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Klassik Zentral

“Wenn du Mozart wirklich ernst nimmst, musst du auch damit spielen können”

Mozart im Westflämischen, so steht es in Großbuchstaben auf der Rückseite ihrer brandneuen CD. Zwei Jahre nach Komm, verwirrte mich!, ihrer bemerkenswerten Zusammenarbeit zu einer Auswahl von Liedern von Franz Schubert, schlagen Pianist Nicolas Callot und Wannes Cappelle, Frontman von Het Zesde Metaal, erneut die Hände zusammen. "Man merkt sehr deutlich, dass wir in allen Bereichen einen Schritt weiter sind. Die Art und Weise, wie wir uns in die Materie vertieft haben und damit umgegangen sind, war diesmal freier."

Beim Abschlusskonzert des Festival van Vlaanderen Kortrijk im Februar 2019 war es noch ein gewagter Sprung ins Ungewisse: klassische Liedkunst, aber mit westflämischem Akzent – was würde das ergeben? Heute denken Pianist Nicolas Callot und Sänger Wannes Cappelle bereits an ein nächstes Projekt. "Es macht einfach zu viel Spaß. Ich wüsste nicht, warum wir damit aufhören sollten", sagt der Frontman von Het Zesde Metaal am Ende unseres Interviews. Nach Komm, verwirrte mich!, eine Aufnahme mit Werken des Liedkomponisten par excellence Franz Schubert (1797–1828), tauchten beide Herren nun in das Oeuvre von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) ein. Niedergeschlagen nebenan liefert erneut ein Dutzend umgearbeitete Nummern und beträchtliche sprachliche Virtuosität, wie das Publikum Ende Oktober bei Jeder klassisch in Brügge in der Premiere entdecken konnte. Es war der Vorläufer einer Tournee, die am 9. Dezember im Kultuurcentrum Everberg startet und deren Spieltermine Sie am Ende dieses Textes finden. Das Gespräch mit Callot und Cappelle findet auf der obersten Etage des KBC Arteveldetoren statt, ein fünfundzwanzigstöckiges Gebäude, das jeder nicht übersehen kann, der Gent über die E40 passiert. Hier im Auditorium werden die neuen Mozart-Lieder später den Kunden der Bank präsentiert. Aber bevor es soweit ist, beantworten beide Musiker mit großer Freude eine Reihe von Fragen, und zwar im Allgemeinen Niederländisch.

Als ihr 2019 zusammen dieses Abenteuer begannet, musstest du, Wannes, demütig zugeben, dass du nichts über klassische Musik wusstest. Was hast du seitdem alles über diese Musik gelernt; siehst du jetzt vielleicht anders auf Klassik?

Wannes Cappelle: Was ich über klassische Musik wusste, stammte eigentlich aus der Musikschule. Ich habe bis zu meinem sechzehnten Jahr Klavier gespielt. So kannte ich zum Beispiel Ständchund von Schubert, aber ich wusste nicht, dass dazu auch ein Text gehörte (kichert). Klassische Musik stand für mich immer irgendwie auf einem Podest, aber seit der Zusammenarbeit mit Nicolas ist diese Welt viel näher an meinem eigenen Hintergrund in der Popmusik gerückt. Ich kann jetzt ein Mozart-Lied nehmen und selbst herausfinden, mit welchen Akkorden ich diese Musik auch auf einer Gitarre spielen kann, was das Genre verständlicher und in gewisser Weise auch menschlicher macht. Und gleichzeitig sieht man dann auch besser sein Genie. Es ist auch sehr schön, wenn eine Partitur, die im Grunde ein totes Ding ist, wieder zum Leben erweckt wird. Man erschafft etwas neu und das, was man auf diese Weise tut, ist so persönlich und an den Moment gebunden, in dem man die Musik spielt.

Ich musste enorm hart arbeiten, um alle diese klassischen Lieder auf einem anständigen Niveau singen zu können. Manche Noten und Klänge sind wirklich hoch angesetzt, und ich muss natürlich schauen, dass ich damit zurechtkomme. Ich habe eigentlich zum ersten Mal bemerkt, dass Wiederholung der Schlüssel ist, bis die Note so herauskommt, wie sie sein soll. Ich habe viel diszipliniertere Stimmübungen begonnen, obwohl ich schon zwanzig Jahre lang singe. Es ist, als würde ich die Dinge jetzt erst lernen, und das ist eine sehr schöne Vorstellung. Es gibt also noch Platz für Verbesserungen, auch mit dreiundvierzig.

