Als Abschluss der Saison 2017-2018 schlossen die Brussels Chopin Days am 27. April 2018 mit einem Klavierrezital von Lukas Geniusas im Königlichen Konservatorium Brüssel ab. Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm, denn seine Mutter ist Professorin am Staatskonservatorium Moskau und sein Vater ist ein litauischer klassischer Pianist. Durch diese Verbindung gab es auch die Unterstützung und eine Abordnung der Litauischen Botschaft für dieses Konzert, das vollständig der Klaviermusik von Frédéric Chopin (1810-1849) gewidmet war.
Der 27-jährige Pianist begann mit einer Reihe von sieben Mazurkas. Chopin sollte nicht weniger als 69 schreiben, von denen die meisten veröffentlicht wurden. Seine Mazurkas basieren auf dem polnischen Tanz im Dreivierteltakt mit der typischen Hopfigur. Obwohl es sich bei Chopin um stilisierte Mazurkas handelt, ist es dennoch eine große Aufgabe, sieben Mazurkas hintereinander fesselnd zu spielen. Lukas Geniusas hatte sich darüber offenbar Gedanken gemacht, denn er spielte sie mit wechselnden Emotionen.
Opus 63 Nr. 2 klang sanft und innig, op. 7 Nr. 3 dagegen fröhlicher, op. 17 Nr. 1 majestätisch, op. 30 Nr. 4 poetisch, op. 6 Nr. 3 entschlossen und verspielt, op. 68 Nr. 2 verhalten und schließlich op. 63 Nr. 3 leidenschaftlich mit einem kraftvollen Ende. Obwohl ich in der dritten Reihe saß, klang es, als würde ich in einem Salon sitzen: das Klavier klang von sehr leise zu mezzo forte. Vielleicht war dies eine bewusste Wahl, aber ich fragte mich, ob alle Nuancen hinten im Saal wirklich klar zur Geltung kamen. Der Wechsel der Emotion pro Mazurka hielt die Musik interessant genug, wirkte aber manchmal etwas gekünstelt und dadurch litt die Spontaneität etwas darunter.
Nach einem stimmungsvollen Nocturne op. 15 Nr. 2 mit einer gut herauskommenden Melodielinie folgten Grandes Valses Brillantes, op. 34 Nr. 2 und 3. Grande Valse Brillante Nr. 2 klang im Gegensatz zu seinem Namen überhaupt nicht brillant, sondern im Gegenteil sehr verhalten und melancholisch über das ganze Stück hinweg. Dabei kroch Geniusas quasi wörtlich in sein Klavier. Wahrscheinlich wollte er einen großen Kontrast zur folgenden Grande Valse Brillante Nr. 3 schaffen, die er brillant und verspielt interpretierte und kraftvoll beendete.
Nach der Pause verwandelte sich Geniusas sozusagen in eine andere Person mit der monumentalen Klaviersonate Nr. 3 op. 58 aus vier Sätzen. Bereits von den üppigen Takten des ersten Satzes Allegro Maestoso an war klar, dass das Klavier mehr Klang produzierte als vor der Pause. Als hätte der Pianist die Ketten abgeworfen, klang die Musik jetzt mehr als ein Ganzes. Die brillante Virtuosität des zweiten Satzes Scherzo beeindruckte, ebenso wie der träumerische dritte Satz Largo, in dem der Pianist reichlich, aber funktional das Pedal nutzte. Den letzten Satz, Finale, interpretierte er lebendig, virtuos und mitreißend mit verdienter Zustimmung als Folge.
- WAS: Brussels Chopin Days
- WER: Lucas Geniusas
- WO: Konservatorium Brüssel
- WANN: 27. April 2018
- Foto: m.t.