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Klassik Zentral

Laus Polyphoniae 2026: ein Orientierungspunkt in der Welt der Polyphonie.

Genau zwei Monate von jetzt an, am 21. August, beginnt Laus Polyphoniae 2026: die jährliche Hochmesse der Alten Musik in Flandern. Das Thema dieses Jahr ist Mehrstimmiges Europa um 1600. In drei Episoden nehme ich Sie mit durch das Programm, hier und da mit persönlichem Flair.

Das Thema dieses Jahres mag auf den ersten Blick weniger imposant wirken als das des letzten Jahres (Musik aus der Zeit der Kathedralbauer), aber es ist deshalb nicht weniger herausfordernd oder inspirierend. Wie die Einleitung auf der gepflegten Website erläutert, stand Europa um 1600 an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter.

Das Eröffnungskonzert setzt sofort den Ton, sowohl bei den Ausführenden als auch beim Repertoire: Tenebrae bringt das verwendete und außerdem Passagen aus dessen von Victoria. Das Ensemble steht unter der Leitung von Nigel Short, den ich noch aus seiner Zeit bei The King's Singers kenne. Seit einigen Jahren leitet er Tenebrae (wörtlich übersetzt "Finsternis") mit großer Finesse und Ausdruckskraft. Der Name ist treffend gewählt: die Tenebrae-Liturgie aus der Karwoche atmet eine intensive, stille Atmosphäre, die nahtlos zu Victorias meisterhafter Komposition passt.

Es bleibt lustig: jedes Mal wenn ich "Tenebrae durch Tenebrae" sehe, lächle ich kurz. Ich musste das selbst einmal so ankündigen, und es bleibt eine herrliche Quelle der Verwirrung. Aber genau das macht es so schön: der Name ist kein Zufall, sondern eine bewusste Wahl, die perfekt mit der Atmosphäre des Repertoires übereinstimmt.

Aber heute Abend kein Tenebrae, sondern das verwendete und außerdem Passagen aus dessen von Victoria. Meiner Meinung nach einer der Höhepunkte der Polyphonie: Musik, die gleichzeitig nüchtern und intensiv ist, emotional ohne pathetisch zu werden. Nicht fröhlich, aber durchaus tröstlich, "beruhigend" würde man sagen. Auf jeden Fall Musik, die – wenn man richtig zuhört mit geschlossenen Augen – deinen Herzschlag verlangsamt und deine Emotionen öffnet.

Meine einzige kleine Sorge betrifft den Ort: die Handelsbeurs. Bei einem früheren Konzert hatte man dort einmal vergessen, die Klimaanlage auszuschalten. Hoffen wir, dass dieses Gerät diesmal keine störende Hauptrolle in einem ansonsten zweifellos sublimen Abend spielt.

Am Samstag, den 22. August, geht das Festival richtig los, mit nicht weniger als acht Veranstaltungen zwischen 10 Uhr morgens und 22 Uhr abends. Ehre, wem Ehre gebührt: das ist ein echtes Festival, wo außerdem junge Talente eine Plattform bekommen. Es wäre unangebracht, hier ein Ensemble aus der International Young Artist's Presentation (IYAP) hervorzuheben, also lade ich Sie gerne erneut ein, selbst die ausgezeichnete Website zu konsultieren.

Das bringt uns zum Abendkonzert (oder besser: den Abendkonzerten). Auf dem ersten Abendprogramm steht ein abwechslungsreiches polyphones Repertoire mit unter anderem Pevernage, Du Caurroy, Lassus und Titelouze. Auf der Bühne steht Les Meslange, ein französisches Ensemble aus der Normandie, spezialisiert auf Renaissancemusik und frühe Barock. Es wurde vom Dirigenten und Sänger Thomas Van Essen gegründet und ist für seine raffinierten Interpretationen und sein hohes künstlerisches Niveau bekannt. Ich bin besonders neugierig. Außerdem haben Sie die Gelegenheit, weniger gebräuchliche Instrumente zu hören, wie die Schlangenfagott oder die (Bass-)Serpent.

Dieser musikalische Festtag wird für die Ausdauernden mit einem absoluten Meisterwerk von Lassus abgeschlossen: Tränen des heiligen Petrus, aufgeführt von einer anderen Grösse: Philippe Herreweghe und sein Collegium Vocale. Für den treuen Festivalgänger bedürfen weder das Werk noch die Aufführenden irgendeiner Erklärung.

ausgeführt von einer anderen Größe: Philippe Herreweghe und sein Collegium Vocale. Für den treuen Festivalgänger bedürfen weder Werk noch Ausführende einer Erläuterung.

Webausstellung

Ich wünsche Ihnen nach diesem intensiven Tag eine harmonische Nachtruhe, völlig bereit für das Weitere. Schubert: Die schöne Müllerin – Julian Prégardien & Kristian Bezuidenhout klicken

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