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Klassik Zentral

Music Chapel Festival 2025 – wo die Stimme geboren wird – Oleg Volkov

Es gibt Momente, in denen Musik nicht erklingt, sondern geboren wird. Ein Atem, der sich langsam mit Worten füllt, eine Stille, die plötzlich spricht. Dort beginnt die Begegnung von Klassiek Centraal anlässlich des Music Chapel Festivals in Flagey mit einer Stimme wie der von Oleg Volkov.

Es gibt Stimmen, die man hört, und Stimmen, denen man begegnet. Oleg Volkov gehört zu dieser zweiten Kategorie: kein zufälliges Erscheinen, sondern eine Präsenz, die sich langsam ins Ohr setzt wie ein Gesprächspartner, der nicht nur singt, sondern auch antwortet. Seine Worte atmen etwas vom Heimatlosen und zugleich vom Heimgekehrten, ein Echo der Polyphonien des russischen Südens, eine Jugend durchwoben mit Musik und Tradition, ein Geist geformt in den stillen Laboratorien der Linguistik. Nun, in Brüssel, wird seine Stimme zum Instrument, zur Frage, zum Horizont.

Eine Berufung, die gewählt wird und wählt

Seine Liebe zur Sprache und Kommunikation ist kein Zufall. Mit einem Master in Linguistik und Übersetzung hat er gelernt, den Schichten hinter Worten zuzuhören. "Alles beginnt mit Kommunikation", wiederholt er. "In der Musik, wie in der Sprache, gibt es immer eine Botschaft, die jemanden erreichen muss. Meine Aufgabe ist es, zu entdecken, was meine Figur trägt, und die Schlüssel zu finden, damit das Publikum sie empfangen kann." Er selbst beschreibt dies als ein mysteriöses Zusammenspiel: nicht nur wählt er seinen Weg, sondern die Umgebung wählt auch ihn; die Stimme, das Kunstwerk, das Publikum – alles trägt ihn an seinen natürlichen Platz. Oper und Konzert, Experiment und Tradition: er bewohnt sie alle, erst als Mitglied des "Jeune Ensemble" der Opéra national du Rhin, nun eine Stimme, die sich weiter entfaltet.

Der Sänger als Übersetzer der Seele

Was ihn antreibt, beginnt immer mit Sprache. "Für mich beginnt alles mit Kommunikation." Korrekte Aussprache ist nur der Boden; es geht um das Durchdringen psychologischer Schichten, kultureller Nuancen, emotionaler Resonanz. Musik ist für Volkov keine Kulisse: sie ist ein Gespräch mit jemandem, der vielleicht sucht, vielleicht Trost will, vielleicht nur nach Klarheit verlangt. "Als Übersetzer übersetzen wir eigentlich nicht: wir interpretieren." So erklärt er, wie seine Übersetzungs- und Interpretationsarbeit den Kern seiner künstlerischen Philosophie bildet: Musik ist Austausch, eine Berührung der Seele, keine passive Reproduktion.

Jeder Text – Hofmannsthal, Maeterlinck, Mahler – trägt einen Atem, der nicht nur gehört, sondern gefühlt werden muss. Schon früh erlebte er die Kraft der Musik bei seiner Arbeit als Dolmetscher bei den Olympischen Spielen in Sotschi 2014. "Menschen ermutigten mich, als ob sie etwas hörten, das ich selbst noch nicht kannte", erzählt er. "Es ist, als würde das Publikum manchmal deinen Weg wählen, dich rufen, dich einladen zu singen, um \"Sterne zu entzünden\" wie Majakowski sagt."

Nach Hause in der Opéra du Rhin

Wenn er vom "Jeune Ensemble" der Opéra national du Rhin spricht, wird seine Stimme sanfter. "Die Opéra national du Rhin wird für mich immer meine Alma Mater bleiben." Dort entdeckte er Freiheit als ein Geschenk, das man nie wieder loslässt: die Freiheit zu versuchen, zu scheitern, zu erforschen. Grenzen verschieben, vokal und dramatisch; Experimente neben klassischen Traditionen.

"Dieser Ort bot mir viel mehr als einen Arbeitsraum: er gab mir Freunde, Leitfiguren, Lebenspartner. Ich bin besonders dankbar für das Vertrauen und die Unterstützung von Alain Perroux, Claude Cortese und Sandrine Abello. Sie sind meine Menschen", sagt er. "Die, die ihren eigenen Weg gehen, erschaffen, teilen und Licht in das Leben anderer bringen." Tradition ist kein Mausoleum. Tradition atmet. Die tiefe Gesangstradition Südrusslands, die Polyphonien der Kosakkenkultur: Wurzeln, die ihn tragen, Atem, der ihn formt. "Die Gesangstradition ist vor allem eine mündliche Tradition, direkt von einem Sänger zum anderen weitergegeben", erklärt er. Keine Schrift, keine Doktrin, sondern Zuhören. Nicht nachahmen, sondern fühlen.

