Dies ist eine der besten Aufführungen von Elgars romantischem Violinkonzert und das will angesichts der umfangreichen Diskografie etwas heißen. Vor gut vierzig Jahren machte ich zuerst gute Bekanntschaft mit diesem Meisterwerk dank Itzhak Perlman und dem Chicago Symphony unter Daniel Barenboim (auf Deutsche Grammophon). Seitdem ist meine Bewunderung für dieses großartig angelegte, gut drei Viertelstunden in Anspruch nehmende Werk nur noch gewachsen.
Der Komponist war auch selbst ganz begeistert davon, wie aus seiner bekannten Aussage hervorgeht: 'It's good! Awfully emotional, too emotional, but I love it!' Und diese 'love' teilte er damals und auch bis zum heutigen Tage mit einer großen Schar von Bewunderern und Liebhabern. In diesem Konzert steckt wirklich álles, das sich vom Majestätischen zum Lyrischen bewegt, vom Melancholischen zum Aufbauenden, mit daneben viel Aufmerksamkeit für das 'nobilmente', typisch die Charakteristiken, die wir in vielen Werken dieses großen Briten antreffen. Soweit ich weiß, war dies auch das erste und zugleich einzige Violinkonzert, in dem Solist und Orchester in der Finalsatz die von Elgar als Kadenz ausgearbeiteten Pfade gehen müssen, in denen alle bisherigen Themen in einer Art Reflexion, als Nachbetrachtung noch einmal zur Geltung kommen. Wie ein glühendes Meditieren über das viele Schöne, das inzwischen Revue passieren durfte.
Die Zusammenarbeit zwischen Solist und Orchester darf als ideal bezeichnet werden, wobei Chefdirigent Robin Ticciati sich nicht nur auf eine rein begleitende Funktion beschränkt, sondern dem reich-expressiven Charakter dieser so wohltuenden Partitur wirklich Gestalt gibt; und in der er das Ensemble bis ins kleinste Detail mitgenommen hat. Besonders für diejenigen, die diese Aufführung mit der Partitur dabei verfolgen, wird schnell klar, wie genial die Musiker in diesem bezaubernden Kraftfeld operieren. Die kurze, aber reizende Carissima für Violine und Klavier, mit neben Vilde Frang Thomas Hoppe als Pianist, ist eine willkommene Ergänzung zu diesem auch aufnahmetechnisch besonders gelungenen Album. Angesichts der Spieldauer hätten es sicher noch einige Zugaben sein können, aber das nur nebenbei, denn diese Interpretationen machen wirklich álles wieder gut.