“Willkommen in der Nationalen Basilika von Koekelberg". So werden wir in diesem grandiosen Bauwerk begrüßt – "das größte Art-Déco-Monument der Welt"! – für ein wirklich außergewöhnliches Konzert von Roberto Alagna. Während seiner kurzen belgischen Konzertreihe war er am Vortag noch an einem anderen ikonischen Ort zu hören, der Abtei von Villers-la-Ville. Der Franzose mit sizilianischen Wurzeln ist bereits 63 Jahre alt. Aber sein Name und sein Ruhm sind längst noch nicht verblasst. Das zeigt sich auch an den zahlreichen Fans, die gekommen sind. Nicht vollgepackte Kirche, aber genug Menschen, um gleich Schwung reinzubringen mit donnerndem Händeklatschen, als das Orchester schnell den Ton angibt und der Star schwungvoll die Bühne betritt. Alle bereit für ein Rezital voller sizilianischer und neapolitanischer Lieder. Die Show heißt "Boulevard des Italiens". Das Publikum hätte sich vielleicht eine Reihe von Opernarien erwartet, aber es war die Mühe wert. Stil und Repertoire sind seit seinen glorreichen Zeiten offenbar angepasst worden. Der Tenor bekam freie Hand für den Inhalt seines Konzerts. Es waren überwiegend populäre Canzoni, die wir zu hören bekamen. Aber das war offenbar kein Problem, um die Fans zu begeistern. Übrigens war nirgendwo Information über eine Setlist oder ein Programmbuch zu finden. Schade eigentlich. Aber es gab mehr als genug Mitsingende: Santa Lucia, Sole Mio, Caruso, Bambino, Sizilianische Tarantellas, gesungene und orchestrierte Themen aus Der Pate und Filmmusik-Stücke von Ennio Morricone. Doch es gab einen Makel bei diesem Auftritt: die Soundverstärkung!
Natürlich ist die Akustik in einem so enormen Volumen nicht ideal, mit einem Nachhall von 8 Sekunden, wie ich irgendwo las. So schwierig also, dass man manchmal den Eindruck bekam, dass der Sänger und das Golden Pick Orchestra unter der Leitung von José Pick aus dem Takt klangen. Eigentlich eine Verhöhnung dessen, was man bei einem Konzert hören sollte. Wie kann man dann die Qualität seiner heutigen Meisterschaft beurteilen? Er klang nicht immer von seiner besten Seite und nicht immer rein, aber immer stimmlich kraftvoll genug, um seine vielen Anhänger zu überzeugen. Aber ein Showman ist er noch immer. Und mit einem Funiculi-funicolà sangen alle klatschend mit und dasselbe natürlich auch bei diesem populären italienischen Protestlied Bella ciao. Eineinhalb Stunden Roberto Alagna waren für viele eine inspirierende emotionale Darbietung, hätten aber unter besseren akustischen Bedingungen erlebt werden sollen.