Nach Schubert richtet ihr nun alle Scheinwerfer auf Wolfgang Amadeus Mozart, zweifellos ein noch bekannteren Komponisten, allerdings nicht in erster Linie für seine Liedkunst, sondern für seine überaus beliebten Opern. Wie ist die Wahl der Musik diesmal erfolgt; welche Überlegungen haben dies bestimmt?

Nicolas Callot: Bei der Musikauswahl habe ich natürlich einen Vorschlag gemacht, aber letztendlich wurde in Absprache entschieden, was wir aufnehmen würden. Ich habe eine Auswahl aus den begrenzten Liedern von Mozart gemacht, die es gibt. Auch die Anzahl der Arien war begrenzt, denn es gibt nicht so viele, die zu Wannes' Stimmtyp passen. Ich bin auf der Suche nach intimeren Momenten gewesen, wie zum Beispiel Deh, viundi alla finestra zum Beispiel, das Liebeslied aus der Oper Don Giovanni. Ich habe mich also mehr auf das Vokale und Musikalische konzentriert, worauf Wannes mit den Texten begann zu arbeiten und angab, womit er wirklich etwas anfangen konnte. Auf diese Weise haben wir auch ein paar Stücke fallen gelassen. Es ist durchaus möglich, dass das Repertoire während der Tournee wieder erweitert wird, wie das auch bei Schubert der Fall war.

Bei Mozart war der Auswahlprozess etwas schwieriger, weil er im Gegensatz zu Schubert nicht mit diesen großen Dichtern zusammengearbeitet hat. Es gibt zwar einen Text von Goethe, aber das andere Material ist etwas obskurer und von geringerer Tiefgründigkeit. Und doch wurden diese Texte von Mozart aus einem bestimmten Grund ausgewählt. Es ist schön und bereichernd herauszufinden, was diese Gründe genau waren. Es stellt sich heraus, dass die Texte oft einen doppelten Boden und etwas sehr Ironisches haben. Diese illustrieren nicht immer die Musik und umgekehrt auch nicht, was bei Schubert ganz anders ist. Genau diese Dualität macht Mozart interessant und zugleich fantastisch zu entdecken. Das machte es anfangs manchmal auch schwieriger, alles musikalisch auf die Beine zu stellen.

Gibt es eine bestimmte Arie oder ein Lied, das unbedingt auf die CD gehörte?

Nicolas Callot: "Die Texte, die Mozart vertonte, haben oft einen doppelten Boden und etwas sehr Ironisches. Genau diese Dualität ist interessant und zugleich fantastisch zu entdecken."

Callot: Das finde ich eine schwierige Frage. Weißt du, wenn du dir auf {{NOTRANSLATE_1}} die Zahlen der {{NOTRANSLATE_2}} ansiehst, welche Songs am meisten gehört werden, fällt auf, dass das erste Lied auf einer CD in der Regel am meisten gehört wird und das letzte am wenigsten. Man überlegt sich also gut, welches Lied man als erstes auf die CD setzt. In unserem Fall ist das "Komm, liebe Zither", bei dem man hofft, dass es die Leute überzeigt, weiterzuhören, auch wenn es nicht unbedingt unser bestes Lied ist. Und das finde ich wichtig: dass die CD ein Ganzes ist und ein zusammenhängendes Hörerlebnis bietet. Es ist in diesem Gesamterlebnis, dass sich der Hörer vertiefen muss, von Anfang bis Ende, auch wenn vielleicht ein Lied sein eigenes Leben führt, weil es beliebter ist als alle anderen. Es gibt Alben, die du nur von vorne bis hinten anhören kannst, ohne zu shuffeln oder sonst etwas. Nur auf diese Weise folgst du dem Spannungsbogen, den der Künstler aufbaut. {{NOTRANSLATE_2}} Cappelle: Ein Lied für das Radio auszuwählen war tatsächlich eine Herausforderung. Vom Text her fand ich "Wiegenlied" zum Beispiel sehr nah an dem, was ich selbst als Text schreiben würde. Und auch "Abendempfindung" fand ich einen großartigen Text zum Übersetzen. Aber ich finde es wie Nicolas schwierig zu wählen. Denn "Lied zur Gesellenreise" finde ich auch sehr schön ("lacht"). Lass uns es also letztendlich dabei belassen, das letzte Lied auf der CD.

