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Feldman: Piano, Violin, Viola, Cello (Pianokwartet)

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· 5 Min. Lesezeit
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Feldman: Piano, Violin, Viola, Cello (Pianokwartet)

Morton Feldmans Piano, Violin, Viola, Cello (der schlichte Titel dieses Klavierquartetts, zugleich sein letztes Werk) klang im vergangenen Jahr am 17. September im Muziekgebouw in Amsterdam und am 3. November in der Lutherse Kerk in Groningen, aufgeführt vom Ensemble Nieuw Amsterdams Peil (der Name ist aus mehreren Gründen ein Fund an sich, wer darüber einen Moment nachdenkt). Die von TRPTK veröffentlichte (Live-)Aufnahme wurde in Groningen gemacht, aber es kam ein Editor (Hans Erblich) zum Einsatz, weshalb ich eigentlich a priori davon ausgehe, dass dennoch (Nach-)Bearbeitung stattgefunden hat (wovon ohnehin nichts zu merken ist). Möglich ist, dass in Amsterdam am 17. September eine Aufnahme gemacht wurde, um etwaige ‚Mishaps' später im Voraus korrigieren zu können. Für den Hörer tut es letztlich nicht viel zur Sache, denn nur das (hörbare) Ergebnis zählt am Ende.

Feldman widmete das Klavierquartett Ad van 't Veer, Programmierer des MMF, des Mostly Modern Festival , das jährlich in Middelburg in Zeeland stattfindet und über das Robert Paterson künstlerisch den Stab führt. Komponisten aus der ganzen Welt bekommen in Zeeland die Chance, ihre neuesten Kreationen zu hören. Dieses progressiv gestaltete Konzept kannten wir bereits vom berühmten, ganz der Neuen Musik gewidmeten Festival in Donaueschingen.

Feldman war regelmäßig Gast beim MMF (darunter von 1985 bis 1987 mit gut besuchten Meisterkursen), wie auch in dem eineinhalbstündigen Film Een meteoriet op Walcheren zu sehen ist, dessen Titel einer Beschreibung des niederländischen Komponisten Daan Manneke entnommen ist, als das Festival Ende der sechziger Jahre feste Form annahm. Und was damals niemand erwartete, geschah: Das MMF wuchs schnell zu einer internationalen Bekanntheit heran, ein wichtiger ‚Anlaufpunkt', der viele Komponisten, darunter auch die bedeutendsten, an sich band. Es erklangen zahlreiche Uraufführungen, wobei auch die improvisierte Jazz vollen Raum bekam, sich geltend zu machen.

Feldmans Klavierquartett erlebte am 4. Juli 1987, also sowohl kurz nach der Vollendung (28. Mai) als auch kurz vor seinem Tode (3. September, in seiner Wohnstadt Buffalo, New York, 61 Jahre alt), in Middelburg beim elften MMF seine Uraufführung, in Anwesenheit von Feldman, der sich einer Chemotherapie unterzog. Es wird, anders als das aus 1983 stammende, immerhin sechs Stunden dauernde Zweite Streichquartett und das im selben Jahr vollendete fünf Stunden in Anspruch nehmende Crippled Symmetry für Bassflöte, Schlagzeug (Glockenspiel, Vibraphon) und Klavier (Celesta), keinen Anschlag auf Geist oder Sitzfleisch bedeutet haben, obwohl das äußerst langsam ablaufende, in halben Noten gefasste und etwa achtzig Minuten dauernde Piano, Violin, Viola, Cello den Hörer auffordert, gut dabei zu bleiben. Typisch Feldman also.

Feldman war Ende Mai noch völlig unwissend von seinem bald bevorstehenden Ende. Bei der kurz darauf folgenden Standardbehandlung für ein Magengeschwür kam jedoch ans Licht, dass der Komponist an einer aggressiven Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs litt. Was ihn jedoch nicht daran hinderte, bald darauf – dieses Mal zum fünften Mal – die Reise nach Middelburg zu unternehmen. Dort mischte er sich, munter wie immer und wie gewohnt in öffentliche Diskussionen mit Kollegen (auf YouTube finden sich einige davon). Wie es auch – in den Worten des Musikwissenschaftlers Elmer Schönberger – die ‚labyrinthischen Improvisationen waren, die sich unendlich verzweigenden Gedanken über Musik, Kunst, Geschichte, Humanität und die Welt'. Wer seine Musik besser verstehen will, kann sich nicht besser an seine dokumentierten Monologe wenden.

Einige aus dem CD-Booklet gegriffene Aussprüche von Feldman: ‚…something that is beautiful is made in isolation'. ‚I'm very into acoustical reality. For me there is no such thing as compositional reality.' ‚I think the piece dies a natural death. It dies of old age.' ‚Beyond an hour length becomes scale.' ‚For me at least sound was the hero, and it still is.' Die letzte Aussage eher anlässlich von ‚Let sounds be themselves' von John Cage, Feldmans ‚hero' in den fünfziger Jahren (das in dieser Zeit von Feldman komponierte Projections steht stark unter dem Einfluss der Musik von Cage).

Nieuw Amsterdams Peil ist eines der wenigen niederländischen Ensembles, die sich für Innovation entschieden haben. Gegründet 2005 liegt der Fokus auf moderner und zeitgenössischer Musik in den verschiedensten

[caption id="attachment_42746" align="alignright" width="300"] nieuw amsterdams peil[/caption]

Genres und Stilen. Dazu gehört auch – es klingt selbstverständlich – die Zusammenarbeit mit Komponisten, was den Interpretationen allein aus dieser Perspektive eine gewisse Autorität verleiht. Darüber hinaus hat sich Nieuw Amsterdams Peil durch Bildungsprojekte ausgezeichnet, darunter Workshops und die Einbeziehung des Publikums beim Musizieren.

Kein Wunder also, dass mit Nieuw Amsterdams Peil auf der Bühne eine Aufführung von Feldmans Pianoquartett zustande gekommen ist, die ständig glänzt und aus der – das eine folgt aus dem anderen – die große Affinität zu diesem so besonderen Werk hervorgehen. Die in dieser Musik so wesentliche Bezauberung fließt aus dem hinreißenden Engagement hervor, in dem Evokation und Ausdruck sich ständig die Hand reichen. Dies ist ohne Zweifel eine der besten Aufführungen von Feldmans Piano, Violin, Viola, Cello, wobei hinzukommt, dass die von Brendon Heinst und Antal van Nie gemachte Aufnahme exemplarisch genannt werden darf.


Es gibt keine bessere Möglichkeit, um Feldmans Pianoquartett gut zu verstehen, als die Musik und die Partitur gleichzeitig zu verfolgen. Das kann auf

in einer Aufführung des Quartetto Klimt geschehen.

Details

Wer
Nieuw Amsterdams Peil: Emma Breedveld (viool), Heleen Hulst (altviool), Mick Stirling (cello), Gerard Bouwhuis (piano)
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