Diese Sonntag-Morgen-Konzertreihe im Fakkeltheater hat sich zu einer freundlichen Veranstaltung entwickelt. Sozusagen, Klassik in einer besonderen Liga. Es wird lebhaft musiziert und gesungen. Mit einem funkelnden Wortschwall führt Gastgeberin Lissa Meyvis die verschiedenen Werke aneinander und trägt mit Charisma auch einige Lieder vor. Am Klavier Lester Van Loock, Cello Yunah Proost. Ihre DNA ist Musik. Sie glänzen auf der kleinen Bühne. Langsamere Teile wechseln sich mit feurigen Stücken in einer Aneinanderreihung von Tempo, Kadenz und Atmosphärenschaffung ab. Komponisten, Instrumentalisten, Charaktere, die verschiedene Linien miteinander verweben in einem perfekten und mitreißenden Dialog.
Rahmenwerk
Um die letzten Schlafkörner aus den Augen zu vertreiben und eine warme, friedliche Atmosphäre zu schaffen, beginnt das Trio mit einem Wiegelied von Lodewijk Mortelmans und führt das Publikum dann in leidenschaftliche französische Sphären mit Kompositionen von Jules Massenet, Claude Debussy und César Franck.
Massenet, vor allem für seine großen Opern bekannt, komponierte auch kleine Perlen wie Elégie. In diesem Klagelied entfaltet der sonore Klang des Cellos eine warme Decke, aus der die Stimme von Lissa Meyvis wie funkelnder Champagner aufsprudelt. Daran anschließend und in derselben Atmosphäre das Lied C'est l'extase langoureuse von Claude Debussy. Sinnliche Musik, sinnlich und bezaubernd. Instrumente und Gesang, die wie ein verliebtes Paar ein Zusammenspiel bilden.
Der erste Teil endet mit Sonate A-Dur für Violine und Klavier von César Frank in einer Bearbeitung für Cello von Jules Delsart. Auch diese Komposition befasst sich mit Liebe. Der belgisch-französische Komponist César Frank widmete die Sonate als Hochzeitsgeschenk seinem Freund Eugène Ysaÿe. Komplex, atmosphärisch und melancholisch erscheint diese Sonate regelmäßig in Rezitalen und Aufnahmen. Der Klavierpart ist relativ schwierig und erfordert große Technik. Yunah Proost bietet mit dem warmen Klang ihres Instruments Gegengewicht. Beide Instrumentalisten halten das Publikum in ihrem Bann und sorgen für eine verhauchte Verzauberung. Pianist Lester Van Loock mit seiner integeren Distinktion und raffinierten schwungvollen Art, die noch junge Cellistin Yunah Proost zart und verletzlich und mit leidenschaftlicher Hingabe. Beide sprudeln von innen heraus und legen ihre Seele in die Musik.
Andere Horizonte
Nach der Pause werden ganz andere Sphären in der Musik angesteuert. Lissa Meyvis stimmt das Publikum mit dem Lied Die Drei Zigeuner von Franz Liszt als Präludium zur Ungarischen Rhapsodie Nr. 2 aus einer Serie von 19 Rhapsodien für Klavier über ungarische Volksthemen von Liszt ein. Ein Kavallerieauftritt und genau nach Lester Van Loocks Geschmack. Mit seinem leidenschaftlichen und sublimen Spiel versetzt er das Publikum erneut in Begeisterung. Ein Klaviersolo, das wie ein elektrisch geladener Strom von deinem Scheitel bis zur Zehenspitze fließt. Bellissama sucht neben bekannten Werken auch nach weniger bekannten Perlen aus der Musikliteratur. Lissa präsentiert ein freches Lied aus der Feder von Ludwig van Beethoven Der Kuss. Gefolgt von Seit ich gesehen, Frauenliebe und –leben von Robert Schumann, wobei wir tatsächlich in #MeToo-Gewässer geraten. Es gibt auch noch Lachen und Weinen von Franz Schubert und Sopranistin Lissa Meyvis entpuppt sich als kleine Furie, wenn sie mit einiger Ironie und Schadenfreude Rezensenten ins Visier nimmt im Lied Abschied von Hugo Wolf.
Abgeschlossen wird mit demselben Wiegelied von Lodewijk Mortelmans aber in einer anderen Tonart. War das ein kleiner Wink für eine Siesta am Sonntagmittag?
Auch diese Ausgabe von Bellissama mit jungen Künstlern, die Funken sprühen, hinterlässt einen tiefen Eindruck. Man muss kein großer Musikkenner sein, um von ihr mitgerissen zu werden. Es war pure Freude.
Diese intimen Konzerte im Café des Fakkeltheaters sollten auf jeden Fall fortgesetzt werden. Die Künstler werden nicht reich davon. Keine fürstliche Bezahlung, sondern Liebe zur Kunst treibt diese Performer an. Diese jungen talentierten und engagierten Künstler verdienen große Bühnen und angemessene Bezahlung.
WER: Lester Van Loock [Klavier], Yunah Proost [Cello], Lissa Meyvis [Moderation und Gesang]
WAS: Bellissama, Belcanto & bella musica
Musik: Lodewijk Mortelmans, Jules Massenet, Claude Debussy, César Franck, Franz Liszt, Ludwig van Beethoven, Robert Schumann, Hugo Wolf
WO: Fakkeltheater
WANN: Sonntag 8. Januar – Matinee 11 Uhr