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Rezensionen

Cees Nooteboom über Musik

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Cees Nooteboom über Musik

Am 31. Juli jl. wurde Cees Nooteboom 90 Jahre alt. Als einer der renommiertesten niederländischen Schriftsteller schrieb er zahlreiche Romane, Reiseberichte, Essays und Gedichtbände und erhielt viele prestigeträchtige Preise. Seit einem halben Leben hält er sich auch oft in seinem Haus auf der spanischen Insel Menorca auf. In Deutschland ist er vielleicht noch bekannter als bei uns. Wenn Nooteboom über Kunst schreibt, erinnere ich mich vor allem an die vielen Essays über bildende Kunst, Film und Architektur. Tiepolo, Hopper, Zurbarán und viele andere – Nooteboom lässt uns immer auf überraschende Weise auf Kunst schauen.

Over het raadsel van woorden, tonen en stemmen erschien letztes Jahr und befasst sich ausnahmsweise nicht mit dem Sehen, sondern mit dem Hören. Es sind die Stücke, die er zwischen 2002 und 2010 in Preludium, der Zeitschrift des Amsterdamer Concertgebouw, veröffentlichte. Nur wenige der Stücke sind Konzertrezensionen, meist sind es kurze anekdotische Stücke, in denen er über klassische Musik, berühmte Musiker und Komponisten philosophiert und nachsinnt und auch über Romane, in denen Musik eine Rolle spielt.

Das Schwierigste und das Höchste

Eines der Stücke ist eine Ode an Simon Vestdijk, in der Nooteboom sich entgehen lässt, dass Schreiben über Musik die schwierigste Schreibform ist, die es gibt. Amateure, die zusammen ein Streichquartett bilden und uneigennützig zusammen musizieren, findet er hingegen „das Höchste, das es gibt"... Vielleicht ist es deshalb, weil er es so schwierig und hoch einschätzt, dass er in seinem langen Leben viel weniger Worte daran verwendet hat als auf die bildende Kunst. Oft geht es dann auch um die Ohnmacht, Musik in Worte zu fassen. Über die Verwunderung, die Verwirrung oder die Magie, die Musik auslösen kann. Nicht nur im Concertgebouw, sondern auch zwischen den Mauern seines Hauses auf Menorca.

Klassiker wie die Vlaamse Polyfonisten über Mozart bis Mahler und Bruckner passieren Revue, und auch auffallend viele Komponisten des zwanzigsten Jahrhunderts wie Schönberg, Ligeti, Elliot Carter, Stockhausen oder Kagel. Obwohl er zugibt, keine Musiknoten lesen zu können und auf deskriptive, sentimentale und auch literarische Weise zu hören, entfaltet sich in dem Büchlein dennoch ein feiner Kenner. Das Cello ist sein Lieblingsinstrument, erfahren wir auch.

Seine Novelle Het volgende verhaal (1991) schrieb Nooteboom mit den Préludes op. 34 von Schostakowitsch als Begleitmusik im Hintergrund. Darf das denn sein, fragt er sich. Bei Harry Mulisch durfte es jedenfalls nicht – Musik als Begleitung beim Schreiben ist eine Beleidigung für die Musik. Das zeugt von dem Respekt, den Nooteboom für Musik als große Kunst hat. Dieses Büchlein ist ein Beweis dafür. Es bietet einen fesselnden Einblick in die nachdenkliche poetische Seele des größten noch lebenden niederländischen Schriftstellers.


WER: Cees Nooteboom WAS: Over het raadsel van woorden, tonen en stemmen VERLAG: Uitgeverij Koppernik BV
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