Das Konzept von {{NOTRANSLATE_3}} ist natürlich vergleichbar mit {{NOTRANSLATE_4}}, eurer erfolgreicher Aufnahme von Schubert-Liedern, wobei der Komponist natürlich unterschiedlich ist. Gibt es neben dem Komponisten noch andere inhaltliche oder formale Unterschiede zwischen beiden Aufnahmeprojekten? Callot: Ich glaube nicht, nein. Es gibt eigentlich viele Parallelen zwischen beiden Projekten zu ziehen. Zunächst ist es eine Fortsetzung. Das siehst du auch sofort am Design der CD, denn für die Grafik sind wir wieder mit beispielsweise sehr nah dran liegen an dem, was ich selbst als Text schreiben würde. Und auch AbundBrussels Airlinesmpfindung fand ich einen großartigen Text zum Übersetzen. Aber ich finde es wie Nicolas schwierig zu wählen. Denn Lied zur Gesellundreise finde ich auch sehr schön (lacht). Lassen wir es also letztendlich bei AbundBrussels Airlinesmpfindung halten, das letzte Stück auf der CD.

Das Konzept von Niedergeschlagen nebenan ist natürlich vergleichbar mit Komm, verwirrte mich!, eurer erfolgreiche Aufnahme von Schubert-Liedern, wobei der Komponist natürlich unterschiedlich ist. Gibt es neben dem Komponisten, inhaltlich oder formal, noch andere Unterschiede zwischen den beiden Aufnahmeprojekten?

Callot: Ich denke nicht, nein. Es gibt eigentlich viele Parallelen zwischen beiden Projekten zu ziehen. Zunächst ist es eine Fortsetzung. Das siehst du auch sofort am Design der CD, denn für das Artwork sind wir wieder mit Sammy Slabbinck zusammengegangen, der ein witziges Cover gemacht hat. Gleichzeitig ist es auch eine Weiterentwicklung: Du merkst sehr deutlich, dass wir auf allen Ebenen einen Schritt weiter sind. Die Art und Weise, wie wir uns diesmal in die Materie vertieft haben, war freier. Nicht, dass wir völlig locker mit den Dingen umgegangen sind, aber durch das Graben und Erforschen gibst du dir selbst mehr Spielraum. Mozart ist auch ein anderer Zeitgeist als Schubert und sorgt auch für einen anderen Zugang, etwas, das Wannes fantastisch aufgreifen konnte. Durch das Tun hat er wieder Halt gefunden und sich die Musik zu eigen gemacht. Auch wenn Schubert ihm vielleicht näher liegt, weiß er Mozart trotzdem sehr überzeugend zu bringen.

Der Aufnahmeort ist unterschiedlich. Die erste CD entstand in Zusammenarbeit mit DE SINGEL und wir haben deshalb im Blauen Saal aufgenommen. Das ist so ein heiliger Tempel, von dem man denkt, dass alles gut klingt. Ich habe dort als Musiker und als Aufnahmeleiter schon oft gearbeitet, und trotzdem war es für unsere Schubert nicht so selbstverständlich, weil wir das Kleine und Intime bewahren wollten. Aber im Blauen Saal war das einfach sehr schwierig. Dieses Mal sind wir also einfach an einen Ort gezogen, wo wir Ruhe hatten und tun konnten, was wir wollten, und das war der Betty Braem-Saal der !Kunsthumanora. Diese Schule bezieht ein Schlösschen gleich außerhalb von Antwerpen, in Berchem, und hat dort einen modernen und schalldichten Saal angebaut. Wir suchten nach einem Mittelweg zwischen der klassischen Musik, die von einem Raum und ihrer natürlichen Akustik lebt, und der Popwelt, wo man in das Studio kriecht und alles einzeln aufnimmt und wenn nötig modifiziert. Der Saal war ideal, um diese zwei Welten zusammenkommen zu lassen. Um auf der einen Seite die Direktheit von Wannes Stimme zu haben und die Texte so verständlich wie möglich zu machen, und auf der anderen Seite auch das Klavier gut klingen zu lassen.

Welches Pianoforte hören wir eigentlich auf der neuen CD, Nicolas?

