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Els Biesemans zu Hause der Schumanns

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· 5 Min. Lesezeit
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Els Biesemans zu Hause der Schumanns
Zu Beginn der Karriere von Els Biesemans stand die Orgel im Mittelpunkt. Als junger Teenager gab sie bereits Konzerte für ein jedes Mal staunentes Publikum. Nach Studien am Lemmensinstituut und später in der Schweiz an der renommierten Schola Cantorum Basiliensis blieb sie in der Schweiz, wo sie seit Jahren als Organistin an einer Pfarrkirche in Zürich verbunden ist. In der Schweiz verliebte sie sich in das Pianoforte und romantische Pianos aus dem frühen 19. Jahrhundert. So wurde der „Hammerflügel" ihre zweite Liebe und flaniert sie zwischen einer Anzahl alter Instrumente, um zu Hause an ihrem Frühstückstisch einen Happen genießen zu können. Im AMUZ konnte das Publikum ein ausgewähltes Programm mit Werken hören, die ihre Uraufführung alle auf diesen warm artikulierenden Tasteninstrumenten mit ihren tieferen Bässen und weichen Sopranklängen erlebten. Es ist doch etwas ganz anderes als die modernen Konzertflügel, die viel dominanter klingen. Der Nachteil ist, dass man so ein Klavier aus der guten alten Zeit nicht als Konzertinstrument in einem großen Konzertsaal einsetzen kann. Es muss also, genauso wie der Klang so eines alten Klaviers, alles etwas intimer sein und dafür ist AMUZ ein ausgezeichneter Ort mit zudem idealer Akustik. Els Biesemans eröffnete mit dem bekannten Impromptu op. 142 Nr. 3 von Franz Schubert. Der ganze freundliche Charakter des träumenden Komponisten wird hier offengelegt, seine Sehnsüchte, seine Wünsche, aber auch seine Rückschläge, Ängste und Elend, was nicht daran hindert, dass er in Hoffnung endet. Els interpretiert es ergreifend, das mäusestille Publikum träumt zusammen weg und verweilt einen Moment im Wien der ersten 25 Jahre des 19. Jahrhunderts in irgendeinem Zimmer – oder ist es ein braunes Café? – wo Schubert stundenlang die schönsten Klänge und Melodien aus seinem Zylinder zauberte und sie teilweise zu Papier brachte. Von dem kaum bekannten Stephen Heller (1813-1888), alias „Jeanquirit", lässt Els das Publikum sein Caprice brillant über „Wohin" von Franz Schubert, op. 33 Nr. 1 kennenlernen. Man sucht nach Schuberts Melodie. Umso mehr macht der ungarische Komponist, der es besser in Paris gefand, ein Durcheinander daraus, das in eine Spieluhr passt. Els muss etwas darüber lächeln, zu Recht. Obwohl so eine musikalische „Sünde" durchaus programmiert werden darf. Von Clara Schumann (1819-1896) alias „Chiarina" interpretiert Els Biesemans die Romanze in g op. 21 Nr. 3. Es ist heftiger als eine sanfte Romanze, aber ja, wer weiß, wie sie Romantik erlebte? Mit mehr Temperament ist sicherlich, wenn man dieses Werk hört. Biesemans legt auch hier alles rein. Das reine Meisterwerk dieses Rezitals ist von Felix Mendelssohn Bartholdy (1810-1847), alias „Felix Meritis", mit seinen Variations sérieuses, op. 54, das er der Ewigkeit schenkte. Viel zu selten wird dieses besonders schwierige, aber o so schöne Werk aufgeführt. Es beginnt sanft, in aller Ruhe, wächst aber weiter zu einer wahren Fülle. Els schmilzt mit der Partitur und ihrem Klavier zusammen, mehr noch, ihre ganze Umgebung wird ineinander verwoben. Die Mazurka aus Soirées musicales, op. 6 von Clara Schumann ist ein kurzes tanzendes Werk, bei dem man Lust bekommt, Els vom Klavier wegzuziehen und einen Moment lang die Bühne mit ihr zu teilen, um auf den Klängen dieser Mazurka einige Schritte zu machen. Sie verhindert dieses „Unheil" und schaltet ohne echte Atempause über zum längsten Werk des Abends: die Davidsbündlertänze, op. 6 von Robert Schumann (1810-1856) alias „Florestan" und „Eusebius". Diese Alias sind für dieses Werk von großer Bedeutung. Er schreibt eine Art Dialog zwischen beiden Charakteren. Das eine energisch, das andere ruhig. Ein paar Mal kommen sie zusammen und bilden eine ideale Harmonie, wo diese Energie und diese Ruhe geschickt ineinander verflochten sind. Es ist ein zweiteiliges Werk mit insgesamt 18 Stücken, eigentlich 19, aber das letzte ist nicht vollendet. Beide Charaktere sind Mitglieder von Schumanns fiktivem Künstlerzirkel Davidsbündler. Dies ist ein weniger bekanntes Faktum und wir geben Ihnen gerne den Link zu Wikipedia, wo Sie mehr darüber erfahren können. Schumann fand in seiner noch ziemlich frühen Verlobung mit Clara Wieck Inspiration für diese Komposition in folgendem Vers:

Alter Spruch:

In all und jeder Zeit

Verknüpft sich Lust und Leid:

Bleibt fromm in Lust und seyd

Dem Leid mit Muth bereit

Altes Sprichwort:

In allen Zeiten

Verbinden sich Lust und Leid,

Bleibt fromm in der Lust und seid,

Zum Leid mit Mut bereit.

Spürte er damals schon Spannungen, die sich Jahre später dramatisch durch seinen Sprung in den Rhein entladen würden? Hier geht es doch um eine andere Dualität als diese zwischen Mann und Frau an sich. Wer wird es sagen? Schumann sagt es als junger Ehemann mit Noten. An uns, das Geheimnis zu enthüllen, mit oder ohne Hilfe des Alter Spruch und der Interpretation durch Els Biesemans…
  • WAS: Rezital „Zu Hause bei Robert & Clara Schumann"
  • WER: Els Biesemans, Klavier
  • WO & WANN: AMUZ Antwerpen, 23. März 2024
  • FOTOS: © Robert Biesemans
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