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Zomeropera Alden Biesen – „Villa Léhar"

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· 4 Min. Lesezeit
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Zomeropera Alden Biesen – „Villa Léhar"
Jedes Jahr im Mai / Juni wird der Innenhof der Landkommende Alden Biesen zum Treffpunkt für Opernliebhaber. Eine majestätische Kulisse, die zweifellos einen Mehrwert bietet. In dieser Ausgabe liegt der Fokus auf dem Operettenrepertoire des österreichisch-ungarischen Komponisten Franz Léhar. Während dieser Sommeropern-Ausgabe wird der Innenhof der Landkommende Alden Biesen in Villa Léhar umgetauft. Franz Léhar, der meistgefeierte Komponist des 20. Jahrhunderts in dem Genre, das als „Wiener Operette“ bezeichnet wird, hob die leichte Musik und die Operette auf ein höheres Niveau. Seine schönsten Operetten schrieb er in seinem Sommerhaus in Bad Ischl an der Traun. Er kaufte die Villa 1910 und wohnte dort jedes Jahr während der Sommermonate von 1912 bis zu seinem Tod 1948. Alles hat seine Zeit und seinen Höhepunkt. Langsam erlosch das Interesse an der Operette. Junge Talente regten sich und übernahmen das Ruder mit neuer Musik. Die Operette wurde démodé. Obwohl das Operettengenre zahlreiche schöne Melodien hervorbrachte, werden Operetten kaum noch aufgeführt. Die romantischen und frivolen Lieder aus den vielen Operetten prägten das Leben unserer Eltern und Großeltern. Es verdient Lob, dass Lieder, die zum kollektiven Gedächtnis eines etwas älteren Publikums gehören, wieder zur Geltung kommen.

Wie ein Groschen rollen kann

Ein touristischer Ausflug kann schon einmal auf Ideen bringen. Als Piet Vansichen, künstlerischer Leiter von Alden Biesen, die Villa Léhar in Bad Ischl besuchte, entstand bei ihm die Idee, diese Villa als Ausgangspunkt für eine neue Produktion zu nutzen. Es wurde ein Handlungsstrang entwickelt, in dem Léhars Werk ausgiebig zur Geltung kommt, aber auch Zeitgenossen einbezogen werden sowie Komponisten, die Léhar bewunderte. Es ziehen vorüber: Strauss, Verdi, Dvořák, Offenbach, Puccini. Das Bühnenbild ist eine Art Nachbildung des reich ausgestatteten Interieurs der Villa Léhar, heute ein Museum, mit einer Fülle an Kunstgegenständen. Das Publikum wird in sein musikalisches Universum eingetaucht. Der Ansatz: ein Guide, der Besucher durch die Villa führt, eine Rolle für Koen Crucke, der dabei gewissermaßen als tranche de vie etwas über den Lebenswandel Léhars erzählt, fällt etwas mager aus. Musik und Gesang sind üppig und mitreißend, doch das Ganze ergibt kein stimmiges Gesamtbild und wirkt etwas substanzlos.

Solisten

Die musikalische Leitung wurde dem niederländischen Dirigenten und Pianisten Enrico Delamboye anvertraut. Regie, Bühnenkonzept und Lichtdesign stehen unter der Leitung von Bruno Van Heystraeten. Koen Crucke ist ein musikalischer Tausendsassa, doch Operette und Oper gehören zum Lieblingsrepertoire dieses Tenors und alten Hasen im Fach. Ein Terrain, auf dem er sich pudelwohl fühlt. Mit seiner ansteckenden Dynamik führt er das Publikum durch die Höhepunkte aus Léhars Werk sowie zu seinem geliebten Tenor Richard Tauber, seinem großen Vorbild Strauss, seinem Mentor Dvořák usw. Man könnte es als Sightseeingtour verstehen, nur eben auf auditivem Gebiet. Als Soprane wurden die Niederländerin Barbara Haveman und die Antwerpenerin Lisa Mostin engagiert. Barbara Haveman beeindruckt vor allem in der Arie „Lied an den Mond“ aus Dvořáks Oper Rusalka. Lisa Mostin hat sich auf das virtuose Koloratur-Repertoire spezialisiert und zeigt als singende mechanische Puppe in „Les oiseaux dans la charmille“ aus Jacques Offenbachs Oper Les Contes d’Hoffmann ein Glanzstück ihrer Stimmakrobatik. Der Tenor Ewandro Stenzowski, ein Brasilianer mit polnisch-italienischen Wurzeln, singt das Tauber-Lied par excellence, „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Das Land des Lächelns von Léhar, sowie „De miei bollenti spiriti“ aus Verdis La Traviata, eine Arie, die alle großen Tenöre in ihr Repertoire aufgenommen haben. Auch er beeindruckt mit Stimme und Interpretation. Der Bass Piet Vansichen singt unter anderem ein Lied aus Johann Strauss’ Der Zigeunerbaron und „Vor meinem Vaterhaus“ von Robert Stolz. Der Bariton Koen Van Agtmael geht im Ensemble mit auf. Als Apotheose von Villa Léhar wurde ein Medley bekannter Lieder aus Léhars reichem Nachlass dargeboten, mit einer Stimmendynamik, die in Klangfarbe, Tonalität und Tempo wechselt. Villa Léhar bietet nahezu die Highlights aus dem Opern- und Operettenrepertoire der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Für Liebhaber eine Aufführung mit „Must-see“-Charakter. WAS: Sommeroper Villa Léhar WER: Bruno Van Heystraeten [Regie], Enrico Delamboye [Dirigent], Federico Santi [Dirigent], Hilde Colaers [Kostüme], Ingrid De Schrijver [Requisiten] STIMMEN: Barbara Haveman, Lisa Mostin, Koen Crucke, Koen van Agtmael, Ewandro Stenzowski, Piet Vansichen WO: Landkommende Alden Biesen

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