Callot: Mit dem Instrument befinden wir uns in Wien in einem Übergangsstadium. Das Pianoforte, auf dem wir die Schubert-Lieder aufgenommen haben, war für Schubert viel zu früh, und jetzt für Mozart viel zu spät. Es ist eine Kopie von Jan Van den Hemel, aber ursprünglich in Süddeutschland gebaut von Jacob Pfister (1770-1838). Der war zehn Jahre lang ein Schüler von Anton Walter (1752-1826), dem großen Pianoliefer von Mozart. Die Verbindung mit dem Komponisten ist also sehr ausgeprägt. Es ist fast eine Kopie des Pianofortes, auf dem Mozart spielte.

Das Pianoforte ist also dasselbe wie bei unserer Schubert-Aufnahme, aber der Dirigent war anders: Steve Dugardin hat uns dabei geholfen, ein talentierter Countertenor, der auch Gesangscoach von Wannes ist. Ich habe die Aufnahme selbst gemacht und geschnitten. Es ist schön, diese Aspekte in den eigenen Händen zu haben, besonders wenn man wirklich genau weiß, was man will und wie etwas klingen soll.

"Ich habe mir die Texte zu eigen gemacht, bin aber nicht meine eigene Geschichte daraus gemacht. Ich bin dem Inhalt treu geblieben und auch der Partitur. Auch wenn dort etwas stand, das nicht sofort in mein Stimmregister passte, bin ich die Herausforderung eingegangen", so klang es im Herbst 2020 in der Pressemitteilung über Komm, verwirrte mich!. Bist du bei diesem wichtigen Ausgangspunkt geblieben, Wannes, denn eine Arie ist ja oft eine ganz andere Sache als ein Lied, oder wie hast du die Übersetzung der Texte ins Westflämische dieses Mal erlebt?

Cappelle: Ich denke, ich bin auf verschiedene Weise vielleicht etwas freier mit dem Ausgangsmaterial umgegangen. Bei Das Lied Brussels Airlinesr Trundnung zum Beispiel hatte ich bei dem Originaltext das Gefühl, dass es ziemlich viel gleich blieb, und das über viele Strophen hinweg. Also musste man das ganze Lied bringen, und es wird eine traurige Angelegenheit, während ich das Gefühl hatte, dass die Musik eine wirklich schöne Geschichte und einen schönen Verlauf hat. Also bin ich damit etwas freier umgegangen. Indem ich zuerst und vor allem entschieden habe, welche Strophen ich verwende und welche nicht, und meine eigene Botschaft und auch etwas Zorn darin gesteckt habe. Das ganze Album war eigentlich eine Suche danach, wie ich jedes Lied so bringen kann, dass es sich anfühlt wie etwas, das ich erzählen will. Andererseits gab es auch kleine Dinge, wie das Hinzufügen oder Weglassen einer Verzierung, aber das war auch damals sehr üblich. Ich habe mich auch getraut, eine Note einen Takt früher oder später zu singen, weil die Übersetzung das erforderte.

Der Musikwissenschaftler Pieter Bergé hoffte damals in Der Standard dass Cappelle seine Suche fortsetzt; aber gerade mit weniger Aufmerksamkeit für die richtigen Noten und mehr für die eigene Interpretation der Lieder. ‚Er darf seinen persönlichen, narrativen Stil nicht gefährden, indem er Schubert zu treu bleibt', so klang es damals. Wie bist du mit diesem Rat umgegangen, Wannes?

Cappelle: Ich verstehe sicher, was Pieter Bergé hier sagen wollte. Wenn man die Schubert-Aufnahme mit der Musik vergleicht, wie wir sie beim letzten Konzert der Tournee spielten, war das eigentlich nicht mehr vergleichbar. Wenn du zum allerersten Mal eine klassische Aufnahme machst, ist es vielleicht normal, dass alles etwas brav und in den Grenzen bleibt, während ich jetzt wirklich spüre, dass ich schon mehr mit dem Material zu spielen wage. Die Verspieltheit, die in der Musik liegt, liegt auch zum Greifen nah. Man kann diese Mozart-Lieder nicht steif bringen. Selbst das, was ich bei einem Live-Auftritt zwischen den verschiedenen Liedern erzähle, ist viel verspielter als beim Schubert-Repertoire. Der Geist von Mozart verlangt danach, nötigt dich sozusagen dazu.

