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Klassik Zentral

Die Opéra Royal de Wallonie präsentiert als letzte Oper der Saison einen der Höhepunkte des Opernrepertoires auf der Bühne: Verdis Othello. Regisseur Alex Aguilera lässt vom ersten Bild an keinen Zweifel daran: Othello ist ein bedrückendes, düsteres Stück. Wir erleben authentisch ergreifenden Verdi, fesselndes Theater bis zur letzten Note.

Hinter einem dunkelgrauen Gitterschleier – der auch als Trennung zwischen den Akten zurückkehrt – bildet ein dunkler Palast mit vielen Treppen und kleinen Zwischenbalkonen die Kulisse. Ein schmales Fenster hat maurische Verzierungen. Die Beleuchtung ist äußerst sparsam, die Kleidung fast ausschließlich schwarz. Ein idealer Kontext, um die tragische Handlung zu unterstreichen.

Visuell bietet die Inszenierung nur zwei Lichtblicke: die festliche Begrüßung der Desdemona im ersten Akt durch den Chor und Kinderchor, schön in strahlendem Weiß gekleidet, und Desdemonas weißes Brautkleid im vierten Akt, das gleichzeitig – als extremer Kontrast – zu ihrem Totengewand wird.

Effiziente Regie auf Katastrophenkurs

Nach dem ausgelassenen Freudenchor, mit dem Othello als Sieger über die Sarazenen festlich empfangen wird, konzentriert sich der Regisseur sofort auf den unzufriedenen Jago, der sich für eine höhere Position übergangen fühlt und schrittweise seinen Racheplan ausarbeitet, um Othello in seiner Liebe zu Desdemona zu treffen. In der bewegten Szene zwischen Cassio und Montano zeigt Jago bereits sein böses Wesen. Das darauf folgende Liebesduo zwischen Othello und Desdemona beschließt den ersten Akt und bietet auch den einzigen lyrischen Ruhepunkt der Oper. Von da an stürzt die Oper förmlich auf die Katastrophe zu, wie wir sie in dieser Inszenierung erleben. Jeder Schritt der Intrige erhält in der Aufführung eine effiziente und klare Darstellung; es gibt kein Entrinnen. So bietet das Fallen- und Aufheben des "Taschentuches" – als sehr wichtiger Aspekt in Jagos Manipulation – ein unvermeidliches Bild. Schade, dass die so treffende Charakterisierung Jagos, sein Ich glaube an einen grausamen Gott, dennoch etwas beeinträchtigt wird durch ein etwas albernes Hin- und Herwerfen durch Komparsen. Wir würden es ein Detail nennen wollen, doch Regisseur Alex Aguilera gibt ihm eine Bedeutung: Die Figuren verkörpern das Gift, das in Jago steckt. In der Konfrontation zwischen Othello und Desdemona über Cassio, in der er sie sogar als Kurtisane beleidigt, stellt der Regisseur die Charaktere so gegeneinander, dass die Spannung gesteigert wird. Jagos Mechanismus treibt Othello in den Rage-Passagen 'Ora e per sempre addio', in denen er seiner Geliebten misstraut, und 'Si per ciel', in denen er Rache schwört. Angstvolle Vorahnungen durchdringen das traurigeSalce, salce Desdemonas im vierten Akt und das darauf folgende Ave Maria. Dennoch ist es ein kurzer Ruhepunkt vor dem Finale der tragischen Lösung.

Musikalisch überzeugend

Diese durchdachte und effiziente Regie, gepaart mit einer ergreifenden musikalischen Aufführung, macht das Ergebnis umso überzeugender. Es war das erste Mal, dass Francesco Lanzilotta in der Opéra de Wallonie dirigierte, und hoffentlich kehrt er zurück. Das italienische Repertoire liegt ihm offensichtlich am Herzen. Das Orchester folgt ihm sorgfältig, sowohl in den aufwiegelnden Passages als auch in Bedrohung und Melancholie. Das eindringlichste Zeugnis dafür ist vielleicht der dritte Akt, in dem Othello Desdemona beleidigt und dann völlig zerstört seinen Schmerz in der wunderschönen Arie ausbricht Gott, du hättest mich schleudern können, eine lyrische Cantabile-Melodie, bis die Raserei wieder die Oberhand gewinnt. Lanzilotta holt diese Art von Farbenfülle perfekt aus dem gesamten Partituren. Auch der Chor verdient großes Lob. Luciano Ganci überzeugt als Othello mit sehr ausdrucksstarkem Gesangs- und Schauspielstil. Seine Stimme bewältigt den dramatischen Inhalt ideal, ohne zu übertreiben. Die Regie betont besonders die persönliche Tragödie seiner Liebe zu Desdemona, weniger sein "Außenseiter"-Sein durch seine Hautfarbe. Dieselbe Qualität gilt auch für seinen bösartigen Gegenspieler Jago, Bariton Roman Burdenko. Von seinem ersten Auftritt an fesselt er als Schurke und seine stimmliche Darstellung macht das Ganze hochspannend. Maria Teresa Leva singt eine ergreifende Desdemona, die sich von überzeugter, liebender und selbstbewusster Frau zur Angstlichen und naiv-gläubigen entwickelt. Ein klarer und nuancierter Sopran. ORW hat auch bei den anderen Stimmen eine ausgezeichnete Besetzung vorgenommen, unter der wir noch Luca dall'Amico als Ludovico und Julie Bailly als Emilia hervorheben. Abschließend sei noch auf die wieder einmal sehr sorgfältig gestalteten und wunderschönen Kostüme hingewiesen, ein Lob für Designerin Françoise Raybaud und das Kostümteam der ORW.

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