Die University of Santo Tomas Singers aus den Philippinen bringen unter der Leitung von Prof. Fidel G. Calalang Jr. internationale Qualität in das bescheidene Brecht, das Heimatdorf des Unterzeichners, während ihrer 34. internationalen Tournee, 'Choir on the Run'
Mit gleich zweimal dem prestigeträchtigen Pavarotti-Preis in ihrem Namen haben die UST Singers eine große Ehre zu wahren. Die Erwartungen werden sicherlich erfüllt, wenn sie mit dem Cantate Domino von Josu Elberdin Badoola beginnen, einem lebenden spanischen Komponisten, dessen Namen mir unbekannt war. Ihr Programm ist voller exotischer Namen, fast alle von zeitgenössischen Komponisten, eine schöne Geste würde ich sagen. Namen wie Andrej Makor, Frederick Bayani Mabalot, Beatriz Corona und Bing Rio Pablico lassen uns ein sehr umfassendes und hochwertiges Chorrepetoire erleben. Fast jede Komposition hat eine ausführliche Geschichte mit völlig unterschiedlichen Teilen. Es ist ein sehr frisches Programm aus religiöser, Pop- und Volksmusik, abenteuerlich und Musik in allerlei Sprachen und mit allen Geschmäckern und Farben.
Prof. Fidel Calalang Jr. ist nicht nur der Gründer dieses Chores, sondern auch ein modischer Dirigent mit außergewöhnlichem fingerspitzengefühl. Mit seinem Gesichtsausdruck zeigt er seine Karten nicht allzu sehr, aber er schaut vor allem konzentriert. Einen echten Virtuosen an einem (in diesem Fall elektronischen) Klavier werden wir später bemerken. Sehr bewusst und mit fast choreografischen Handbewegungen geht er bei der Dirigatur vor, und es geht eine enorme Empathie von ihm zu seinem Chor aus. Ich glaube, dass sie wirklich eine besondere Verbindung zueinander haben, dieser Dirigent und seine Studierenden. Übrigens würde das Singen in einem Chor auch die empathische Fähigkeit und die allgemeine mentale und physische Gesundheit stärken. Wenn ich Psychologe oder Arzt wäre, würde ich es allen meinen Patienten empfehlen.
Vom Dirigenten hören wir auch ein eigenes Werk, Psalm 100, ein geschicktes und eher polyphonisches Werk mit allerlei verspielten Mustern, und der Chor zeigt schön seine Dynamik. Die Sänger verstehen auch etwas von Präsentation, alle lächeln sie schön, sie nutzen den Raum sehr gut und das mit ihren schönen Uniformen, die sie dann noch während der Pause wechseln; ein Augenschmaus. Das Ganze hat einen gesunden Spektakularitätswert. Einige Sänger sind noch eher jung, haben aber schon beachtlichen Mut und treten als Solisten auf. Allerlei kleine und ungewöhnliche Instrumente werden manchmal eingesetzt, sie machen einen großen Unterschied, obwohl es nicht immer leicht ist, eine gute Balance bezüglich der Dynamik in Kombination mit dem Chor und der Kirchenakustik zu finden.
Ein Einblick in die philippinische Kultur
Besonders nach der Pause bekommen wir mehr Einblick in ihre Kultur mit 'Ahibakle' von Bienvenido Constantino, einem Erntelied und Fest aus dem nördlichen Teil der Philippinen, wobei der Chor eine Art rituellen Tanz aufführt, und das Volkslied Dalaga't Binata von Lucio San Pedro, beide philippinische Komponisten. Viele der Werke nach der Pause haben am Ende ein Tutti-Glissando, das auch eine etwas komische Wirkung hat, wird aber sehr gut ausgeführt. Erfinderische Chorbearbeitungen mit Hallelujah von Händel bearbeitet von Mervyn Warren. Eine weitere Bearbeitung wurde vom Poplied Happy von Pharrell Williams mit einer Cajón gemacht, ein Volltreffer als Zugabennummer. Diese Stimmblöcke überrumpeln das Publikum, einschließlich des Bürgermeisters von Brecht.
Dieser Chor erhebt das Dorf Brecht für eine Weile, sie würden jeden Ort erheben, aber diese Qualität sind wir hier, leider, aber ehrlich gesagt, nicht gewohnt. Oder nicht mehr? Meine Mutter lernte in ihrer Jugend in dieser Sint-Michielskerk von Brecht zum Beispiel die Spielzeugsymphonie von Leopold Mozart kennen. Die Organisation eines Konzerts für diesen Chor ist in jedem Fall ein großer Schritt in die richtige Richtung, obwohl ich hoffe, dass man für den Dirigenten ein echtes akustisches Klavier bereitstellen könnte, wenn er nächstes Mal kommt. Das wäre auch für den Chor nützlich, wenn sie ein elektronisches Instrument übertönen würden. Mehr Publizität wäre gegenüber den örtlichen Musikgesellschaften wünschenswert, um solche musikalischen Kontexte mehr zusammenzubringen. Das ist kein Vorwurf. Die Kirche war jetzt schon ziemlich voll.
Im Namen von Klassiek Centraal und als Brechtenaar war ich sehr glücklich, hier dabei sein zu können, es war ein Konzert, das Großstädte verdient hätte, obwohl es 'auf dem Land' auch mal gut tut und dann müssen die Menschen von hier nicht so weit gehen. Es war im Stil ein sehr zugängliches Programm und doch angesichts der ungewöhnlichen Programmierung mit weniger bekannten Namen und eines reinen Einblicks in das echte Chorrepetoire und die philippinische Kultur, sicher nicht populistisch oder kommerziell.
- WAS: Choir on the run
- WER: Prof. Fidel Gener Calalang Jr., The University of Santo Tomas Singers
- WO & WANN: Sint-Michielskerk Brecht, Samstag 07/07/2018