In Europa fügt er neue Klangwelten hinzu, Rhythmen des Sprechens, Arten des Schweigens. "Jede Kultur hat ihren eigenen Atem, ihre eigenen Spannungen, ihre eigene Sprache von Farben und Schmerz", sagt er. Diese Mischung macht seine Stimme einzigartig: ein Echo der Ferne, verwoben mit dem Nahen, ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

Die Musikkapelle: Werkstatt des inneren Wachstums

In Waterloo, in der Musikkapelle Königin Elisabeth, findet Volkov eine andere Form der Heimkehr: eine Werkstatt des inneren Wachstums, einen Ort, wo man dich nicht führt, sondern enthüllt. "Hier treffe ich Menschen, die mich tief inspirieren", sagt er, während seine Augen bei den Namen von José van Dam, Sophie Koch, Stéphane Degout, Olivier Reboul, Kira Parfeevets, Sophie Reynaud, Marie Dachary, Julie Deilbart, Lionel Bams, Thomas Hampson, Sabine Devieilhe aufleuchten.

"Es ist ein Ort, wo du in deinem eigenen Rhythmus wächst, aber nie allein. Niemand sagt: 'Mach es so.' Sondern: 'Verstehe, warum es in dir resonieren muss.'" Anleitung, Bühnenerfahrung, Beobachtung: sie verschmelzen zu einer Zirkulation des Vertrauens. "Es ist eine Umgebung, in der Vertrauen von selbst zirkuliert – und in einem solchen Klima überraschst du dich selbst, indem du weiter gehst als du dachtest."

Die drei Bewegungen einer Rolle

Eine neue Rolle zu erarbeiten ist ein Ritual. Zuerst Sektion: Phonetik als Mikroskop, Rhythmus als Rückgrat. Dann Archäologie: Jahrhunderte, Bräuche, politische Kontexte, die unter der Partitur glimmen. Schließlich das lebende Labor der Proben. "Das ist genau, wo das echte Gleichgewicht zwischen Musik, Text und Theater entsteht", sagt er. Hier fließen die Ideen von Dirigent, Regisseur, Komponist, Librettist und Sänger zu einem Atem zusammen. "Proben sind reine Kommunikation", lächelt er. Seine technische Philosophie ist einfach: "Damit die Stimme frei sein kann, muss der Körper stabil sein." Schlaf, Bewegung, Atmen, Ernährung, mentales Gleichgewicht. "Ich nutze die Schwerkraft als Stützpunkt. Sie ist eine konstante, zuverlässige Kraft, die nie enttäuscht", erklärt er lachend. Seine Disziplin ist nicht streng, sondern natürlich: ein Atem, der mit der Stimme selbst resoniert.

Mahler: wo Musik das Leben ist

Am 6. Dezember betritt er das Universum von Mahler, eine Welt, die viele ihr ganzes Leben lang nicht betreten. "Was mich in 'In diesem Wetter' rührt, wie in all seiner Musik, ist diese Schönheit einer seltenen Intensität. Bei Mahler imitiert Musik das Leben nicht – sie ist das Leben. Es ist ein Moment, wo alles zusammenkommt: Technik, Emotion, Text, Atem", sagt er. Er bewahrt das subtile Gleichgewicht zwischen Beteiligung und Distanz. "Wir sehen uns am 6. Dezember in Flagey", lächelt er.

Zurückkehren als Wachsen

"Alle Rollen, die ich bereits gesungen habe, würde ich gerne wieder singen." Repertoire ist keine Liste, sondern ein Lebenszyklus: Rückkehr vertieft, Wiederaufnahme offenbart neue Facetten desselben mysteriösen Wesens, das eine Rolle ist. "Zu einer Rolle zurückzukehren ist wie alte Freunde zu treffen: vertraut, aber bereichert durch Erfahrung, Stimmenhentwicklung, persönliches Wachstum", sagt er. Zeitgenössisches Repertoire bietet Herausforderung und Chance: "Einige Werke fordern mich immer wieder heraus – und die Zeit ist immer zu kurz, um überall einzutauchen."

Der Sänger, der die Worte neu erfindet

Oleg Volkov singt nicht nur, er übersetzt – nicht von Sprache zu Sprache, sondern von Mensch zu Mensch. Seine Kombination aus Intellekt, Emotion und physischer Beherrschung macht jeden Auftritt zu einer sorgfältig durchdachten, lebendigen Interpretation. Sein Credo ist unverrückbar in ihm verankert:

Singen ist nicht Wiederholen.
Singen ist Entdecken.
Singen ist, die Worte in dem Moment neu zu erfinden, in dem sie entstehen.

Sein Ideal? Singen, als würde er an Ort und Stelle die Sprache selbst erfinden — Worte, die in eben diesem Moment geboren werden. Und so kehrt der Atem einer Stimme zurück zur Stille ihres Ursprungs, und man spürt zwischen den Stille, dass diese Stimme gerade erst angefangen hat zu sprechen.

Samstag, 6. Dezember, 20.15 Uhr, in „In diesem Wetter" aus den „Kindertotenlieder" von Gustav Mahler (1860-1911) mit Brüsseler Philharmoniker unter der Leitung von Kazushi Ono.
Siehe auch https://klassiek-centraal.be/music-chapel-festival-2025-de-vier-elementen-in-klank-en-geest/

Detalhes:

Título:

  • Music Chapel Festival 2025 - wo die Stimme geboren wird – Oleg Volkov

Künstler:

  • Oleg Volkov

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