Callot: Wenn du in das Studio gehst, ist es normal, dass du ein fertiges Produkt ablieferst: die CD kann mit deiner Tournee mitgehen und die Menschen mögen gerne eine Erinnerung an etwas. Aber du merkst immer, nachdem du etwas so oft gespielt hast, dass es dann wirklich interessant wird und du wieder ins Studio willst, um die Platte noch einmal aufzunehmen. Aber diese Entwicklung in dem, was wir auf einer CD festhalten, wie du auf der Bühne stehst und etwas präsentierst und so weiter, ist eigentlich unmöglich. Ob du das am Anfang oder am Ende einer Tournee machst, dieser magische Moment und dieses Erlebnis bleiben immer etwas Einzigartiges. Wir sollten eigentlich viel mehr Live-Aufnahmen machen und nach der Tournee die zehn besten Nummern auswählen, verteilt über etwa dreißig Konzerte, und diese dann veröffentlichen. So etwas gibt eine ganz andere Dynamik.

Wannes Cappelle: "Ich bin viel disziplinierter mit Stimmübungen angefangen, obwohl ich schon zwanzig Jahre singe. Es ist, als würde ich die Dinge erst jetzt lernen."

Deiner Meinung nach, Nicolas, steckt dieses Mal mehr Tiefe in Wannes' Übersetzungen, mehr Schichten, und hat er sie zeitgemäßer und narrativer gemacht. Kannst du dafür ein oder mehrere Beispiele geben?

Callot: Willst du das tun, Wannes? Du hast da ein paar gute Beispiele.

Cappelle: In Callot: Ich glaube nicht, nein. Es gibt eigentlich viele Parallelen zwischen beiden Projekten zu ziehen. Zunächst ist es eine Fortsetzung. Das siehst du auch sofort am Design der CD, denn für die Grafik sind wir wieder mit wird erzählt, dass Vater und Sohn ein Geräusch im leeren Schloss hören, ein Wehklagen. Im Deutschen lautet der Text dann "Was für ein Ach mag dies sein?". Wenn man nicht dabei stehen bleibt, dann geht das einfach vorbei. Aber dann sah ich das Dienstmädchen vor mir, das in der Küche noch schnell erwischt wird, und so bekommen wir im Westflämischen "nen kermend' en kreunenden 'och'". Der Rest des Textes hat diese doppelte Schicht nicht. Es geht um ein ganz klassisches Wiegenlied, wo man plötzlich auf diese Passage trifft. Ich würde fast meinen, dass Mozart diese Zeile selbst geschrieben hat. Solche Dinge finde ich sehr schön zu finden und zu interpretieren.

Ein anderes Beispiel ist Deh, viundi alla finestra. Das ist so ein wunderschönes Liebeslied, wird aber dann in den Mund eines Schurken wie Don Giovanni gelegt und vor dem Fenster seiner Magd gesungen. Ich finde das sehr intensiv. Währenddessen schickt er seinen Diener, der sich als er selbst verkleidet hat, in die Küche, um seine Frau abzulenken, während er das Magd verführt. Genau in diesem Moment singt Don Giovanni eines der schönsten Lieder aus Mozarts gesamtem Repertoire, von dem man geradezu ergreift ist. Das Schöne daran ist, dass man von dieser Ironie in der Musik nichts bemerkt. Aber es steht in enormem Widerspruch zu der Geschichte dahinter. Ein etwas weniger begnadeter Erzähler hätte Geschichte und Musik wahrscheinlich nicht so geschickt voneinander getrennt.

Bei den Pfeiftönen durch Der Vogelfänger bin ich ja fragte ich mich: Neben dem Singen muss Wannes nun auch noch gut und tonsicher pfeifen können. Habt ihr dafür eigens einen Sample verwendet oder wurde auch das komplett live aufgenommen?

Callot: Bei einem Live-Auftritt versuche ich zu pfeifen, aber auf der CD hört man den Gesangscoach Steve Dugardin. Er schafft diese hohe Note perfekt. Wir haben es ein paar Mal aufgenommen und dann habe ich damit herumgebastelt. Es ist also kein Sample. Ursprünglich wird dieses Liedchen natürlich von einem Glockenspiel gespielt, aber das funktioniert auf meinem Pianoforte nicht.

Beide reimen sich wunderbar zusammen – Komm, verwirrte mich! und Niedergeschlagen nebenan – aber was ist die Geschichte hinter dem Titel der CD… Wo können wir diese ‚Erschöpfung' auf der Platte finden?

