde die neue Konzertreihe mit einem Programm eröffnet, in dem Romantik und Hingabe Hand in Hand gingen. Ein besonderer Aspekt dieses Konzerts – und des gesamten Projekts – ist die inklusive Arbeitsweise der Werkgemeinschaft Musik. Während einer Woche üben Amateurmusiker aller Altersgruppen unter der Leitung erfahrener Dirigenten und Pädagogen an einem reichhaltigen Programm. Neben dem großen Repertoire werden auch kleinere und überraschende Werke einstudiert. Faszinierend ist, wie Generationen in einem gemeinsamen musikalischen Prozess zusammenkommen. So fiel das sogenannte "Nachwuchsorchester" auf, in dem junge Musiker voller Feuer spielten und deutlich vorbereitet wurden, um langfristig ins Hauptorchester überzugehen. Bemerkenswert war auch, wie junge Schlagzeuger – manchmal kaum Teenager – unter Anleitung ihrer Lehrer mühelos ihren Platz in den großen Werken von Tschaikowski und Finzi einnahmen. Es war ein Vergnügen, sie bei der Arbeit zu sehen!
Leidenschaftlicher Tschaikowski in einem himmlischen Raum
Der Auftakt kam mit einer leidenschaftlichen Aufführung von Tschaikowskis Romeo und Julia, einer Fantasie-Ouvertüre, die bereits unzählige Orchester zu großartiger Ausdruckskraft inspiriert hat. In der akustischen Fülle der Wieskirche erhielt das Werk einen ergreifenden Glanz. Die Aufführung war vielleicht nicht in jedem Detail fehlerlos – was in diesem Kontext kein Nachteil sein muss – aber die Intensität und Hingabe der Musiker hinterließ tiefe Eindrücke. Es war vor allem die Beteiligung des gesamten Ensembles, die ergriff. Jeder Musiker schien Teil eines größeren Ganzen zu sein, ein Atem, ein Herzschlag. Es sind diese Momente, in denen Musik ihre wahre Kraft zeigt: verbindend, aufrichtig und tiefgreifend menschlich.
Kammermusik als Entdeckungsreise
Auch die kleineren Ensembles zeigten sich. Das Streichensemble überraschte mit einem eleganten Dialog zwischen Elgars Lyrik und Piazzollas glühendem Melancholie. Eine unerwartete Perle kam aus der Ecke des Bläserensembles: die Intrada von Leland Albert Cassard – ein Werk, das aus den Konzertsälen völlig verschwunden zu sein scheint. In dieser Besetzung mit Harfe und Bläsern erwies es sich als wahre Entdeckung: geschichtet, subtil, aber auch spielerisch. Der Chor überraschte mit der Tempelrhymne "Non nobis, domine" in der Bearbeitung von (vermutlich) William Byrd und die von Patrick Doyle (aus der Filmmusik von Henry V).
Rhythmische Energie und jugendliches Feuer
Ganz anders, aber mindestens genauso beeindruckend, war Talkshow von Eckhard Kopetzki, aufgeführt vom Body Percussion-Ensemble. Junge Menschen deklamierten und klatschten sich durch einen rhythmischen Dialog, der frisch und präzise gebracht wurde – das Spielvergnügen sprühte aus ihnen. Das Bläserensemble schloss mit einer majestätischen Version von Alexandre Guilmants Grand Choeur in d ab. Die Bearbeitung spielte optimal auf den Raum und auf die natürliche Klangfülle des Ensembles an.
Ein spiritueller Höhepunkt mit Finzi
Der absolute Höhepunkt des Abends kam in Form einer seltenen Aufführung von For Saint Cecilia von Gerald Finzi – eine ergreifende Ode an die Patronin der Musik. Dieses Werk, das selten auf belgischen oder deutschen Bühnen erklingt, fand in der heiteren Akustik der Wieskirche ein nahezu perfektes Bett. Der Raum schien wie geschaffen, um dieses poetische und spirituelle Musikstück zu tragen.
Mehr als hundert Aufführende standen auf der Bühne – Chor, Orchester und Solisten – und brachten das Werk mit einer beeindruckenden Kombination aus Raffinesse, Hingabe und innerer Überzeugung. Die Solopartien waren nicht an externe Gastsoloisten anvertraut, sondern wurden von Mitgliedern des Chores selbst gesungen. Eine nüchterne, aber besonders bedeutungsvolle Wahl, die das Gemeinschaftsgefühl und die inklusive Philosophie des Projekts kraftvoll unterstrich.
Finzis Partitur – elegant und lyrisch, aber durchdrungen von subtiler Dramatik – entfaltete sich in dieser Aufführung mit großer Sorgfalt und Begeisterung. Von der großartigen, feierlichen Ouvertüre bis zum abschließenden Lobgesang klang eine starke innere Logik, getragen von klarer Orchestrierung und einer warmen, überzeugenden Textbehandlung. Der englische Dichter Edmund Blunden lieferte einen Text voller Ehrfurcht und poetischer Kraft, den Finzi zu einem meditativen Klangruniversum erhob.
Für viele im Publikum fühlte sich diese Aufführung wie eine Offenbarung an: Musik, die nicht nur erklingt, sondern etwas Wesentliches sagt – als Lobgesang, als Gebet, als geteilter Moment der Verbundenheit. Es wurde zu einer kollektiven Erfahrung, in der sich die Schönheit der Musik zu einer Würdigung der Kraft des Klangs erhob – und der bedeutungsvollen Stille, die dazwischen liegt.
Mehr als Musik: ein Ritual der Verbundenheit
Wie immer ist die Werkgemeinschaft Musik fünf Wochen lang zu Gast in der Landvolkshochschule Wies. Was dort hinter verschlossenen Türen in intensiven Proben wächst, kommt schließlich in den verschiedenen Konzerten in der Wieskirche zur Blüte. Nicht alles muss perfekt sein – es ist gerade die hörbare Freude am Musizieren, die aufrichtige Hingabe und die besondere Atmosphäre, die diese Konzerte so besonders machen.
Es ist eine beseelte Tradition, die Musik mit Gemeinschaft, Handwerk und Spiritualität verbindet. Wer die Gelegenheit hat, diese Konzerte zu besuchen, erlebt mehr als eine Aufführung: es ist ein gemeinsames Ritual, ein Hörerlebnis, das etwas Wesentliches berührt. In einer Welt voller Lärm und Schnelligkeit erinnert diese Initiative an die Kraft des Zusammenklangs und der Stille, der Vertiefung und der Freude – getragen von Menschen, genährt von Musik.