Im Rahmen einer Gedenkveranstaltung anlässlich des Todes des Komponisten Luc Brewaeys präsentierte Opera Ballet Vlaanderen ein bemerkenswertes Konzert. Es kombinierte zwei Werke, die ein tiefes Gefühl von Verlust und Verlassenheit ausdrücken und die – wie sich bei der Live-Erfahrung zeigte – außergewöhnlich gut zusammenpassen und sich sogar in emotionaler Intensität gegenseitig verstärken.
L'uomo dal fiore in bocca, Luc Brewaeys
Im Werk von Luc Brewaeys (1959-2015) kommt man nicht um die sehr versierte Anwendung der Spektraltechnik herum, die in der Partitur von L'uomo dal fiore in bocca eine ideale Methode ist, um die Mehrdeutigkeit zwischen Realität und Illusion darzustellen. Luc Brewaeys spezifiziert diese Mehrdeutigkeit eher als einen "Gegensatz zwischen Drama und Ironie" (Opéra Magazine 2007). Die Oper hatte ihre Uraufführung im Februar 2007 in der Münchner Staatsoper als Auftragswerk von Bernard Foccroule und wurde damals von Patrick Davin geleitet, der ebenfalls viel zu früh verstarb (1962-2020). Die konzertante Aufführung durch das Sinfonieorchester von Opera Ballet Vlaanderen wurde von Sora Elisabeth Lee geleitet, die die äußerst schwierigen Akkorde und gewagten Harmonien hervorragend beherrschte und das Orchester deutlich zu höchster Präzision motivierte. Bereits die Orchesterpartitur sorgte für ergreifende Momente und Spannung (die auffällig wiederholten Noten in der Harfe, die rhythmischen Effekte in Schlagwerk und Blechbläsern).
Davide Damiani (der auch die Uraufführung in der Münchner Staatsoper sang) und Thomas Blondelle vertieften sich mit ganzer Kraft in das grausame und zynische Stück über den Mann, der seinen Zug verpasst hat und ein Gespräch mit einem Passanten führt, dem er von seinem unheilbaren Mundkrebs erzählt. Die Tuba fungiert als dritte Protagonistin und bietet gewissermaßen eine kontinuierliche Betrachtung über den Sinn des Lebens. Eine seltene Solorolle für dieses Instrument, glänzend verkörpert von Frank Vantroyen. Drei Frauenstimmen singen zu Texten von Tasso weibliche poetische Vertiefung des Geschehens, ruhig und himmlisch gesungen von Mitgliedern des Chors und des jungen Ensembles von Opera Ballet Vlaanderen.
La Voix humaine, Francis Poulenc
Der konzertanten Oper vorangegangen wurde eine sublime Aufführung von La Voix humaine von Francis Poulenc. Die für diese Art von Werken unübertroffene französische Sopranistin Véronique Gens schlüpfte in die Haut und Seele der "menschlichen Stimme", die etwa 45 Minuten lang ihre Verzweiflung und Verlassenheit hinaussingt. Was für eine überzeugende Interpretation! Durch ihre Textinterpretation, gleichzeitig nüchtern und mit äußerster Expressivität, fieberte man mit der Angst, Unsicherheit und dem Schmerz der Frau mit. Auch in diesem Werk unterstrich das Orchester mit den richtigen Nuancen die emotionale Kraft des Werkes.
Ein Konzert von ungewöhnlich starker Intensität. Eine wunderbare Hommage an ein verlorenes, aber nicht vergessenes Talent.