Cappelle: Für mich hat der Titel der CD eine doppelte Bedeutung. Zunächst kommt er wörtlich aus dem Lied An Chloé. Dieses Lied handelt von einem Mann, der nach der Tat erschöpft neben seiner Liebsten liegt: „und hier liege ich ermattet, aber so selig neben dir." Aber wenn man sich mit Mozart misst, dann fühlt man sich selbst auch besiegt. Diesen Nebenton fand ich auch reizvoll. Wenn man sich in dieses Werk stürzt – Mozart zur Hand nimmt, wie man hier und da lesen kann (lacht) – dann fühlt man sich extrem demütig.

Komm, verwirrte mich! fand großen Anklang, sogar in den Niederlanden zum Beispiel, wo man Westflämisch nicht unbedingt fließend spricht. Wie erklärt ihr euch, dass diese Sprache, dieser Dialekt, auch außerhalb der regionalen Grenzen das Publikum zu überzeugen weiß?

Cappelle: Musik ist in erster Linie Emotion. Der Text kommt erst an zweiter Stelle. Wenn man fühlt, dass etwas stimmt und aus dem Herzen kommt, erkennt man das in jeder Sprache. Und in den Niederlanden gibt es dann doch irgendwo diese Wiederkennung, wenn auch nur ein Wort. Aber bei diesen klassischen Liedern vermute ich, dass die Menschen aufhorchen, gerade weil ich die Lieder nicht auf klassische Weise singe, sondern näher an der Sprechstimme bleibe. So etwas ist man nicht gewohnt; es fällt aus diesem Grund auf. Nach meinem Gefühl arbeiten klassische Sänger und Sängerinnen so sehr an der Klangschönheit, dass die Aussage darunter leidet, während für mich die Erzählung an erster Stelle steht und daher ankommen muss.

Callot: Es ist ein bisschen das, woran man gewöhnt ist. In der klassischen Musik steht das Vokal-Schöne an erster Stelle und man singt immer noch wie vor hundertfünfzig Jahren. Man muss wirklich trainiert sein, um das zu hören. Das ist nicht so evident. In dieser Hinsicht ist die Zugänglichkeit bei Wannes für den Durchschnittsmenschen größer, aber auch für ein Publikum, das zwar öfter klassische Musik hört, aber nicht unbedingt Vokalmusik. Denn das ist letztendlich auch nur eine Nische. Nach einem klassischen Konzert strauchelt niemand aus dem Publikum darüber, dass er oder sie diesen oder jenen Satz nicht verstanden hat.

Ihr dürft genau ein Stück von der neuen CD wählen: Welches der zwölf Nummern ist für dich am Ende am gelungensten, und natürlich auch warum?

Callot: Ich liebe Deh, viundi alla finestra so unendlich, weil es einerseits etwas sehr Einfaches ist, ursprünglich für Mandoline und Gesang geschrieben, und weil es andererseits auf meinem Instrument herrlich klingt, auch wenn es eine Bearbeitung ist. Vor allem, weil ich dann den Moderator hinzufügen kann. Durch das kleine Tuch, das in diesem Moment vor die Hämmer geschoben wird, klinge ich gewissermaßen wie ein Mandolinenspieler, der die Geschichte in aller Intimität begleiten kann.

Cappelle: Ich würde eigentlich dasselbe wählen. Die Begleitung ist tatsächlich unglaublich schön. Aber daneben möchte ich Deh, viundi alla finestra auch erwähnen, wegen des Italienischen. Ich bin so nah wie möglich bei den ursprünglichen Klängen geblieben und habe das schöne Gefühl, dass ich Italienisch in Westflämisch singe. Ich bin sehr glücklich mit dieser Übersetzung. Das Sangliche des Italienischen ist doch ein wenig eingeflossen.

Auf der Mitte der Aufnahme taucht das Instrumentale Adagio in h-Moll auf (KV 540). Welche Funktion erfüllt dieses Stück im Ganzen der Aufnahme; warum die Wahl genau dieses Solosstücks?

