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Rezensionen

Buffalo Philharmonic mit Orchesterwerken von Zoltán Kodály

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· 5 Min. Lesezeit
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Buffalo Philharmonic mit Orchesterwerken von Zoltán Kodály
© Naxos 8.574556

Ich bin überrascht positiv von den Qualitäten des Buffalo Philharmonic, im Staat New York, unter seiner Chefdirigentin JoAnn Falletta (Queens, New York, 1974) in den Orchesterwerken von Zoltán Kodály (1882-1967).

Falletta war ab der Konzertsaison 1999-2000 mit ihrer Ernennung die erste Frau, die an der Spitze eines amerikanischen Orchesters stand. Sie hat danach mit dem Buffalo Philharmonic in ebenso Amerika einen großen Ruf aufgebaut, was sich in einem Engagement niedergeschlagen hat, das (vorerst?) bis zum Ende der Konzertsaison 2025-2026 läuft. Wenn sie die gesamte Amtszeit absolviert, wird sie gut ein Vierteljahrhundert mit diesem Orchester verbunden sein.

Mehr als nebenbei leitet sie darüber hinaus als „artistic director" in Honolulu das einzige Sinfonieorchester, das Hawaii hat. Daneben hat sie in Europa noch so einiges in der musikalischen Milch zu brokkeln gehabt. Kurz gesagt, der Name Falletta mag nicht auf aller Lippen liegen, bekannt aber auch beliebt ist sie hingegen schon. Und große musikalische Qualitäten besitzt sie gleichermaßen: in dieser Hinsicht steht sie sicherlich nicht hinter noch so einem Koryphäe zurück: Marin Alsop.

Nach dem Anhören dieses Naxos-Albums fand ich auf Spotify noch eine Veröffentlichung dieses Labels, ebenfalls ganz der Musik von Zoltán Kodály gewidmet, durch ebendasselbe Orchester unter derselben Dirigentin, mit dem Konzert für Orchester, den Tänzen von Galánta und von Marosszék, und den Peacock (Pfau)-Variationen. Die Gesamthöreindrücke waren auch diesmal unverändert positiv.

Meines Erachtens besteht kein Zweifel daran: Dies macht ein Mitteleuropäisches Orchester auch mit einem Dirigenten aus derselben Region wirklich nicht besser, obwohl zweifellos anders; und zum Glück, denn ein langweiliges Ding durch viel von Gleichem will letztendlich niemand.

Was in all diesen Aufführungen so auffällig zum Vorschein kommt, ist die untrennbare Verbindung zwischen Kodály dem Komponisten und Kodály dem Ethnografen. Kodály, der zusammen mit seinem guten Freund Béla Bartók durch ganz Ungarn zog, um dort fleißig Volksmusik zu sammeln und zu dokumentieren, und der ebenso wie Bartók (dessen ethnografische Forschungsreisen sich sogar tief in den Balkan erstreckten) der Folklore einen warmen Platz in seinem kompositorischen Werk gab.

Aber anders als Bartók wählte Kodály für die Integration von Volksmusik in sein eigenes Werk den konservativen Weg, während Bartók die Folklore nur als Basismaterial verwendete. Mit dem Ergebnis, dass melodische, harmonische und rhythmische Beschaffenheit in Kodálys Werk einen viel weniger progressiven Charakter trägt; und also nicht unbedingt, weil sich Kodály ausschließlich auf die Volksmusik seines Heimatlandes beschränkte. Wie es auch erklärt, warum – anders als bei Bartók – die Melodik in Kodálys Komposieren immer der beherrschende Faktor geblieben ist, er sich ausdrücklich darauf konzentrierte und Rhythmus und Harmonie danach unterordnete. Womit allerdings sicherlich nicht alles gesagt ist, denn er erfuhr als Komponist auch Einflüsse des Gregorianischen, der Kirchenmusik der Renaissance (und dann besonders die von Palestrina), aber auch von Bach und sogar des französischen Impressionismus. Es ist allerdings sicherlich kein Amalgam geworden, oder dass Kodálys streng eigene musikalische Handschrift in seiner Musik fehlen würde. Auch Kodály konnte wirklich über seinen eigenen Horizont hinausschauen.

Die auf dieser zweiten Veröffentlichung vertretene, dreiteilige Sinfonie in (dem klaren) C-Dur, gedacht als ein musikalisches in memoriam für den italienischen Dirigenten Arturo Toscanini, bereits in den dreißiger Jahren begonnen aber erst 1957 vollendet, kurz nach dem Tod des Maestro, ist neben Sommerabend – ein Werk voller Tanz und Traum – ein repräsentatives Beispiel des konservativen Kodály. Bemerkenswert dabei: 1906, im Jahr, in dem Sommerabend vollendet wurde, veröffentlichten Bartók und Kodály (sie blieben ihr Leben lang befreundet) ein Buch, Magyar Nepdalok, ganz der ungarischen Volksmusik gewidmet und beseelt von dem, was sie als ihr Ideal betrachteten: ein wiedergeborenes ungarisches Volk in einem erneuerten Ungarn.

Erheblich spannender ist die Háry János Suite (1926/27), zweifellos Kodálys bekanntes Werk, abgeleitet von seiner gleichnamigen Volksoper, die als komisches „Singspiel" 1926 in der ungarischen Hauptstadt ihre Uraufführung erlebte. Von Haus aus stark ungarisch orientiert (die Sprache ist selbstverständlich Ungarisch), der Humor eingeschlossen, lag das Stück außerhalb der eigenen Landesgrenzen schon ziemlich „schwierig", was Kodály zu lösen gedachte mit den sechs als Suite verpackten Teilen (vier „Abenteuer", mit Prolog und Epilog), deren erste Aufführung in Barcelona am 24. März 1927 durch das Orquestra Pau Casals stattfand.

Kodály hat den Inhalt der Oper selbst knapp zusammengefasst:

„Jeder Ungare ist ein Träumer. Er flieht die traurige Realität der Jahrhunderte und taucht in eine Welt der Illusion ein. Háry János' Aufschneiderei ist mehr als ein Traum, es ist auch Poesie … [Er] ist ein primitiver Dichter, und das, was er zu sagen hat, konzentriert sich auf einen Helden: sich selbst. Nachdem wir den Heldentaten gelauscht haben, die er erfunden hat, ist es tragisch symbolisch, dass wir ihn in einem armseligen Dorfcafé begegnen. Er scheint glücklich in seiner Armut – ein König im Reich seiner Träume."

Auch dieses zweite Kodály-Album ist ein Schuss ins Schwarze, denn es handelt sich um Aufführungen, die durch einen Ring gehen, und die Aufnahme ist ausgezeichnet. Vielleicht gibt es noch mehr von Naxos aus Buffalo in Aussicht, obwohl sich dies zweifellos auf die Werke für (Solisten), Chor und Orchester beschränken wird, denn mehr Orchesterwerke hat Kodály meines Wissens nicht auf seinem Namen gebracht. Es gibt allerdings noch eine Theaterouvertüre (1931).

Details

Wer
Buffalo Philharmonic Orchestra o.l.v. JoAn Falletta
Bildnachweis
Naxos 8.574556
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