Am 17. Juli 2025 erschien die Debüt-CD eines jungen, ehrgeizigen Ensembles beim prestigeträchtigen Label CPO. Die Wahl des Programms ist auffällig und gewagt: Das Album ist vollständig Johann Caspar Ferdinand Fischer (ca. 1656–1746) gewidmet, einem Komponisten, der heute kaum noch bekannt ist, aber zu seiner Zeit zu den führenden Figuren des deutschen Barock zählte.
Ein Komponist zwischen Stilen
Johann Caspar Ferdinand Fischer wurde vermutlich in Böhmen geboren und machte Karriere als Hofkapellmeister in Baden-Baden. In seinen Werken hören wir, wie er verschiedene europäische Einflüsse versöhnt. Der französische Hofstil von Jean-Baptiste Lully klingt deutlich in seinen Orchestersuitten und Balletten an, während die italienische Expressivität und Virtuosität, bekannt von Komponisten wie Arcangelo Corelli, einen zweiten Pfeiler bildet. Diese Mischform wird von Fischer stets gefiltert durch eine tief verwurzelte deutsche kontrapunktische Tradition.
Das macht sein Oeuvre besonders reizvoll: einerseits elegant und tanzend, andererseits komplex und intellektuell anspruchsvoll. Fischer schrieb sowohl Instrumentalwerke – wie die Sammlung Le journal du printemps (1695) – als auch geistliche Musik, darunter Messen und Litaneien. Seine Klavierwerke, insbesondere die Zyklus Ariadne musica (1702), waren darüber hinaus eine wichtige Inspirationsquelle für Johann Sebastian Bach, der dort möglicherweise den Keim für sein Das wohltemperierte Klavier fand.
Eine vergessene Stimme aus dem Barock
Trotz dieses beeindruckenden Erbes ist Fischer weitgehend im Schatten seiner berühmteren Zeitgenossen verschwunden. Während Georg Muffat, Johann Kuhnau und selbstverständlich Bach einen Platz in den Musikgeschichtsbüchern erhielten, blieb Fischer eine Fußnote. Die Debüt-CD des Ensembles möchte das ändern.
Die Aufnahme präsentiert ein repräsentatives Programm, in dem die Vielseitigkeit von Fischers Musik zur Geltung kommt. Von den verfeinerten höfischen Tanzformen bis zu den kraftvollen polyphone Strukturen: Der Hörer entdeckt einen Komponisten, der sich nicht auf einen Stil oder eine Tradition festlegen lässt, sondern der gerade in der Synthese mehrerer Einflüsse brilliert.
Seit dem 17. Juli ist die CD vollständig über alle großen digitalen Plattformen verfügbar, darunter Spotify. Für Rezensenten und Redaktionen kann auf Wunsch ein physisches Exemplar angefordert werden, damit Fischers Reichtum auch in optimaler Soundqualität genossen werden kann.
Ausblick: Zelenkas Te Deum
Während das Ensemble seine Debüt feiert, steht bereits der nächste ehrgeizige Schritt bevor. Am 15. November 2025 bringt es in der Genter Begijnhof ein festliches Programm mit dem Höhepunkt von Jan Dismas Zelenkas (1679–1745) Te Deum. Auch Zelenka ist ein Komponist, der lange Zeit unterschätzt wurde, aber in den letzten Jahrzehnten zu Recht wieder in Ehren versetzt wurde.
Zelenkas Musik wird oft als eigensinnig, unvorhersehbar und farbenreich beschrieben. Sein Kontrapunkt ist besonders erfinderisch und seine Harmonien überraschen immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Das Te Deum, ein Lobgesang auf Gott, der traditionell bei festlichen Gelegenheiten aufgeführt wurde, strotzt vor Vitalität und Grandeur. Es ist Musik, die den Hörer in einer Welle von Frohlocken und instrumentaler Kraft mitreißt.
Audiovisuelles Projekt mit internationaler Ausstrahlung
Das Konzert in Gent erhält darüber hinaus eine besondere Komponente: Die Aufführung wird vom Kultursender Classica Stingray aufgezeichnet, der das Projekt in sein Programm aufnimmt. So wird Zelenkas Meisterwerk nicht nur live zu erleben sein, sondern wird auch digital seinen Weg zu einem internationalen Publikum finden. Damit reagiert das Ensemble auf die wachsende Nachfrage, historische Musik über moderne Medien zugänglich zu machen.
Monumentale Besetzung
Um diese Partitur zum Leben zu erwecken, wählt das Ensemble eine Besetzung, die der Grandeur von Zelenkas Vision gerecht wird. Sechzehn professionelle Sänger und achtzehn Instrumentalisten – darunter Naturtrompeten, Oboen und Pauken – bündeln ihre Kräfte. Das Ergebnis verspricht ein musikalisches Feuerwerk zu werden, in dem vokale Brillanz und instrumentale Pracht sich gegenseitig verstärken.
Das Projekt ist nicht nur künstlerisch, sondern auch finanziell anspruchsvoll. Die Organisation rechnet auf die Unterstützung von Sympathisanten, um diesen ehrgeizigen Plan zu verwirklichen. Dank der Zusammenarbeit mit der König-Baudouin-Stiftung ist es darüber hinaus möglich, steuerlich vorteilhaft beizutragen. So kann jeder Liebhaber von Barockmusik in eine Aufführung investieren, die sowohl historisch als auch innovativ ist.
Fischer und Zelenka: vergessene Großmeister
Dass ein Ensemble sein Debüt mit Fischer koppelt und sein Folgeprojekt Zelenka widmet, ist kein Zufall. Beide Komponisten repräsentieren einen Reichtum an Barockmusik, der noch viel zu wenig in den Konzertsälen erklingt. Fischer, der verfeinerte Synthese-Baumeister, und Zelenka, der eigensinnige innovative Geist, zeigen auf je ihre Weise, wie breit und vielseitig der europäische Barock war.
Ihre Musik verdient es, gehört zu werden – nicht als Kuriosum, sondern als vollwertiger Beitrag zum musikalischen Kanon. Mit der CD und dem Konzertprojekt in Gent macht das Ensemble eine kraftvolle Aussage: Der Barock hat noch viele Schätze zu bieten, und es lohnt sich, diese mit Sorgfalt und Leidenschaft zum Leben zu erwecken.