Callot: Damit wollte ich im Aufnahmealbum eine Art Ruhepunkt schaffen. Außerdem sollte das Instrument in all seinen Facetten zu Hören kommen, und dieses fragmentierte Stück eignet sich dafür hervorragend. Si-Moll ist für Mozart eine äußerst seltene Tonart mit dramatischem und dunklem Charakter. Aber genau wie bei Johann Sebastian Bach, bei dem diese Tonart viel prominenter vertreten ist, wird damit auch eine Form der Akzeptanz vermittelt. Man spürt in diesem Stück wunderbar den Zwiespalt zwischen dem Dramatischen und der Endlichkeit des Lebens einerseits und der Ergebung in den Glauben andererseits. Die Wiederholungen im Werk habe ich weggelassen, damit alles auf eine LP passt. Auf diese Weise hörst du das Stück sozusagen nackt, ohne die Möglichkeit, Variationen einzubringen. Adagio Noch eine andere Frage zwischendurch: Auf dem Albumcover sehen wir neben einem Pianisten mit Perücke am Flügel auch einen eingesperrten Vogel, eine gefräßige Katze und sogar ein im Wasser treibendes Cello. Welche Verbindungen gibt es zwischen diesem Bild und dem Inhalt des Albums?

Callot: Das Bild auf dem Cover ist ziemlich surrealistisch. Es gibt viele Dinge, die nicht stimmen, wie zum Beispiel das Klavier aus dem späten 19. Jahrhundert. Es ist dann Sache des Betrachters, seiner Fantasie freien Lauf zu lassen.

Cappelle: Der Vogel und die Katze zusammen illustrieren auch "verslegen nevest gie" als Titel des Albums. Der Vogel ist dabei aus Gelegenheit oder vielleicht auch umgekehrt: die Katze, die angesichts der schönen Flöten des Vogels dahinschmilzt. Aber ich denke vor allem, dass Sammy Mozarts Verspieltheit reinbringen wollte und die Dinge manchmal respektlos behandelt. Das Cello, das im Wasser treibt, das tut man natürlich nicht. Wenn du Mozart wirklich ernst nimmst, musst du auch damit spielen können.Brussels AirlinesIhr habt dank

Klaragemeinsam im Kammermusikzaal des Concertgebouw Brugge gespielt während. Wie ist die Musik dort beim Publikum angekommen; wie war die Reaktion hinterher?

Cappelle: Die Leute von erzählten uns, dass jeder mit strahlendem Lächeln hinaus gegangen ist. Das Publikum war also wirklich dabei, das haben wir gespürt. Callot: Jeder klassischhat das Konzert auch aufgenommen und wollte es erneut ausstrahlen. Weil es allen so gut gefallen hat, die Atmosphäre stimmte und die Zwischentexte von Wannes so ankamen. Es wurde auch sehr viel gelacht, was bei einem klassischen Konzert normalerweise nicht beabsichtigt ist. Aber das kam am Ende ganz spontan. Wir konnten aber auch die Stille greifen und sehr intime Momente erleben, was bei einem so gut besuchten Festival keine Selbstverständlichkeit ist.

Lassen Sie uns, ohne jegliche Einschränkung, einen Blick in die Zukunft werfen. Was dann nach Schubert und Mozart? Welcher klassische Komponist könnte noch in Frage kommen für ein Westflandern-Remake und eine Auffrischung? erzählten uns, dass jeder mit strahlendem Lächeln hinaus gegangen ist. Das Publikum war also wirklich dabei, das haben wir gespürt. Callot: Ich denke, dass es sicher eine Fortsetzung geben wird, aber die Frage ist tatsächlich, was.

Cappelle: Es macht einfach zu viel Spaß. Ich wüsste nicht, warum wir damit aufhören sollten. Ich bin auch überzeugt, dass man alles nach seinen Wünschen gestalten kann, aber die Frage ist dann, wie sehr man in das Original eingreifen kann, ohne der Musik Gewalt anzutun. erzählten uns, dass jeder mit strahlendem Lächeln hinaus gegangen ist. Das Publikum war also wirklich dabei, das haben wir gespürt. Callot: Spätromantische Orchesterlieder, zum Beispiel von Brahms, erfordern eine speziell geschulte Stimme mit großer Tessitur und sind oft mit den stimmlichen Möglichkeiten einer bestimmten Person im Sinn geschrieben. Wir könnten einen Sprung in der Zeit machen, zur Musik des frühen 20. Jahrhunderts von Kurt Weill oder so. Dieses Kabarett-hafte könnte fantastisch funktionieren, weil es wieder die Gelegenheit bietet, Singen und Erzählen zu verbinden.

Cappelle: Für mich liegt das größte Vergnügen darin, dass es bei diesen Projekten schon eine Geschichte gibt, mit der ich dann formal arbeite. Bei Het Zesde Metaal muss ich ohnehin alle paar Jahre mit eigenen Liedern und Texten antreten. Das ist also eine willkommene Abwechslung, weil ich das, was es schon gibt, auf meine eigene Weise erzählen muss.

