Zum Inhalt springen
Dit is een volledig nieuwe website, vond u een bug, stuur ons een email op bestuur@klassiek-centraal.be
Automatisch übersetzt · Original
Rezensionen

Bach in einer vollen Kathedrale – zwischen Konzert und Liturgie

D
· 6 Min. Lesezeit
Diesen Artikel teilen
Bach in einer vollen Kathedrale – zwischen Konzert und Liturgie
© KC

Zum fünften Mal organisierte die Kathedrale einen alternativen Karfreitagsgottesdienst. Nach dem Vorbild von Easter at King's versucht man, das Publikum auf andere Weise in die Liturgie der Karwoche einzubeziehen. Das macht dies gleichzeitig auch zu einer besonderen Rezension. Über Bachs Johannespassion ist bereits viel geschrieben worden, ebenso wie über Liturgie – ganz zu schweigen von der Kombination beider. Darüber hinaus war diese Semi-Liturgie frei zugänglich, was jede kritische Anmerkung gegenüber dem lobenswerten Engagement der Kirche und der Musiker etwas überflüssig macht. Dennoch wage ich einen Versuch.

Bach vermisst (manchmal) Leidenschaft

Der ausgezeichnete Chor Helicon hatte einen zögerlichen Start. Der imposante Eingangschor klang etwas unsicher und die Soprane wirkten müde. Auch der Evangelist, normalerweise so durchdrungen vorgetragen von Jan, schien noch einen Moment in den Startlöchern zu verharren. Ehrlich gesagt: Die Akustik der Kathedrale spielt bei Bach nicht mit. In einer fünfschiffigen Kirche zu singen ist bereits schwierig, ganz zu schweigen von einem siebenärmigen Raum, in dem sich der Klang in alle Richtungen ausbreitet. Um diese Wirkung zu überprüfen, habe ich bewusst an verschiedenen Orten zugehört. Das Orchester La Passione aus Lier schaffte es normalerweise, sonor bis nach hinten zu klingen und erfüllte seine Begleitrolle angemessen und oft treffend.

Die Solisten waren mir großteils unbekannt. Sie sind offenbar hauptsächlich in Oper und Oratorium aktiv, ohne ausgesprochene Spezialisierung auf Barockmusik – und das war zu hören. Der Bass (Zadow) und der Tenor (Delaere) erreichten mühelos den hinteren Teil der Kathedrale. Delaere brachte unter anderem ein überzeugtes Arioso Mein Herz, während der Bass schön arbeitete, um Mein teurer Heiland zusammen mit dem Chor bis nach hinten zu tragen. Die Sopranistin (De Gendt) fiel durch ihre leichte und besonders schnelle Interpretation von Ich folge dir gleichfalls auf. So schnell sogar, dass das Orchester buchstäblich zu tun schien, was der Text besagt: „ich folge dich gleichfalls". Es folgte ihr auf den Fersen, fast spielerisch, wodurch Text und Musik hier auf eine auffallend treffende – und fast ironische – Weise zusammenfielen.

Die Alt (Staroselska), mit einer schönen Tiefe, verlor etwas an Tragfähigkeit in Es ist vollbracht, ebenso wie das Cello, das mit ihr dialogierte. Dabei ist genau diese Arie inhaltlich entscheidend: Resignation und Vollendung, aber auch Spannung. Diese Mehrdimensionalität kam in diesem Raum weniger zur Geltung. Christus (Dekeyser) gab seiner Rolle einen sonoren und überzeugenden Ausdruck. Auch die kleineren Rollen – Petrus, die Magd und andere – wurden stark und sorgfältig dargestellt. Der Evangelist bleibt die tragende Kraft. Jan erzählt nicht nur, er färbt. Seine Interpretation von Petrus' Weinen ist ein treffendes Beispiel dafür. Leider ging viel von dieser Subtilität im Raum verloren. Was vorne zweifellos ergreifend klang, erreichte hinten nur fragmentarisch.

