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Rezensionen

Denken und Fühlen in Klang: ein stahlhartes Akademiekonzert der Barenboim-Said Akademie in Berlin

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· 4 Min. Lesezeit
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Denken und Fühlen in Klang: ein stahlhartes Akademiekonzert der Barenboim-Said Akademie in Berlin
© Barenboim-Said Akademie

Die Barenboim-Said Akademie in Berlin ist weit mehr als eine klassische Musikausbildung: Sie ist ein intellektuelles und künstlerisches Projekt, das sich für Dialog, kritisches Denken und kulturellen Austausch einsetzt. Gegründet von Dirigent Daniel Barenboim und Literaturwissenschaftler Edward Said, bringt die Akademie junge Musiker aus dem Nahen Osten und darüber hinaus zusammen, mit dem Ziel, sie nicht nur musikalisch, sondern auch gesellschaftlich zu bilden. In diesem Rahmen nehmen die sogenannten Akademiekonzerte einen besonderen Platz ein.

Wer ein solches Konzert besucht, tut dies mit offener Gesinnung: Das Programm und die Ausführenden bleiben bis zur letzten Minute eine Überraschung. Die Qualität steht jedoch außer Frage. Am Dienstag, den 14. April, erlebte man in der Pierre Boulez Saal erneut ein Programm, das diesen Ruf bestätigte.

Tanzende Schatten und widerspenstige Klänge

Den Anfang machte Raqs des jungen türkischen Komponisten Arda Bayram (°2001), der an der Akademie bei Jörg Widmann studiert. Bayram erweist sich hier als Komponist, der östliche Einflüsse und zeitgenössische Kompositionstechniken organisch zu verschmelzen versteht und lieferte mit Raqs ein Werk ab, das sowohl physisch als auch auditiv reizt. Geiger Alpay Jan Inkilap und Pianistin Eda Sevenis brachten das Stück mit Überzeugung und Eleganz: Flüstern, Pfeifen, Stampfen und sogar das Bearbeiten der Klaviersaiten sorgten für eine Klangpalette, die sich ständig in Bewegung befand. Der Titel – ein Verweis auf orientalischen Tanz – wurde spürbar in der Art und Weise, wie die Musiker sich gegenseitig anzogen und abstoßen, als Partner in einem unvorhersehbaren choreografischen Spiel. Das Publikum, bemerkenswert gemischt im Alter, folgte fasziniert und reagierte begeistert auf dieses fesselnde und zugängliche zeitgenössische Werk. Bayram scheint definitiv ein Komponist zum Beobachten zu sein.

Wo die Zeit verlangsamt und die Seele spricht

Nach diesem zeitgenössischen Auftakt folgte ein Sprung in das Kernrepertoire mit dem Klaviertrio in Es-Dur D929 von Franz Schubert (1797–1828), eines seiner am meisten sinfonisch aufgefassten Kammermusikwerke. Geigerin Paula Mejia Espana, Cellist Izak Nuri und Pianistin Eda Sevenis näherten sich diesem mit bemerkenswerter stilistischer Klarheit und einem starken Gespür für Struktur.

Der erste Satz (Allegro) wurde breit und getragen aufgebaut, mit großer Aufmerksamkeit für die langen Spannungsbögen, die so charakteristisch für Schuberts späten Stil sind. Das Gleichgewicht zwischen Klavier und Streichern stimmte, wodurch die thematische Entwicklung transparent blieb und die dramatischen Kontraste natürlich atmen konnten.

Im zweiten Satz (Andante con moto) kam das Ensemble zu seinem eindrucksvollsten Spiel. Das bekannte, fast prozessionsartige Thema wurde nüchtern und präzise dargelegt, ohne Übertreibung, aber mit konstanter innerer Spannung. Der Wechsel zwischen Stille und Eruption wurde sorgfältig dosiert, was dieser Bewegung ihren einprägsamen Charakter verlieh.

Das Scherzo (Allegro moderato) brachte dann eine willkommene Leichtigkeit, mit einer geschmeidigen Artikulation und einem lebhaften Dialog zwischen den Instrumenten. Hier zeigten die Musiker ihre Flexibilität: spielerisch, wo nötig, aber stets mit einer zugrunde liegenden Präzision, die das Ganze zusammenhielt.

Im Finale (Allegro moderato) wurde der Zyklus überzeugend abgerundet. Die tänzerische Energie und der rhythmische Elan kamen gut zur Geltung, ohne dass die strukturelle Kohärenz verloren ging. Das Trio verstand es, die verschiedenen Sphären – vom Lyrischen bis zum Dringenden – schön in ein kohärentes Ganzes zu integrieren.

Besonders bemerkenswert war die Reife des Zusammenspiels. Es klang nicht wie ein Studentenensemble, sondern wie eine Gruppe von Musikern, die Schuberts Sprache vollkommen beherrscht.

Überzeugend

Dieses Akademiekonzert bestätigte nicht nur die einzigartige Stellung der Barenboim-Said Akademie; es machte sie auch in jeder Note spürbar und hörbar. Was hier auf der Bühne geschah, war kein Versprechen für die Zukunft, sondern reine musikalische Überzeugungskraft in der Gegenwart. Selten hört man junge Musiker mit so viel Aussagekraft, Imagination und gegenseitiger Chemie spielen. Das war keine akademische Übung, sondern ein Konzert, das von Anfang bis Ende intensiv reizte, und das auf höchstem Niveau.

Details

Wer
Alpay Jan Inkilap (viool), Paula Mejia Espana (viool), Izak Nuri (cello) en Eda Sevenis (piano)
Wo
Pierre Boulez Saal, Berlijn
Gesehen am
14 April 2026
Bildnachweis
Barenboim-Said Akademie
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