Die Opéra Royal de Wallonie eröffnet die Spielzeit mit einer faszinierenden Inszenierung von Verdis Oper Macbeth. Auch wenn Macbeth noch zu den frühen Werken Verdis gehört, sind darin die dramatische Prägnanz und musikalische Kraft seines Schaffens bereits in reichem Maße zu finden.
Regisseur Stefano Poda versteht es in seiner Produktion außerordentlich gut, die Mechanik des Machtstrebens auszuspielen. Die Szenografie macht von der ersten Szene an deutlich, wie beängstigend die Machtgier wirkt. Das einheitliche Bühnenbild, das die Szene vollständig beherrscht, besteht aus verkrampften und verstümmelten Körpern, die wie in einem Leichenhaus übereinandergestapelt sind. Die gothisch-unheimliche Atmosphäre wird durch die schwarzen Kostüme noch verstärkt. Poda betont die Rolle der Hexen als treibende Kraft des Dramas, und ihr Auftritt in der Anfangsszene ist entsprechend außergewöhnlich spektakulär. Die Hexen kriechen, hängen und schleichen über die Bühne. Ein magisches Bild und ein theatralischer Glanzpunkt. Auch ihr Auftritt im dritten Akt ist choreografisch hervorragend gestaltet und macht die Szene, in der der Geist Macbeths von Erscheinungen beherrscht wird, geradezu halluzinatorisch. „Halluzinatorisch“ ist vielleicht das treffendste Adjektiv, um diese Inszenierung zu beschreiben. Auch für die bizarre Passage des „Waldes von Birnam“, der sich laut Libretto in Bewegung setzt, findet Stefano Poda einen einfallsreichen Einfall mit den roten Stäben, die sowohl Bäume als auch Waffen darstellen.
Giampaolo Bisanti: grandios
Neben den Hexen ist Lady Macbeth in Verdis Oper über das Streben nach Macht der zweite treibende Motor. Auch für sie ist Podas Regie präzise ausgearbeitet. Die Kaltblütigkeit, mit der Lady Macbeth die Szene beherrscht, sowohl beim Mord an Duncan als auch in der Bankettszene, macht sie zur eigentlichen Protagonistin der Vorstellung. In ihrer Schlafwandelszene im letzten Akt, in der der Ehrgeiz Lady Macbeths der Verzweiflung weicht, hat Ewa Plonka mit ihrer zweiten großen Arie Una macchia è qui tuttora zweifellos ihren triumphalen Moment als Interpretin. Sie singt diese Arie erschreckend souverän, „hart, gedämpft und dunkel“, wie Verdi es für Lady Macbeth vorgeschrieben hat. Die Biografie des Baritons Luca Micheletti weckt hohe Erwartungen an seine Interpretation des Macbeth, und er erfüllt sie überzeugend. Seine kraftvolle und dennoch warme Stimme verbindet sich mit einer perfekten Einfühlung. Das größte Lob gebührt dem Dirigenten Giampaolo Bisanti. Er hat sein Orchester in dieser durchaus anspruchsvollen Partitur zu bewundernswerter Höhe geführt. Sowohl die geheimnisvolle Atmosphäre der Hexenszenen als auch die emotionale Wirkung jeder Passage erhalten durch Rhythmus und Dynamik die richtige Nuancierung. Angst und Verzweiflung lässt er aus den Instrumenten erklingen, er hält die Spannung ständig scharf, und das Ergebnis ist der perfekte Ausdruck der konsequenten Tragik von Verdis Oper. Glanzvoll.