Dort, wo Bach wirklich ankommt

Els Vrints dirigierte in dieser Konstellation – wie zu Anfang erwähnt – zum ersten Mal. Sie tat dies engagiert, mit einem klaren und straffen Schlag, was für verschiedene starke Momente sorgte. Helicon kam besonders in den Chorälen vollständig zur Geltung. Von Anfang bis Ende – und besonders in In meines Herzens Grunde – klang der Chor getragen, voll und überzeugend. Genau da schien die Akustik plötzlich ein Verbündeter zu sein. Auch in den Turbachören gab es schöne Momente. In der Arie Eilt, in der der Chor „Wohin?" singt, klang das gleichzeitig fragend und richtungsweisend – als ob die Frage bereits die Antwort in sich trüge. Der Schlusschor Ruht wohl, während das Straßengeräusch sanft hereingesickert war, gefolgt vom letzten Choral in ausbleichendem Licht, war besonders gelungen. Für mich war es der erste Moment, in dem ich wirklich das Gefühl hatte, in der Atmosphäre der Passion zu sitzen.

Eine suchende Form

Der Pfarrer gab zu Beginn eine kurze Einleitung, sowohl mit einer praktischen Aufforderung zur Unterstützung als auch mit der Bitte, den Karfreitag in Stille zu erleben – also ohne Applaus. Die liturgische Gestaltung blieb begrenzt. Der Bischof nahm einen zentralen Platz ein und gab zwischen beiden Teilen eine Erläuterung zu „es ist vollendet". Das ist an sich keine komplexe theologische Gedanke, aber eine Idee, die heute weniger selbstverständlich ist: Es ist vollendet – ich nehme deine Schuld auf meine Schultern, ich sterbe für dich. Der Bischof übertrug das dann in die Sprache des Alltags, mit dem Bild einer Person, die deine Rechnung bezahlt, wenn du deinen Geldbeutel vergessen hast. Eine einfache, erkennbare Übersetzung, die den Kern wieder näher brachte.

Es ist klar, dass man mit dieser Formel auch Menschen erreichen möchte, die sonst nicht in die Kirche gehen würden. Angesichts der vollen Kathedrale scheint das gelungen zu sein. Dennoch bleibe ich mit einigen Bedenken. Die Passion dauert lange – mehr als zwei Stunden – und das war für manche zu viel. Außerdem frage ich mich, ob Bach in diesem Kontext und Raum optimal zur Geltung kommt. Als Liebhaber des Passionsrepertoires – von De Rore über Schütz und Bach bis McMillan – weiß ich, wie kraftvoll diese Musik sein kann. Aber an diesem Abend glitt die Geschichte manchmal vorbei, ohne wirklich zu ergreifen.

Vielleicht ist ein anderes Werk für diesen Raum geeigneter. Oder vielleicht muss die Form überdacht werden: kürzer, selektiver oder mit mehr Beteiligung des Publikums. In Deutschland singen Anwesende oft die Choräle mit – ein Element, das hier fehlte. Außerdem vermisste ich den Reichtum der traditionellen Karfreitagsliturgie mit ihrer Symbolik und ihren Ritualen. Trotz einiger starker Momente – wie das Aufstehen nach dem Tod Christi – blieb das Ganze irgendwo zwischen Konzert und Liturgie hängen. Die Bemerkung eines Besuchers beim Eingang, „das ist ein Konzertsaal", blieb dadurch dennoch nachhallend.

Fazit

Eine lobenswerte Initiative, ohne Zweifel. Die Kombination aus Musik, Wort und Gebet bleibt kraftvoll und relevant. Aber vielleicht drückt dort gerade etwas Wesentliches: nicht weil Fragen offen bleiben – das gehört zur Passion – sondern weil die Kernfragen nicht wirklich durchdringen. Weil ich das Gefühl hatte, eher Zuschauer als Teilnehmer zu sein, blieb ich irgendwie außerhalb der Geschichte stehen. Und genau deshalb verließ ich nicht ganz erfüllt das Gebäude. Beim Hinausgehen wich die Stille dem Lärm der Straße. Für viele war es ein guter Freitag. Aber nicht für alle ein Guter Freitag. Und vielleicht ist das auch „gut".

Details

Wer
Helicon, Jolien De Gendt, Anastasiia Staroselska, Denzil Delaere, Matthew Zadow, Charles Dekeyser, Jan Van Elsacker, La Passione , Els Vrints
Wo
Onze-Lieve-Vrouwekathedraal, Antwerpen
Gesehen am
3 April 2026
Bildnachweis
KC
Diesen Artikel teilen
DE