An die neue Platte war im Dezember 2022 und Januar 2023 auch wieder eine umfangreiche Tournee durch Konzertsäle, Kirchen, Kultur- und Gemeindezentren gekoppelt. Das sind manchmal große Säle, die der Intimität dieser Musik zuwiderlaufen. Auf welche Orte freut ihr euch, dort gemeinsam aufzutreten?

Cappelle: Es gibt keinen Ort, der mich besonders hervorsticht. Wir spielen aber in einigen Kirchen und das kann sehr angenehm sein, auch akustisch.

Callot: Letztes Jahr haben wir in der Eingangshalle der Handelsbeurs gespielt, und ich freue mich darauf, dorthin zurückzukehren (sten-Musik von Kurt Weill oder so. Dieses Kabarett-mäßige könnte fantastisch funktionieren, denn es bietet wieder die Gelegenheit, Singen und Erzählen zu kombinieren.

Cappelle: Für mich liegt das größte Vergnügen darin, dass es bei diesen Projekten bereits eine Geschichte gibt, mit der ich mich dann formal auseinandersetze. Bei Het Zesde Metaal muss ich ohnehin alle paar Jahre mit eigenen Liedern und Texten aufwarten. Das ist also eine schöne Abwechslung, weil ich das, was bereits da ist, auf meine eigene Weise erzählen muss.

An der neuen Platte ist im Dezember 2022 und Januar 2023 auch wieder eine ausgedehnte Tournee durch Konzertsäle, Kirchen, Kultur- und Gemeindezentren gekoppelt. Das sind manchmal große Säle, die quer zur Intimität dieser Musik stehen. Auf welche Orte freut ihr euch, um dort zusammen aufzutreten?

Cappelle: Ich habe nicht unbedingt einen Ort, der besonders heraussticht. Wir sind aber in einigen Kapellen, und das kann sehr angenehm sein, auch akustisch.

Callot: Letztes Jahr haben wir in der Vorhalle der Handelsbeurs gestanden, und ich freue mich darauf, dorthin zurückzukehren (am Sonntag, 18. Dezember um 11 Uhr, Anm. d. Red."). Das war damals ein wirklich schöner und festlicher Moment. Aber manchmal wirst du auch überrascht, wenn du an einen Ort kommst, wo du noch nie gewesen bist, und du das Publikum trotzdem mitnimmst in einen scheinbar weniger inspirierenden Saal. Am Ende hängt es immer wieder vom Moment ab.

WER": Wannes Cappelle [Gesang & Übersetzungen], Nicolas Callot [Pianoforte]

WAS": Interview anlässlich ihrer neuen Aufnahme mit Mozarts Liedern mit dem Titel Niedergeschlagen nebenan

AUSGABEN": BBclassic

BESTELLEN: Chopin: Klaviersonate Nr. 2 in b-Moll, op. 35 oder über den Webshop von Nicolas Callot

Klassiek-Centraal.be » Halka, eine Oper zum Entdecken Kommentare Feed": © Yoshie Kuwayama und Kattoo Hillewaere

Liste der Spieltermine

09.12.22 CC Evergem
10.12.22 CC De Wissel, Wingunde
11.12.22 Kirche Sint-Nasius Boekel, Zwalm
14.12.22 OC De Djoelund, Oud-Turnhout
16.12.22 Kultursaal De Balluchon, Koekelare
17.12.22 Sint-Columbakerk, Deerlijk
18.12.22 Ha's Concerts, Gent
12.01.23 St. Pieter & Paulkerk, Mechelund
13.01.23 Sint-Bavokerk, Lauwe
14.02.23 Sint-Machariuskerk, Laarne
15.01.23 De Kern, Wilrijk
18.01.23 Stadsschouwburg, Sint-Niklaas
20.01.23 CC De Woeker, OuBrussels AirlinesnaarBrussels Airlines
21.01.23 Musikzentrum Dranouter
22.01.23 Sint-Bavokerk, Sint-Baafs-Vijve
27.01.23 GC Spikkerelle, Avelgem AUSVERKAUFT
28.01.23 Concertstudio, Kortrijk (17u00) Zusatzkonzert!
28.01.23 Concertstudio, Kortrijk (20u15) AUSVERKAUFT

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  • “Wenn du Mozart wirklich ernst nimmst, musst du auch damit spielen können”

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